göttersohn,
m. ,
seit der mitte des 17.
jhs. belegbar. 11)
nur gelegentlich von göttern im vollen sinn des wortes: im traume kam mir einer für gleich einem göttersohne, ausz seinem flügelhut, schlangenstab und stieffeln kunt ich leichtlich muhtmassen, wer er wäre (
Hermes) Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 5, )( )( )( )( )( 4
a; unter allen göttersöhnen, wer war einst wie gott Apoll? Herder 25, 365
S für einen gott auf kindlicher lebensstufe: die Venus sasz auf ihrem throne und hielt dem kleinen götter-sohne (
Eros) mit eyfer diese frage für Henrici
ged. (1727) 4, 215; Böttiger
kl. schr. (1837) 1, 376.
in anderer, freilich vereinzelter spezialisierung für Christus: einfach und Jehovas würdig, hehr und heilig, göttersohn Novalis
schr. 1, 89
Minor 22)
vorwiegend von halbgöttern, heroen oder gottähnlichen menschen, im eigentlich mythologischen bereich. 2@aa)
ohne scharfe begriffsgrenze von halbgöttlichen wesen überhaupt, in verschiedenen mythischen zusammenhängen: von zwitter-menschen, hieher gehören die ... heroes, die götter söhne der heyden J. Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 3, 559.
die mittelstellung zwischen göttern und menschen bezeichnend: oft hat ein göttersohn den feuerschwangern bauch der felsen aufgerizt, doch seine kraft erlahmt in Tellus schranken, das kann nur Zeus! Schiller 1, 337
G. klassifizierend: die schilderung von den ... wilden, ihre begriffe von den Europäern, die sie ... für göttersöhne halten
allg. dt. bibl. (1765) 9, 362; es fiel ihm (
Pilatus) daher plötzlich mit einem gewissen schauer ein, ob etwa in diesem Jesus etwas übernatürliches sei, ein heidnischer göttersohn Tholuck
comment. z. evang. Joh. (1827) 327.
in dichterischer sprache von den engeln: doch ihr, die echten göttersöhne (
die erzengel), erfreut euch der lebendig reichen schöne! Göthe I 14, 23
W. (
Faust I
v. 344); Rückert
ges. poet. w. (1867) 4, 33. 2@bb)
meist in genauerer bestimmung für den von einem göttlichen und einem menschlichen elternteil abstammenden halbgott, besonders in der griechischen mythologie: ein neues geschlecht gott und mensch vermittelnder, weil von Zeus mit sterblichen müttern erzeugter göttersöhne Schelling
w. (1856) II 1, 483.
fest in der benennung des Herakles, des Achill u. ä.: wie, rasend, ... die zarten früchte seiner lenden Alkmenens göttersohn zertheilt Schwabe
belust. (1741) 1, 240; Creuzer
symbolik (1810) 2, 230; ihn tödtete der göttersohn Achill Bürger
s. w. 174
a Bohtz; H. v. Kleist
w. 2, 31
E. Schm.; jetzt sind es Castor und Pollux, rettende göttersöhne Herder 15, 468
S. 2@cc)
von heroisierten, für gottähnlich erklärten menschen des altertums, unter zurücktreten der vorstellung göttlicher abstammung: wein um den göttersohn (
Agamemnon), den sieger Trojens! weine
theater der Deutschen (1768) 18, 242; wenn der dichter nur von ihnen (
den groszen menschen der vergangenheit) singt, es ist als wenn sich seine seele zum himmel hübe, zu göttersöhnen, gotteingegeisteten, himmelgebohrnen! wunderthätern! edlen helden besserer zeiten, durch die die götter geredet und gewürket Herder 6, 285
S. im anschlusz an 1. Mose 6, 1
ff.: was hat man nicht aus den göttersöhnen, die bei den menschentöchtern schliefen, gefabelt? und doch ist der ausdruck 'göttersöhne',
d. i. helden, heroen, leute von überwiegender macht, schönheit, stärke, in allen heldensagen gäng und gäbe Herder 11, 389
S.; vgl. 6, 109; 7, 163; 165.
