gräflich,
adj. ,
seit dem 13.
jh. nachweisbare ableitung von graf (
s. d.),
dessen volle form mhd., mnd. grâve, grêve
im adj. nur in frühen zeugnissen bewahrt ist: grauelek(er) (
mnl. 1254)
corp. d. altdt. originalurk. 1, 61, 23
Wilhelm; grevelich(em) (1349)
urkundenb. d. st. Friedberg 1, 172
Foltz. bereits im 14.
jh. grefl(ich)
weistümer (1840) 4, 634;
seit dem 16.
jh. meist gräflich
neben dem namentlich im 17.
jh. häufigen gräfflich.
abweichungen im stammvokal zeigen namentlich rhein. belege: griefliche (1317)
in: dt. rechtswb. 4, 1062; griffliche (1369)
weistümer (1840) 2, 759.
vereinzelt steht grebenlicheme (1353)
urkundenb. d. st. Wetzlar 1, 494
Wiese. 11) gräflich
kennzeichnet gegebenheiten irgendwelcher art als einem grafen
eignend, von ihm ausgehend oder ihm zukommend. 1@aa)
in der beziehung auf machtbefugnisse, äuszerungen, handlungen u. ä. eines grafen,
insbesondere, soweit sie durch seinen stand und seine würde begründet sind: ende (
wir) verbieden dat bi onser koninghleker gheweld end vnser graueleker gheweld (
Dordrecht 1254)
corp. d. altdt. originalurk. 1, 61
Wilhelm; (
dasz der graf) seyn griefliche herschaf ind sine gedinge halde ind her have bragt (1317)
in: dt. rechtswb. 4, 1062; d stat sal auch uns lazen bi unseme grebenlicheme rechte in unser graschaft (1332)
urkundenb. d. st. Wetzlar 1, 494
Wiese; wir verpflichten unsz hiemit bey unsern gräflichen ehren, trauen, wahren worten (1585)
in: dt. rechtswb. 4, 1062; dem grafen ..., der ... den pastor umarmete, der, ganz verwirrt über diese gräfliche gnade, wieder bücklinge ... zu machen anfieng Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 61; du kommst ganz (
d. i. heil) weg. ich gebe dir meine gräfliche ehre Schiller 3, 61
G.; nehmt unsern gräflichen dank für eure fürsorge Sperl
burschen heraus 1358.
auf mehr zufällige äuszerungen bezogen: eine grose, grose gräfliche lüge Schiller 3, 17
G.; (
die grafen Stolberg) hatten sich mit allem jugendlich gräflichen übermuth auch bei Lavatern gemeldet Göthe I 29, 106
W.; wenn es ihre gräfliche gewohnheit wäre, fächernd ... unterhaltungen zu führen Fontane
ges. w. (1905) I 1, 144.
in vereinzeltem adverbialen gebrauch: (
habe ich) Maximilian Philipp graf von Mor, ... mein greflich angebornes erbsigl ... hieran (
an diese urkunde) gehengt (1690)
österr. weist. 4, 233; graf Bernstorff hatte während seiner kurzen amtszeit der corruption im auswärtigen amte kein ende machen können, war auch wohl geschäftlich und gräflich zu stark präoccupirt, um diesen dingen nahe zu treten Bismarck
ged. u. erinn. (1920) 1, 241. 1@bb)
in der beziehung auf einrichtungen, gegenstände und dergleichen, die sich im besitz eines grafen
befinden: die huntschaf van Cleinenbroiche ind die huntschaf van Rothusen die gievent samen einen scheffen an die griffliche banc (
gericht) (1369)
weist. (1840) 2, 759; ad iurisdictionem dictam dat greeffliche gerichte (
rhein. 1404)
ebda 6, 698; an einem grAevlichen hofe Moscherosch
gesichte (1650), 1, 193; hiernechst erfolgt die wrckliche investitur (
der inhaber von reichslehen), davon dem reichs-hof-raths-thürhüter, wanns gräfliche oder freyherrl (
iche) lehen, so viel lehen-brieffe seynd, so viel gold-gülden in specie gebühren (1659)
bei Lünig
corp. juris feud. Germ. (1727) 1, 105; in dem grAefflichen schloss Dannhawer
catech.-milch (1657) 3, 267; da hätte mancher meynen sollen, es wäre lauter fürstlich und gräfflich reichthumb darhinder Chr. Weise
erznarren 159
ndr.; gräfliche güter
bona comite digna, grAefliches schlosz
sedes comitis Stieler
stammb. (1691) 693; Willisau war vor diesem ein gräfliches städtlein (1757)
in: dt. rechtswb. 4, 1062; die blumen sind aus dem gräflichen garten Körner
w. 4, 58
Hempel; als ich ... meinen lehr- und freibrief als gelernter jäger aus der gräflichen amtskanzlei empfing Holtei
erz. schr. (1861) 2, 108; er hatte von meiner stellung in dem gräflichen hause gehört Gaudy
s. w. (1844) 4, 99; beim souper, an welchem ... der hofstaat, bestehend aus ... den spitzen der gräflichen behörden, theilnahm
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 386; seit menschengedenken hatten die Pascarellas (
bei der eröffnung der oper) immer die loge nummer drei ... innegehabt, zwischen den gräflichen und herzoglichen logen der Pugno-Sarti und Dallorso Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 36.
