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glück(s)fall

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glück(s)fall m.

Bd. 8, Sp. 361
glück(s)fall, m. , 'lusus, arbitrium, casus fortunae' Stieler (1691) 419; 'caso di fortuna' Hulsius (1618) 139b. offenbar lehnübersetzung des (spät)lat. casus fortunae, vielleicht im dt. unter mitwirkung der vorstellung vom fallen der würfel. entsprechend der bedeutung von glück sowohl im neutralen wie im gunstigen sinn gebraucht; seit dem 17. jh. überwiegt die form glücksfall. 11) zufall, unerwartet eintretendes ereignis, schicksal. 1@aa) allgemein: sors, fortuitus alicuius rei eventus glückfall, losz Alberus (1540) u 4b; πότμος, fatum nascentis, glückfall der geburt Frischlin nomencl. (1586) 201a; (wer) inn all glücksfell sich schicket eben, kan alzeyt auffricht und wol leben Hans Sachs 4, 96 K.; und in derselbigen sicherheit betrachten sie (die Deutschen) kein fahr noch glückesfall Hutten opera omnia 4, 288 Böcking; allen gfaaren vnd glückfälen vnderworffen seyn Frisius dict. (1556) 891a; dasjenige so ungefehr geschicht (welches wir sonst den glücksfall nennen) Opitz Arkadia (1638) 532; weil ... der reichthum, den man sich von der arbeit verspricht, ... überall ungewisz (ist) und von tausenderley glückesfällen kan hinterstellt werden discourse d. mahlern (1721) 3, 39. gelegentlich der mehr persönlichen auffassung der schicksalsmacht (s.glück I B) sich nähernd: es möcht bei etlichen häszlicher leibe under dem unfall der natur oder glückfalls gerechnet werden Seb. Brant in: Fr. Petrarche hülff, trost u. rath (1559) vorr.; die reichthumb sind wol köstlich und achtbar, aber des glücks eygen und allerley plötzlichem glückfall unterwürflich, sintemal der fall sie oft den habenden ab und denen, so es nicht verhoften, zu wendet Fischart 3, 288 Hauffen; ... überläszt sie (das weib) sich ganz nur dem glücksfall Fr. L. Jahn w. 1, 274 Euler. 1@bb) durch zugesetztes adj. als unglück, unglücklicher zufall gekennzeichnet: und von allerhand und mancherlei sorgkliche gückfell ... bin ich ... unrüwig jhm geist Seb. Brant von d. losen füchsen (1546) b 3a; seinen widerwertigen glückfall zu vermaledeyen Amadis vi. buch (1595) 461; und wilst ein labsal in deinen wiederwertigen glükksfällen schöpfen Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 4; durch einen greulichen glücksfall Prätorius catastrophe muhammetica (1664) 97; ach! wie hat mich gestürtzet der jehe glükkesfall J. Rist friedewünsch. Teutschland (1647) 32; mit dem unselgen glücksfall in der schlacht Müllner dram. w. (1828) 3, 193. 1@cc) 'geratewohl, risiko, wagnis': glücksfaal oder das wagen, so man es dapfer wagt. alea certaminis Maaler (1561) 186d; als begebe ich mich uf glückfall, um fortuita oder contingentia zu errathen Kepler opera omnia 1, 388 Frisch. 22) glücklicher zufall, günstiges ereignis, günstiges geschick; heute wohl nur noch in diesem positiven sinne gebraucht. 2@aa) allgemein, besonders gern als plural zu glück II B 1: glückfal, ein guter schick. fortuitum bonum, fors Maaler (1561) 186c; des gelückfals warten müssen N. v. Wyle translat. 152 Keller; das det er als vür gluecksfal rechen Hans Sachs fabeln u. schwänke 2, 423 ndr. (in der späteren bearbeitung 17, 402 K.-G.: glücksfall); sondern es ligt alls an der gelegenheit der zeyt vnd glückfal S. Franck sprüchw. (1545) 1, 98b; inn allen glückszfelln hat er (der neidische) leyd G. Wickram 7, 110 Bolte; aber des Arati sachen ist ein solcher glückfahl zugestannden Xylander Polybius (1574) 256; es für einen sonderlichen glücksfall achten Kirchhoff wendunmuth 2, 516 Österley; durch einen sonderlichen glüksfal Zesen Assenat (1672) 269; in lauter blühenden glücksfällen Chr. Weise polit. redner (1677) 711; bey allen glückesfällen J. G. Neukirch anfangsgründe z. teutschen poesie (1724) 331; ehe sich dieser glücksfall zuträgt Gottsched beyträge z. crit. historie (1732) 8, 248; bei einigen auszerordentlichen glücksfällen Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 64; ein glücksfall rettete uns allen das leben Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 3, 18; ein sonderbarer glücksfall (hat ihn) von allen ... allein am leben erhalten G. Forster s. schr. (1843) 5, 389; ein ganz unerwarteter und unwahrscheinlicher glücksfall Göthe IV 38, 177 W.; dieser unerwartete glücksfall verbreitete einen allgemeinen jubel Eichendorff s. w. (1864) 2, 409; als einen besonderen glücksfall rühmte dieser ..., dasz ... E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 102 Grisebach; so sind dies glücksfälle, auf die ich nie gerechnet Ayrenhoff (1814) 1, 286; gewisz ein seltener und beneidenswerther glücksfall Matthisson schr. (1825) 4, 16; die auszerordentlichsten glücksfälle Immermann 6, 176 Boxberger; wäre uns eine deutsche Edda ... erhalten, durch ein zusammentreffen fast unmöglicher glücksfälle Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 29; dasz konvenienz und leidenschaftliche liebe hand in hand giengen, ist der seltenste glücksfall Schopenhauer w. 2, 657 Grisebach; ein unerwarteter glücksfall fürst Pückler briefw. u. tageb. 6, 323 Assing; die günstige wendung ihres geschickes irgend einem unvorhergesehenen glücksfalle überlassend Holtei erz. schr. (1861) 9, 55; dies ereignis hielt er für einen unberechenbaren glücksfall G. Keller ges. w. (1889) 3, 194; durch die wunderbarsten glücksfälle Th. Mommsen m. gesch. (1854) 3, 403; ein ungeheurer glücksfall ebda 1, 388; es als einen glücksfall betrachten, dasz ... ders., reden u. aufs. (1905) 76; diesen ersehnten glücksfall J. Rank erinnerungen (1896) 181; dasz er seine eigene ehe nicht zu den spärlichen glücksfällen seines lebens rechnen durfte W. Weigand d. gärten gottes (1930) 26. beliebt ist die zusammenstellung glücks- oder (und) unglücksfälle, z. b. Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 425; Grimmelshausen 2, 902 Keller; G. Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 768; H. v. Fleming d. vollk. soldat (1726) 37; Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 32; G. Forster s. schr. (1843) 7, 274. gelegentlich an mehr zuständliche bedeutung angenähert: und verricht sich einer nach dem andern mit ... denen von Zürich, wie es dann gwonlich gat, dasz im glückfall vil helffer sich erzeigend Äg. Tschudi chron. Helveticum (1734) 1, 166; es wartet ein glücksfall auf sie Iffland theatral. w. (1827) 3, 254; jene enge verflechtung von kaisertum und Romfahrt ..., die man mit dem besten willen nicht gerade als einen glücksfall für unser volk bezeichnen kann Darré neuadel (1930) 34. 2@bb) insonderheit bezogen auf materiellen gewinn (zu glück II D 4 b), vgl.'glücksfall ein zufall der unsern äuszeren wohlstand befördert' Voigtel wb. (1793) 2, 106a: er war durch vielfältige ... glücksfälle zu ... vermögen gelanget d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 110; solche güter, die eheleute während der ehe durch fleisz und ersparung erworben, nicht auch solche, die ihnen durch erbschaften ... oder andere glücksfälle zugefallen allg. dt. bibl., anh. zu bd. 25-36, 416; ich soll durch glücksfälle eben so wenig reich werden als sie, meine liebe freundinn Lessing 17, 371 M.; weil ihre casse erschöpft ... war und weil es eines glücksfalls bedurfte, um den abgrund unter ihren füszen auszufüllen H. v. Chézy erz. u. nov. (1822) 2, 314; durch einen glücksfall erwarb er eine kleine summe, die er auf eine italienische reise verwenden wollte Gutzkow d. ritter vom geist (1850) 5, 511; und verschwieg weislich, dasz er diese habe auf einmal durch irgend einen glücksfall erwischt G. Keller ges. w. (1889) 4, 212; als man dem Angerbauer diesen glücksfall hinterbrachte, war er zunächst sehr erfreut über den zuwachs des vermögens M. Meyr erz. aus d. Ries (1868) 1, 159; ohne dies (sparsamkeit) werden einzelne glücksfälle, zufällige gute einnahmen selten nützen O. Jahn Mozart (1856) 3, 253. 2@cc) wie glück II F auf personen bezogen: erwache meine schönste, meine vermählte, mein letzter glückesfall Bodmer abhdl. v. d. wunderbaren (1740) 328. 33) mehr konkret, das glückliche fallen der würfel: ein mensch, im spielen vertieffet, also dasz er von fürcht halb todt und in hoffnung trunken und dessen seelenruhe in dem glücksfalle der würffel bestehet, ist wol ein elender verachtungs- doch mehr mitleidenswürdiger scheusal Chr. v. Ryssel von dem seelenfriede (1685) 687.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glücksfall

