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gräflich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gräflich adj.

Bd. 8, Sp. 1722
gräflich, adj. , seit dem 13. jh. nachweisbare ableitung von graf (s. d.), dessen volle form mhd., mnd. grâve, grêve im adj. nur in frühen zeugnissen bewahrt ist: grauelek(er) (mnl. 1254) corp. d. altdt. originalurk. 1, 61, 23 Wilhelm; grevelich(em) (1349) urkundenb. d. st. Friedberg 1, 172 Foltz. bereits im 14. jh. grefl(ich) weistümer (1840) 4, 634; seit dem 16. jh. meist gräflich neben dem namentlich im 17. jh. häufigen gräfflich. abweichungen im stammvokal zeigen namentlich rhein. belege: griefliche (1317) in: dt. rechtswb. 4, 1062; griffliche (1369) weistümer (1840) 2, 759. vereinzelt steht grebenlicheme (1353) urkundenb. d. st. Wetzlar 1, 494 Wiese. 11) gräflich kennzeichnet gegebenheiten irgendwelcher art als einem grafen eignend, von ihm ausgehend oder ihm zukommend. 1@aa) in der beziehung auf machtbefugnisse, äuszerungen, handlungen u. ä. eines grafen, insbesondere, soweit sie durch seinen stand und seine würde begründet sind: ende (wir) verbieden dat bi onser koninghleker gheweld end vnser graueleker gheweld (Dordrecht 1254) corp. d. altdt. originalurk. 1, 61 Wilhelm; (dasz der graf) seyn griefliche herschaf ind sine gedinge halde ind her have bragt (1317) in: dt. rechtswb. 4, 1062; d stat sal auch uns lazen bi unseme grebenlicheme rechte in unser graschaft (1332) urkundenb. d. st. Wetzlar 1, 494 Wiese; wir verpflichten unsz hiemit bey unsern gräflichen ehren, trauen, wahren worten (1585) in: dt. rechtswb. 4, 1062; dem grafen ..., der ... den pastor umarmete, der, ganz verwirrt über diese gräfliche gnade, wieder bücklinge ... zu machen anfieng Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 61; du kommst ganz (d. i. heil) weg. ich gebe dir meine gräfliche ehre Schiller 3, 61 G.; nehmt unsern gräflichen dank für eure fürsorge Sperl burschen heraus 1358. auf mehr zufällige äuszerungen bezogen: eine grose, grose gräfliche lüge Schiller 3, 17 G.; (die grafen Stolberg) hatten sich mit allem jugendlich gräflichen übermuth auch bei Lavatern gemeldet Göthe I 29, 106 W.; wenn es ihre gräfliche gewohnheit wäre, fächernd ... unterhaltungen zu führen Fontane ges. w. (1905) I 1, 144. in vereinzeltem adverbialen gebrauch: (habe ich) Maximilian Philipp graf von Mor, ... mein greflich angebornes erbsigl ... hieran (an diese urkunde) gehengt (1690) österr. weist. 4, 233; graf Bernstorff hatte während seiner kurzen amtszeit der corruption im auswärtigen amte kein ende machen können, war auch wohl geschäftlich und gräflich zu stark präoccupirt, um diesen dingen nahe zu treten Bismarck ged. u. erinn. (1920) 1, 241. 1@bb) in der beziehung auf einrichtungen, gegenstände und dergleichen, die sich im besitz eines grafen befinden: die huntschaf van Cleinenbroiche ind die huntschaf van Rothusen die gievent samen einen scheffen an die griffliche banc (gericht) (1369) weist. (1840) 2, 759; ad iurisdictionem dictam dat greeffliche gerichte (rhein. 1404) ebda 6, 698; an einem grAevlichen hofe Moscherosch gesichte (1650), 1, 193; hiernechst erfolgt die wrckliche investitur (der inhaber von reichslehen), davon dem reichs-hof-raths-thürhüter, wanns gräfliche oder freyherrl (iche) lehen, so viel lehen-brieffe seynd, so viel gold-gülden in specie gebühren (1659) bei Lünig corp. juris feud. Germ. (1727) 1, 105; in dem grAefflichen schloss Dannhawer catech.-milch (1657) 3, 267; da hätte mancher meynen sollen, es wäre lauter fürstlich und gräfflich reichthumb darhinder Chr. Weise erznarren 159 ndr.; gräfliche güter bona comite digna, grAefliches schlosz sedes comitis Stieler stammb. (1691) 693; Willisau war vor diesem ein gräfliches städtlein (1757) in: dt. rechtswb. 