ähnlich: es sol sich der gutwillige leser ... nicht ergern, das ich etliche herrschafften allhie vnter dem grAeflichen tittel begrieffen, die doch jetziger zeit oder sonst etwan auch pfaltz, marck, land oder burggraueschafften gewesen C. Spangenberg
adelsspiegel (1591) 1, 304
a; der grund, warum die dynastenfamilien seitdem den gräflichen titel wieder annahmen, lag in der nothwendigkeit, sich vom niedern adel ... zu unterscheiden Eichhorn
dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 81. 1@cc)
auf personen, die im dienst eines grafen
stehen, bezogen: kam ein fremder kerle, der von aussen ansehens genug hatte, einen candidatum juris oder wohl gar einen grAefflichen gerichts-verwalter zu bedeuten Chr. Weise
erznarren 23
ndr.; die gräfliche bedienung
famulitium comitis Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 633; ihr gräflicher diener Göthe IV 20, 116
W.; ein sehr hübsches freundliches und reinliches logis, das ich beim gräflichen musikdirektor Schulz genommen habe Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 4, 311; er ... war im nebenamt gräflicher küchenschreiber Schweitzer
Bach (1948) 92. 1@dd)
in der anwendung wie unter b
und c
wird gräflich
oft adjektivisch oder adverbial mit dem in der form eines attributiven adjektivs stehenden namen des betreffenden grafengeschlechts verbunden: die gegend ... heist ... die freye herrschafft Bar, grAeflichen Frstenbergischen gebiets Birken
verm. Donaustrand (1684) 6; Jacob Döpler grAefl. Schwartzb. hoff- und cammer-raths theatrum (1693) (
titel); in dem gräflich Flemmingschen hause Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 15; am andern morgen fuhr ein reisewagen mit dem gräflich Aarsteinschen wappen zum thore hinaus W. Hauff
s. w. (1890) 3, 122; an der gutsgrenze, längs des gräflich Wietenschen besitzes, zog sich ein schmaler streifen waldland hin Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 349. 1@ee)
nur älter von leistungen, die einem grafen
erwiesen werden, ihm zufallen: so wellen wir mit unserm kunglichen gewalt, daz derselbe odir diselben gebowir (
die in Frankfurt oder Friedberg bürgerrecht erwerben) ..., von allem dem gte, daz si undir den vorgenanten iren (
bisherigen) herren behalden, gen denselben iren herscheften in gerichte zu clage, ze antworte und mit grevelichem dienste und ze allen sachen tn sullen und ze tun pflichtig sein gleich andern nokebirn, di in denselben dorfern siczen (1349)
urkundenb. d. st. Friedberg 1, 172
Foltz; ein man, wer der ist, der in vnser herrn gericht jn hett vnd da sitzet mit husern vnd herbest, der ist schuldig zu gebenn vnsern herrn ein hune vnd ein malter habern vnd ein grefl. pfennig eim schultheissen (14.
jh.)