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Glücksfall , des -es, plur. die -fälle. 1) Ein unvermutheter vortheilhafter Zufall, der mehr von den Umständen außer…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Glücksfall

    Goethe-Wörterbuch

    Glücksfall einmal Getrenntschr glücklicher Zufall, unerwartetes erfreuliches Ereignis; meist mBez auf einen wertvollen, …

  3. Sprichwörter
    Glücksfall

    Wander (Sprichwörter)

    Glücksfall Wo Glücksfall ist, da ist noch mehr Zufall. – Körte, 2284; Reinsberg II, 95.

  4. Spezial
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    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gluecksfall

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Zerlegung von gluecksfall 2 Komponenten

glucks+fall

gluecksfall setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gluecksfall als Zweitglied (1 von 1)

unglücksfall

DWB

unglueck·s·fall

-fall , m. , gegenstück zu glücksfall ( s. d. ). noch nicht zur worteinheit verschmolzen ( vgl. Zarncke z. narrenschiff 372 ) Sachs 12, 274,…

Ableitungen von gluecksfall (1 von 1)

unglücksfall

DWB

-fall , m. , gegenstück zu glücksfall ( s. d. ). noch nicht zur worteinheit verschmolzen ( vgl. Zarncke z. narrenschiff 372 ) Sachs 12, 274,…