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gleichschwebend

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gleichschwebend part. adj.

Bd. 7, Sp. 8223
gleichschwebend, part. adj. 1) 'im gleichgewicht schwebend', in eigentlicher, vor allem aber in bildlich-übertragener anwendung. meist zu gleich VI A 4 'wagerecht' und gleichgewicht A 1 b, von der vorstellung der wage aus, deren schalen in gleicher, d. h. gerader linie schweben, zur umschreibung eines gleichen, besonders auch eines noch unentschiedenen kräfteverhältnisses: wer kan sein hertz zwischen furcht und hoffnung im gleichschwebenden gewichte halten? Harsdörffer Heraklitus (1661) 1, 616; beiden verwandt mit gleichschwebender wage schaut sorgend uns beide Zeus Droysen Äschylus (1841) 298; also stand gleichschwebend die schlacht der kämpfenden völker (ὣς μὲν τῶν ἐπὶ ἶσα μάχη τέτατο πτόλεμός τε 15, 413) J. H. Voss Ilias (1821) 2, 76. abstrahierter: zwei hauptgestalten heben sich hier (in der Rütliszene) kräftig von den nebenfiguren ab und bilden für die einleitung einen kleinen höhenpunkt, die zerrissenheit durch mehre gleichschwebende momente wird verhindert G. Freytag ges. w. (1886) 14, 209. seltener auf den gleichgewichtsstand eines einzelnen körpers bezogen, zu gleichgewicht A 1 d: als sich zum himmel erhob gleichschwebenden fluges die göttin (paribus alis) J. H. Voss Virgils w. (1799) 2, 320; er (der lotos) hält im gleichgewicht sich schwimmend auf der welle, neigt jeder woge sich und weicht nicht von der stelle ... und ein gemüthe, das ein leben wechselreich gleichschwebend so beherrscht, ist selber Brahma gleich Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 278. 2) von gleichmäsziger bewegung: diesen reiz gleichschwebender bewegung und gleichgemessener umfänge von taktschritten fühlt jedes, auch ungebildete ohr J. H. Voss zeitmessung (1802) 175. 3) als musikalischer fachausdruck, besonders in der verbindung gleichschwebende temperatur, mit der jene stimmung der instrumente bezeichnet wird, in der alle gleichartigen intervalle in gleichem masze und verhältnis von ihrer naturreinheit einbüszen, um die gleiche schwebung (s. d.) höher bzw. niedriger gestimmt werden. gegen ende des 17. jh. von Andreas Werckmeister als forderung aufgestellt und von ihm als wohl temperierter zustand bezeichnet, welcher ausdruck hinter der kurz nach 1700 aufkommenden bezeichnung gleichschwebende temperatur im 18. jh. sehr bald zurücktritt. zum geschichtlichen und sachlichen vgl. H. Riemann gesch. d. musiktheorie (21921) 327ff.: von einem neuen genere diatonico —chromatico —enharmonico, nach welchem die gleichschwebende temperatur eingerichtet ist J. G. Neidhardt temperatur d. monochordi (1706) 42; 'gleichschwebende temperatur ist eine solche temperatur, in welcher alle gleichartige intervalle von gleicher grösze sind, oder in welcher die zwölf halben töne der octave eine stetige geometrische progression machen' Marpurg musikal. temperatur (1776) 128; nur die stimmung (des klaviers) billigte Lockmann nicht so ganz. er meinte: es sollte in der gleichschwebenden temperatur gestimmt seyn Heinse s. w. 5, 51 Schüdd.; auch eine andere verwandte einrichtung des gegenwärtigen tonsystems schwächt die unterschiede der einzeltöne und tonarten ab, die sog. gleichschwebende temperatur oder herabstimmung der quinten Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 3, 873. nicht selten in bildlicher oder übertragener erweiterung: so viele scribenten, als nur von den verhältnissen der töne geschrieben haben, haben auch alle ihre gegner gefunden, und man hat auf allen seiten gleichschwebende gründe (wenn ich so reden darf) angetroffen Scheibe d. critische musicus (1745) 664. besonders für einen gemäszigten, gleichbleibenden inneren zustand: sie beäugten alle wohlgemachte mannspersonen mit der gleichschwebenden temperirten gefälligkeit ..., welche ein bedächtlich tugendhaftes gemüth gegen alles gute hat J. J. Chr. Bode gesch. d. Thom. Jones (1786) 2, 217; hier erklang leise sein inneres und sein äuszeres stürmen — und die gleichschwebende temperatur des instruments wurde die des spielers Jean Paul w. 15/18, 136 H.; eine gleichschwebende temperatur einführen zu können (im verkehr verschiedener menschen), wäre eine leistung der höchsten bildung Schopenhauer w. 4, 499 Gr.
4117 Zeichen · 66 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gleichschwebendadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    ◬ Gleichschwebend , adj . u. adv . im Gleichgewicht schwebend. — es kamen des edlen Telemachos Freunde Vom gleichschwebe…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gleichschwebend

    Goethe-Wörterbuch

    gleichschwebend idVbdg ‘g-e Temperatur’: musikal Fachterminus für die sog temperierte Stimmung von Instrumenten; auch zu…

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gleich+(schweb+end)

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