weist. (1840) 4, 634. 22)
erst in nhd. zeit kennzeichnet gräflich
die standeszugehörigkeit von personen und familien. 2@aa)
in persönlicher beziehung: viele frstliche, grAefliche und adeliche personen Rist
d. friedewünsch. Teutschl. (1648) 8; ein grAefliches freulein
comitis filia Stieler
stammb. (1691) 693; ich habe ... von fürstlichen und gräflichen liebhabern 500 ducaten davor gehabt
d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 147; so konnte es geschehen, dasz das schriftchen ... selbst von gräflichen damen empfohlen wurde
bei W. v. Humboldt
br. an Welcker 25
anm. Haym; junker Hinrich hatte die kappe ... gelüftet; ehrerbietiger fast als einst vor seiner gräflichen muhme Storm
s. w. (1899) 6, 104; (
der erbe) füllte mit den tobenden bekundungen seiner gräflichen persönlichkeit die ganze bühne H. Mann
d. untertan (1949) 281. 2@bb)
auf geschlecht, stand oder herkommen bezogen: der erste von grefflicher art der nach seim tod begraben wart anher in dieses kirchelein das ist ein junges herrlein fein Philipps Wolffgang von Isenberg graf Philips son, mich eben merk (
Birstein in Hessen)
grabschrift v. j. 1564; e. gn. vnd dero gantzen grAefflichen hauses hochberhmbte tugenden betreffend Zinkgref
apophthegmata (1628)
*4
a; er ... jetzt genöthigt werde, ein fräulein auss einem hohen gräflichen hauss zu heyrathen Grimmelshausen 2, 576
Keller; der herr graf machte den anfang und erzehlete seinen grAefl. stand und dasz er aus einem uhralten geschlechte herstammete Chr. Reuter
Schelmuffsky (
vollst. ausg.) 14
ndr.; sein gräfliches geschlecht Stoppe
Parnasz (1735) 19; eine gräfliche familie hielt sich wegen unsres geschickten arztes eine zeitlang hier auf Göthe I 22, 286
W.; das alte haus ... theilte sich schon seit hundert jahren in zwei linien, in die ältere und in die jüngere gräfliche Immermann
w. 5, 90
Hempel; der schwager des gräflichen hauses Fontane
ges. w. (1905) I 7, 1.
in der standeszugehörigkeit begründete eigenschaften kennzeichnend: wenn er gleich kein graf ist, so heist er doch also, und ist dir sein gräfliches wesen also in die augen gefallen, dasz du ihn für einen solchen halten mustest Petrasch
s. lustsp. (1765) 2, 504; seine natur war vollkommen gräflich,
d. h. stockaristokratisch Göthe IV 23, 189
W. 2@cc)
in titel und anrede: gräfliche excellenz Krünitz
öcon. encycl. 19 (1780) 617; Jagemann
nuovo voc. 2 (1799) 539.
häufiger gräfliche gnaden,
von der attributiven verbindung her, wie sie unter 1 a
begegnet; vgl. s. v. gnade IV 4: sover aber der dorfmaister ainen einlassen ohne vorwissen iro graflich gnaden und der gemain, sollen dieselben toppelt abgestrafft werden (17.
jh.)
österr. weist. 4, 59; so ist ihrer gräflichen gnaden
etc. der grunt ... verfahlen (17.
jh.)
ebda 7, 340; wenn gräfliche gnaden es nicht selbst gehört hätten Ric. Huch
d. grosze krieg 2 (1912) 406. 33)
auf dem vergleich mit besitz und lebensweise eines grafen
beruht ein adjektivischer und adverbialer gebrauch des wortes im sinne von '
reich, vornehm'
; vgl. graf 3 d: darauf wurde gleichsam gräflich aufgetragen Grimmelshausen 2, 373
Keller; gräflich leben, sich gräflich tractiren lassen Kramer
t.-ital. 1 (1700) 555
a; die karge Claudia ..., arm ihrem geize nach, doch gräflich reich an renten Schwabe
belust. (1744) 1, 90; ein wuchrer kam in kurzer zeit zu einem gräflichen vermögen Gellert
s. schr. (1839) 1, 166; Anne Doren gräflich auszustatten, wählt den bunt'sten schrank der müller Lips Kind
ged. (1817) 1, 243. 44)
substantiviert. von den mitgliedern einer gräflichen
familie: die gräflichen schrieben sich ausschlussweise grafen von und zu Rosenthal Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 10.
auf ein den stand kennzeichnendes verhalten bezogen: sieh nur, wie er demüthig sich verneigt! der schalk! es schlägt das gräfliche doch immer durch Bauernfeld
ges. schr. (1871) 5, 63.
für die grafen
im allgemeinen: dabei bleib ich auch, dasz ans gräfliche öfter sowas (
ein gebrechen) is als an unserein Fontane
ges. w. (1905) I 5, 89.