4, 1062; die blumen sind aus dem gräflichen garten Körner w. 4, 58 Hempel; als ich ... meinen lehr- und freibrief als gelernter jäger aus der gräflichen amtskanzlei empfing Holtei erz. schr. (1861) 2, 108; er hatte von meiner stellung in dem gräflichen hause gehört Gaudy s. w. (1844) 4, 99; beim souper, an welchem ... der hofstaat, bestehend aus ... den spitzen der gräflichen behörden, theilnahm M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 386; seit menschengedenken hatten die Pascarellas (bei der eröffnung der oper) immer die loge nummer drei ... innegehabt, zwischen den gräflichen und herzoglichen logen der Pugno-Sarti und Dallorso Werfel geschw. v. Neapel (1931) 36. ähnlich: es sol sich der gutwillige leser ... nicht ergern, das ich etliche herrschafften allhie vnter dem grAeflichen tittel begrieffen, die doch jetziger zeit oder sonst etwan auch pfaltz, marck, land oder burggraueschafften gewesen C. Spangenberg adelsspiegel (1591) 1, 304a; der grund, warum die dynastenfamilien seitdem den gräflichen titel wieder annahmen, lag in der nothwendigkeit, sich vom niedern adel ... zu unterscheiden Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 81. 1@cc) auf personen, die im dienst eines grafen stehen, bezogen: kam ein fremder kerle, der von aussen ansehens genug hatte, einen candidatum juris oder wohl gar einen grAefflichen gerichts-verwalter zu bedeuten Chr. Weise erznarren 23 ndr.; die gräfliche bedienung famulitium comitis Steinbach dt. wb. (1734) 1, 633; ihr gräflicher diener Göthe IV 20, 116 W.; ein sehr hübsches freundliches und reinliches logis, das ich beim gräflichen musikdirektor Schulz genommen habe Pückler briefw. u. tageb. (1873) 4, 311; er ... war im nebenamt gräflicher küchenschreiber Schweitzer Bach (1948) 92. 1@dd) in der anwendung wie unter b und c wird gräflich oft adjektivisch oder adverbial mit dem in der form eines attributiven adjektivs stehenden namen des betreffenden grafengeschlechts verbunden: die gegend ... heist ... die freye herrschafft Bar, grAeflichen Frstenbergischen gebiets Birken verm. Donaustrand (1684) 6; Jacob Döpler grAefl. Schwartzb. hoff- und cammer-raths theatrum (1693) (titel); in dem gräflich Flemmingschen hause Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 15; am andern morgen fuhr ein reisewagen mit dem gräflich Aarsteinschen wappen zum thore hinaus W. Hauff s. w. (1890) 3, 122; an der gutsgrenze, längs des gräflich Wietenschen besitzes, zog sich ein schmaler streifen waldland hin Polenz Grabenhäger (1898) 1, 349. 1@ee) nur älter von leistungen, die einem grafen erwiesen werden, ihm zufallen: so wellen wir mit unserm kunglichen gewalt, daz derselbe odir diselben gebowir (die in Frankfurt oder Friedberg bürgerrecht erwerben) ..., von allem dem gte, daz si undir den vorgenanten iren (bisherigen) herren behalden, gen denselben iren herscheften in gerichte zu clage, ze antworte und mit grevelichem dienste und ze allen sachen tn sullen und ze tun pflichtig sein gleich andern nokebirn, di in denselben dorfern siczen (1349) urkundenb. d. st. Friedberg 1, 172 Foltz; ein man, wer der ist, der in vnser herrn gericht jn hett vnd da sitzet mit husern vnd herbest, der ist schuldig zu gebenn vnsern herrn ein hune vnd ein malter habern vnd ein grefl. pfennig eim schultheissen (14. jh.) weist. (1840) 4, 634. 22) erst in nhd. zeit kennzeichnet gräflich die standeszugehörigkeit von personen und familien. 2@aa) in persönlicher beziehung: viele frstliche, grAefliche und adeliche personen Rist d. friedewünsch. Teutschl. (1648) 8; ein grAefliches freulein comitis filia Stieler stammb. (1691) 693; ich habe ... von fürstlichen und gräflichen liebhabern 500 ducaten davor gehabt d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 147; so konnte es geschehen, dasz das schriftchen ... selbst von gräflichen damen empfohlen wurde bei W. v. Humboldt br. an Welcker 25 anm. Haym; junker Hinrich hatte die kappe ... gelüftet; ehrerbietiger fast als einst vor seiner gräflichen muhme Storm s. w. (1899) 6, 104; (der erbe) füllte mit den tobenden bekundungen seiner gräflichen persönlichkeit die ganze bühne H. Mann d. untertan (1949) 281. 