gouvernante,
f. das aus dem frz. übernommene wort wird zu anfang des 18.
jhs. zuerst bei J. Chr. Wächtler
manual (1714) 191
mit deutscher weiterbildung als gouvernantin
belegbar, die sich vielleicht an etwas früher bezeugtes gubernatin (
vgl. teil 4, 1, 6,
sp. 1027)
anlehnt, dessen b-
form wohl in analogie zu älteren geläufigen formen wie gubernament, gubernierer, gubernator, gubernieren (
vgl. teil 4, 1, 6,
sp. 1027
f.)
zu denken ist. gouvernantin
ist bis um die mitte des 19.
jhs. anzutreffen. erst im laufe des 19.
jhs. setzt sich die form gouvernante
durch, die zufrühest lexikalisch als gouvernante
bei Apinus
gloss. nov. (1728) 251,
dann im ausgehenden 18.
jh. auch häufiger literarisch anzutreffen ist. nebenformen wie gubernante Petrasch
s. lustsp. (1765) 2, 295
und guvernante Wieland
s. w. (1794) 21, 177
bleiben vereinzelt. —
von den bedeutungen '
frau eines gouverneurs, statthalterin, erzieherin, hofmeisterin, haushälterin',
die frz. gouvernante
im 18.
jh. hat (
vgl. Littré
dict. de la langue franç. [1881] 1, 2, 1905
a),
finden sich im deutschen nur '
erzieherin, hofmeisterin',
seltener auch '
statthalterin'
wieder. 11)
erzieherin, hofmeisterin: ich nehme diejenigen personen von dieser zahl aus, die ihre stellen mit ruhm begleiten(!), und würdige gouvernantinnen sind. ich kenne verschiedene derselben, die ... vortrefliche proben ihrer erziehungskunst abgeleget haben L. A. Gottsched
br. (1771) 2, 39
Runkel; um zu entreissen die junge schöne person der aufsicht einer alten gouvernante Knigge
roman m. lebens (1781) 3, 128; die kurze dicke war ihre bisherige gouvernante gewesen Hauff
s. w. (1890) 3, 270; eine feine, hochbegabte dame, deren zeit und talent vorzüglich der bildung zweier prinzessen gewidmet war, hatte sich ihm gewogen gezeigt; ihrer hoffte er sich nun als mittelsperson zu bedienen ... gegen abend trat er den gang zur gouvernantin an Mörike
w. 2, 259
Maync; Kerner
bilderb. (1849) 281; das ist so mit manchen orten; die gouvernanten läszt man aus Neuschatel kommen Pückler
briefw. (1873) 3, 127; die geschwister waren rasch aufgestanden. sie beugten sich zum kusz über die hand ihrer mutter, die ... einige worte in französischer sprache an die erzieherin richtete. dann schritt sie zur glastür. die geschwister folgten ihr ... nach ihnen die gouvernante, zuletzt der knabe Th. Mann
ausgew. erz. (1948) 470. 22)
in der bedeutung '
statthalterin'
nur in der beziehung auf niederländische verhältnisse belegbar: merckwürdig ist das hembde der Isabellae Clarae Eugeniae, einer ehemaligen gouvernantin in denen Niederlanden, so sie fast in die drey jahr lang auf dem leibe behalten Amaranthes
frauenzimmerlex. (1715) 799; selbst die gouvernantin der Niederlande ... wurde ... in ihren einkünften auf eine bestimmte summe eingeschränckt (1790) J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 182. 33)
an die von 1
herzuleitende vorstellung der gouvernante
als einer tantenhaften sitten- und tugendwächterin knüpfen sich schon seit dem ausgehenden 18.
jh. bildungen wie gouvernantenängstlichkeit, f. Gotter
ged. (1787) 1, 437,
gouvernantenmäszig, adj. Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 3, 203,
gouvernantentum, n. W. Raabe
s. w. I 6, 98
Klemm. in der gegenwärtigen sprache von hier aus ironisierend für eine person, die jemanden angelegentlich bevormundet. —