speziell von den königen: Saul bleibet wohl vor ihm (
David), der grosse göttersohn G. Neumark
poet.-hist. lustgarten (1666) 41; wenn im Homer die versammlung der Griechen erscheint: so bebt vom gemurmel die erde, und neun schreiende herolde laufen mit stäben umher, sie zu bändigen, dasz sie die göttersöhne, die könige hören sollen Herder 1, 142
S.; 4, 207; 12, 261. 33)
vergleichend und übertragen im eigentlich menschlichen und innerweltlichen bereich. 3@aa)
in direktem vergleich: doch Otanes (
ein persischer fürst) herrscht in dem preisgesang, der edle geht ehrwürdig, wie ein göttersohn, und still einher Stolberg
ges. w. (1820) 4, 210; Shakespear ..., der ... wie ein göttersohn oder wie ein riese würkte Herder 8, 418
S.; als ich vor ihr stand, wie neugeboren, glücklich, glücklich, wie ein göttersohn Seume
ged. (1804) 26. 3@bb)
panegyrisch von fürsten, im 17.
u. 18.
jh., kaum von 2 c
her, sondern in der entsprechung zu gott III E 2 b
β: in dem du, wehrter göttersohn (
herzog. v. Sachsen-Altenburg), besuchest unsern Helikon G. Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 1, 210; nun ziert dich, neues Rom (
Wien), ein groszer götter-sohn (
Karl VI.) Heräus
ged. (1721) 50; du liebest ihn, den göttersohn (
den könig) J. G. Jacobi
s. w. (1807) 1, 209. 3@cc)
in auszeichnender bedeutung aus der mythologischen vorstellung stärker gelöst, von solchen menschen, die in ihrem schöpferischen vermögen oder durch ihre machtwirkung das gewöhnliche masz übersteigen: glücklicher göttersohn (
Shakespeare) Herder 5, 218
S.; Faust in der vollendeten blüte des mannes steht neben ihr (
Gretchen), welche würde noch in dem gefallenen göttersohn Hauff
s. w. (1890) 2, 108; es (
das reich) ward zermalmt durch einen göttersohn (
Napoleon) Hebbel
w. 6, 307
Werner. unbestimmter heroisierend: doch unverständig ist das wünschen vor dem schicksaal. die blindesten aber sind göttersöhne Hölderlin
s. w. 4, 173
Hell.; 1, 165
u. ö. 3@dd)
seltener für den menschen schlechthin: o weh ihm, wessen hand ein glied der kette frech zerreiszt, die sanft empor zur gottheit zieht des göttersohnes geist J. H. Voss
s. ged. (1802) 4, 171; E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 2, 168; dasz er (
Lavater) dem menschen an gottes natur antheil gab, ..., das alles schmeichelte den begriffen jener jugend, die von dem menschen gern als einem göttersohn dachte Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 259. 3@ee)
metaphorisch umschreibend in der beziehung auf etwas unpersönliches, gegenständliches und abstraktes: mich haben göttersöhne, jahre, gebändigt. der den löwen erschlug, entweicht dem wolf jetzt Herder 27, 155
S.; und von der stimme des göttersohns (
des stromes) erwachen die berge rings Hölderlin
s. w. 4, 56
Hell.; und könnt ich mahlen: dann trüg ein thron von morgenstrahlen den göttersohn (
frühling) Tiedge
schr. (1776) 1, 155; zorn, du freier liederkönig, sei gegrüszt mir, göttersohn! Strachwitz
ged. (1850) 15.
im stil heroischer landschaftsschilderung: sie sahen schon die riesen des winters, die Schweizer und Tyroler-Alpen, im lager; die göttersöhne standen, mit lawinen und katarakten und wintern bewaffnet, wache um das göttliche land Jean Paul
w. 15/18, 473
Hempel.