2@bb) auf geschlecht, stand oder herkommen bezogen: der erste von grefflicher art der nach seim tod begraben wart anher in dieses kirchelein das ist ein junges herrlein fein Philipps Wolffgang von Isenberg graf Philips son, mich eben merk (Birstein in Hessen) grabschrift v. j. 1564; e. gn. vnd dero gantzen grAefflichen hauses hochberhmbte tugenden betreffend Zinkgref apophthegmata (1628) *4a; er ... jetzt genöthigt werde, ein fräulein auss einem hohen gräflichen hauss zu heyrathen Grimmelshausen 2, 576 Keller; der herr graf machte den anfang und erzehlete seinen grAefl. stand und dasz er aus einem uhralten geschlechte herstammete Chr. Reuter Schelmuffsky (vollst. ausg.) 14 ndr.; sein gräfliches geschlecht Stoppe Parnasz (1735) 19; eine gräfliche familie hielt sich wegen unsres geschickten arztes eine zeitlang hier auf Göthe I 22, 286 W.; das alte haus ... theilte sich schon seit hundert jahren in zwei linien, in die ältere und in die jüngere gräfliche Immermann w. 5, 90 Hempel; der schwager des gräflichen hauses Fontane ges. w. (1905) I 7, 1. in der standeszugehörigkeit begründete eigenschaften kennzeichnend: wenn er gleich kein graf ist, so heist er doch also, und ist dir sein gräfliches wesen also in die augen gefallen, dasz du ihn für einen solchen halten mustest Petrasch s. lustsp. (1765) 2, 504; seine natur war vollkommen gräflich, d. h. stockaristokratisch Göthe IV 23, 189 W. 2@cc) in titel und anrede: gräfliche excellenz Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 617; Jagemann nuovo voc. 2 (1799) 539. häufiger gräfliche gnaden, von der attributiven verbindung her, wie sie unter 1 a begegnet; vgl. s. v. gnade IV 4: sover aber der dorfmaister ainen einlassen ohne vorwissen iro graflich gnaden und der gemain, sollen dieselben toppelt abgestrafft werden (17. jh.) österr. weist. 4, 59; so ist ihrer gräflichen gnaden etc. der grunt ... verfahlen (17. jh.) ebda 7, 340; wenn gräfliche gnaden es nicht selbst gehört hätten Ric. Huch d. grosze krieg 2 (1912) 406. 33) auf dem vergleich mit besitz und lebensweise eines grafen beruht ein adjektivischer und adverbialer gebrauch des wortes im sinne von 'reich, vornehm'; vgl. graf 3 d: darauf wurde gleichsam gräflich aufgetragen Grimmelshausen 2, 373 Keller; gräflich leben, sich gräflich tractiren lassen Kramer t.-ital. 1 (1700) 555a; die karge Claudia ..., arm ihrem geize nach, doch gräflich reich an renten Schwabe belust. (1744) 1, 90; ein wuchrer kam in kurzer zeit zu einem gräflichen vermögen Gellert s. schr. (1839) 1, 166; Anne Doren gräflich auszustatten, wählt den bunt'sten schrank der müller Lips Kind ged. (1817) 1, 243. 44) substantiviert. von den mitgliedern einer gräflichen familie: die gräflichen schrieben sich ausschlussweise grafen von und zu Rosenthal Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 10. auf ein den stand kennzeichnendes verhalten bezogen: sieh nur, wie er demüthig sich verneigt! der schalk! es schlägt das gräfliche doch immer durch Bauernfeld ges. schr. (1871) 5, 63. für die grafen im allgemeinen: dabei bleib ich auch, dasz ans gräfliche öfter sowas (ein gebrechen) is als an unserein Fontane ges. w. (1905) I 5, 89.
10907 Zeichen · 255 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gräflich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gräflich , adj. et adv. einem Grafen gleich oder ähnlich, demselben gehörig, in dessen Würde gegründet. Die gräfliche Wü…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gräflich

