gradual(e),
gradal,
n. ,
aus mlat. graduale
und gradale.
im deutschen noch in den schreibungen gradwal (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 267
c, graduael (
Köln 1507)
ebda; dagegen meint gradales gradala (13.
jh. bair.)
ahd. gl. 4, 69, 41
St.-S., gradales gradel (12.
jh. bair.)
ebda 69, 42
und gradales gradal (12.
jh. bair.)
ebda 69, 43
die psalmi graduales, nämlich ps. 119—134,
die angeblich von den leviten auf den 15
vom weibervorhof zum männervorhof führenden stufen gesungen wurden, s. Kautzsch-Bertholet
d. hl. schr. d. alten test. 42, 255.
mhd. stehen gradal
und gradual
etwa gleich häufig. in den mhd. glossierungen scheinen nach Dieffenbach
gl. 267
c gradal
und gradual
je nach dem glossierten lat. lemma zu wechseln. heute hat sich gradual(e)
durchgesetzt. 11) '
der auf die epistel folgende meszgesang aus 2 (
psalm-)
versen. der name (9.
jahrh.)
geht zurück auf die gewohnheit, diesen gesang auf oder neben (
Hrabanus Maurus, de inst. cler. I 33)
den stufen (=
gradus)
des ambon, nicht auf dessen plattform, wie das evangelium, vorzutragen'
lex. f. theol. u. kirche 4 (1932) 638
Buchberger: 'was betútet daz gradal?' der meister sprach: 'daz ist ein wunneclicher sanc unde bezeichent die ruwe die wir in dirre welte hant unbe unser súnde. ovch betutet daz gradal eine stigunge, die wile wir sint in dirre welte, daz wir stigen suln von einer tugent zuo der anderen' (
hs. 13.
jh.)
dt. Lucidarius 44, 6
Heidl.; nâch der collecten lesen wir die episteln ... dar nâch singen wie ein gesanc, daz heizen wir daz gradual. daz heizet daz loufende gesanc unde daz bediutet: dô unser herre hie ûf ertrîche lêrte mit sîner lêre ..., dô liefen im vil liute nâch ... dar nâch singen wir etewenne ze hôchgezîten ein gesanc, daz heizet ein sequentie Berthold v. Regensburg 1, 498, 8
Pf.; dú lecce (
epistellection) bezaichent die bredige sant Johansen baptisten, daz er kunte daz únser herre kAem. daz gradal bezaichent daz er únsern herren zaigte mit dem vinger ... daz ewangelium bezaichet die sssen predi die únser herr selber tet mit sim hailgen gOetlichen munde
St. Georgener prediger 9
Rieder; so liset man denne die epistel ... so singet man denne das gradal ... so liset man denne das ewangelium (
Zürich 1393)
altdt. predigten 71, 96
Wackernagel; diu epistile bitutet die predige
s. Johannes Baptista. daz gradal bitûtet die buoze der sundær, wan ez ist muolîch ze singenne alse diu buoze ist seære zî traginne. alleluia bitûtet die frovde die die selê gewinnent ... daz ewangelium bitûtet die hohen predige Jhesu Christi (14.
jh.)
Weingartner pred. in: zs. f. dt. altert. 28, 15; in halber hochzeit und an dem suntag so sllen zwue swester den vers dez gradualz singen und anderr
[] zwue daz alleluia
ordin. d. Klarissenordens in: Wiener sitzungsber. (1908) 160, 6
Schönbach; das gradual man singen sol mit hüpschen worten kluog und vil Hermann v. Sachsenheim
die mörin 5590
Martin; der gottesdienst in den gemeinden lutherischer observanz gestaltete sich dem nach wie folgt: introitus; kyrie; gloria; epistel; graduale; evangelium; credo (nicänisches glaubensbekenntnis); predigt; abendmahl mit sanctus, benedictus und agnus dei Schweitzer
Bach (1948) 48.
auch für die besondere vertonung dieses stückes innerhalb einer missa solemnis: nun musz ich dich (
die schwester) um etwas bitten. — ich möchte gerne, dasz mir der (
Michael) Haydn seine 2 tutti-messen, und die graduale, die er geschrieben, in partitur auf eine zeit lehnte (1788) W. A. Mozart
br. 2, 288
Schiederm.; übrigens mache ich mich verbindlich ihnen (
dem verlag Breitkopf und Härtel in Leipzig) mit einem offertorium und graduale zu der messe in einiger zeit ein geschenk zu machen (1808) Beethoven
s. br. 1, 231
Kal. 22) '
buch für den stufengesang der solisten (
graduale, alleluja und tractus),
auch cantatorium genannt, seit dem 12.
jahrh. das vollständige meszgesangbuch'
lex. f. theol. u. kirche 2 (1931) 891
Buchberger: herzog Stephanen funden (
die boten) in unpheflicher wât an der zilstat bî anderen schutzen: er kunde vil baz nutzen daz armst (=
armbrust) denne das gradal Ottokar
österr. reimchron. 53 961
Seem.; einer las im decretal, der ander sang im gradual, der drit studirt astronomi (1397—1400)
hist. volkslieder 1, 173
Liliencron; vgl. graduale gesangbuch (
o. o. u. j.) Diefenbach
gl. 267
c.
im bild: der tüffel ist der spiler, der bapst der hatt sein cardinäl, das seind die bretspiler. das brett ist das gradual hatt seine noten, sechsz strich gegen einander, sein sechsz linien, sechsz voces Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 48
b; 'gradual
oder gradal ...
ein buch, woraus die geistlichen in der kirche singen' Frisch
t.-lat. (1741) 1, 364
c.
falsch aufgefaszt und erklärt: 'gradual ... (
oder: gradal)
ein buch in der römischen kirche, in welchem die so genannten versus gradales, d. i. diejenigen gesänge an sonn- und festtagen enthalten sind, auf welche das chor in gewissen absätzen antwortet' Voigtel
wb. (1793) 2, 121
a.