    Goethe-Wörterbuch

    gräflich in Br u Tgb auch Großschr, öfter abgekürzt ‘gräfl.’; 20 von 60 Belegen bei Nebenlemmata a dem Grafenstand, eine…

  3. modern
    Dialekt
    gräflich

    Nachträge (Rheinisch)

    gräflich Adj.: die Gräfliche Bezeichnung für die Bewohner von May-Monreal u. Virnebg .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit graeflich

23 Bildungen · 17 Erstglied · 5 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von graeflich

graef + -lich

graeflich leitet sich vom Lemma graef ab mit Suffix -lich.

graeflich‑ als Erstglied (17 von 17)

gräflichbernstorffisch

GWB

gräflich-bernstorffisch Catalog der Gräfl. Bernstorffischen Bibliothek Tgb 29.10.20 Rüdiger Welter R.W.

gräflichbolzasch

GWB

gräflich-bolzasch Gräflich Bolzaschen Weine probirt Tgb 1.6.07 Rüdiger Welter R.W.

gräflichharrachisch

GWB

gräflich-harrachisch Spedition der Gräfl. Harrachischen Kisten B30,85,18 Göschen 12.6.05 uö(in Br) Rüdiger Welter R.W.

gräflichkeit

DWB

graeflich·keit

gräflichkeit , f. , abstraktbildung zu gräflich ( s. d. ) ; schon für das mnl., in spezieller bedeutung, bezeugt, im dt. erst seit dem 19. j…

gräflichklebelsbergisch

GWB

gräflich-klebelsbergisch in dem gräflich Klebelsbergischen Hof N9,56,16 Marienbad Rüdiger Welter R.W.

gräflichlaczanskysch

GWB

gräflich-laczanskysch Dr. Florian, Gräflich Laczanskyscher Arzt Tgb 10.7.07 Rüdiger Welter R.W.

gräflichluxburgisch

GWB

gräflich-luxburgisch Rücksendung des gräfl. Luxburgischen Briefs Tgb 22.10.25 Rüdiger Welter R.W.

gräflichnostitzisch

GWB

gräflich-nostitzisch die gräflich Nostitzische Familie Tgb 28.7.23 ~ B37,152,16 August 28.7.23 Rüdiger Welter R.W.

gräflichreinhardisch

GWB

gräflich-reinhardisch empfehlen [ Sie ] mich dem theueren Gräflich Reinhardischen Hause B38,163,10 Macco 15.6.24 Das theure gräflich Reinhar…

gräflichreußisch

GWB

graeflich·reussisch

gräflich-reußisch wohl zur Unterscheidung von den gefürsteten Linien des Hauses Reuß die ansehnliche gräflich Reussische Naturaliensammlung …

gräflichsalmisch

GWB

gräflich-salmisch wohl zur Unterscheidung von den gefürsteten Linien des Hauses Salm Pflanzen vom Gräflich-Salmischen Garten [ in Raitz/Mähr…

gräflichschönbornisch

GWB

gräflich-schönbornisch in Heusenstamm, einem gräflich Schönbornischen Schlosse 26,301,2 DuW 5 Rüdiger Welter R.W.

gräflichsternbergisch

GWB

gräflich-sternbergisch die gräflich Sternbergischen .. Kohlenwerke N13,287,7 MinGeol Plp Rüdiger Welter R.W.

gräflichveltheimisch

GWB

gräflich-veltheimisch die gräflich Veltheimische Familie 35,225,17 TuJ 1805 Rüdiger Welter R.W.

Gräflich Wiese

Meyers

graeflich·wiese

Gräflich Wiese , Dorf im preuß. Regbez. Oppeln, Kreis Neustadt in Oberschlesien, hat Damastweberei und (1900) 2085 Einw.

graeflich als Zweitglied (5 von 5)

hochgräflich

DWB

hochgraf·lich

hochgräflich , adj. in devoter rede für gräflich: euer hochgräfliche gnaden, comes celsissime. Frisch 1, 458 c ; das ganze hochgräfliche hau…

pfalzgräflich

DWB

pfalz·graeflich

pfalzgräflich , adj. : sie hatten pfaltzgräflich gleit. Götz v. Berl. 55 neudruck; ein pfaltzgräflicher knecht. 82; als Heidelbergs pfalzgrä…

Ableitungen von graeflich (1 von 1)

Ungräflich

Campe

Ungräflich , adj . u. adv . einem Grafen nicht angemessen.