glaubensbekenntnis,
n. ,
in älterer sprache auch f., s. teil 1, 1414
s. v. bekanntnis
und 1417
s. v. bekenntnis;
im späteren 16.
jh. auftretend drängt sich das compositum während des 17.
jhs. langsam gegenüber dem simplex glaube I A 5 b
in den vordergrund und hat im 18.
jh. bereits die oberhand. lexikalisch zuerst gebucht bei Widerhold (1669) 146
b: glaubensbekandtnusz,
f., confession de foy. 11)
in religiöser anwendung, für lat. confessio fidei, regula fidei, symbolum. 1@aa)
wie älteres glaube I A 5 b
β für die festen formeln, in denen die christliche glaubenslehre zusammengefaszt ist; das apostolische, nicänische und athanasianische symbolum: die glaubensbekantnus
s. Athanasii fast von wort zu wort im reimengesang gefasset Fischart
s. dicht. 3, 152
Kurz; die heiligen vätter und versamlete lehrer zu Nicea haben dieses wort ... in ihr glaubensbekäntnisz hineingerucket, dieweil sie wargenommen, das dasselbe den Arianern ein dorn in augen gewest Dannhauer
catech.-milch (1669) 4, 278; das athanasische glaubensbekenntnisz zieht er dem nicenischen vor Gottsched
d. neueste (1751) 5, 744; wir haben das apostolische glaubensbekenntnisz und das gebet des herrn ... gelernt Chph. v. Schmid
ges. schr. (1858) 10, 24; zu was hernach betet jeder im glaubensbekenntnis, er glaub an die auferstehung des fleisches und an das gericht? Anzengruber
ges. w. 3, 38; (
der hauslehrer) quälte (
mich) mit dem glaubensbekenntnis, das ich nie verstand Fontane
ges. w. I 5, 96.
für die besonderen bekenntnisformeln einzelner christlicher konfessionen: eingerückt ist hier das glaubensbekenntnisz der Lutheraner im Zipser lande vom jahre 1573
allg. dt. bibl. (1771)
anh. 53-86, 818; für die allgemeinen geschäfte (
wurden) synoden (
in d. frz. reform. gemeinde) ... angeordnet und ein allgemeines glaubensbekenntnisz ward angenommen Ranke
s. w. 8, 135. 1@bb)
für die religiöse (
christliche)
lehre in ihrer gesamtheit oder die einzelner christlicher konfessionen und religionsgemeinschaften: (
Tirol hat) die anfänglich wahre glaubensbekantnus gantz mackellosz behalten Frz. A. v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 12; das heilige abendmahl, die feste stütze dessen, was im christlichen glaubensbekänntnisse hauptsache ist
allg. dt. bibl. (1771)
anh. 37-52, 2; unmöglich kann ein groszer staat ausschlieszlich auf einem glaubensbekenntnisz beruhen; er braucht zu seinem dasein eine menge von kräften, die von der religiösen wahrheit unabhängig sind Ranke
s. w. 27, 62. 1@cc)
die mit der zugehörigkeit zu einer kirche oder konfession verbundene religiöse überzeugung: und sollen demnach wir arme, im gewiszen hochbedrängte leuthe ... nicht verhalten, dasz wir nun in die 23 jahr hero in unszerer wahren christlichen religion und glaubensbekänntnüsz hefftig bedränget (
worden sind) (
v. j. 1619)
acta publ. 2, 326
Palm; (
an) glaubige christen ... umb und von wegen ihrer glaubenbekantnusz hand anlegen und sie umbbringen Dannhauer
catech.-milch (1657) 2, 131; hertzog Henrich ... besiegelte sein ... glaubensbekäntnüs mit seinem heldenblute Lohenstein
George Wilhelms lobschrifft (1679) h 2
b; du kannst ... dein glaubensbekenntnisz mit deinem blute nicht versiegeln
theater d. Deutschen (1768) 4, 136. 1@dd)
als merkmal einer bestimmten christlichen konfession, auch diese selbst umschreibend: davon jeder zween ausz den soldaten, so eines jeden glaubensbekandnus zugethan, zu beyständen hatte Grimmelshausen 2, 702
Keller; Reith war in spanischen diensten und konnte ... sein glück nicht höher treiben, ohne sein öffentliches glaubensbekänntnis zu ändern Nicolai
literaturbr. (1759) 10, 237; (
er) hat mit seiner trapezuntischen gemahlin in der gröszten einigkeit gelebt, die bey ihrem eingebohrnen glaubensbekenntnis geblieben ist A. v. Haller
Usong (1771)
vorr. 2
a; es war eine zeit, ... wo man noch nicht fragte, zu welchem von den drei glaubensbekenntnissen jedermann gehöre Ranke
s. w. 7, 54. 1@ee)
für das bekenntnis, mit dem ein einzelner seiner religiösen überzeugung und ansicht ausdruck verleiht: deszwegen mercket mein glaubensbekäntnüsz und erkäntnüsz Jak. Böhme
apologieen (1682) 211; anno 1614 erklährete er (
der kurfürst) sich zu der reformirten religion, und liesz ... deswegen öffentlich eine schrifft und glaubensbekänntnüsz ausgehen Chr. Thomasius
ernsth. ged. u. erinn. (1720) 2, 241; auf mein eignes glaubensbekenntnisz habe ich mich bereits eingelassen, wenigstens mich darüber ausgelassen Lessing 18, 333
M.; ich habe mit fliegender feder das glaubensbekenntnisz des herrn professors ins deutsche übersetzt Schubart
briefe 1, 123
Strausz. 22)
übertragen auf das bekenntnis, den ausdruck nicht religiöser überzeugungen, namentlich künstlerischer, philosophischer, wissenschaftlicher, politischer grundanschauungen u. ähnl.: noch zu guter letzte mit dem grösten amtseiffer sein glaubensbekändnisz gethan: das wolte er noch hiermit sagen, dasz er von des Lipsche schreibart nichts hielte J. B. Mencke
zwei reden v. d. charlatanerie (1716) 131; hier ... hast du das glaubensbekenntnis meiner vernunft, einen flüchtigen umrisz meiner unternommenen schöpfung Schiller 4, 51
G.; wenn ich zeit finde, so setze ich hierüber (
über geologische fragen) mein glaubensbekenntnisz auf Göthe IV 31, 52
W.; interessant wird es ihnen der materie nach schon deshalb seyn, weil es mein sociales glaubensbekenntnisz enthält, so weit ein solcher ausdruck auf ein werk der phantasie anwendung findet Hebbel
br. 6, 223
Werner; die art und weise, wie sich ... die kritiken über Payne und seine schrift äuszerten, war ... nach ihrem politischen glaubensbekenntnisse sehr verschieden G. Forster
s. schr. (1843) 6, 130; dies bruchstück aus meinem glaubensbekenntnisz über das theater habe ich dir hier hergeschrieben Bettine
frühlingskranz (1844) 456; sein (
Cléments) wirtschaftspolitisches glaubensbekenntnis war das freihändlerische
hwb. d. staatswiss.2 3, 62; sie (
die 25
nationalsozialistischen leitsätze) sind gewissermaszen ein politisches glaubensbekenntnis A. Hitler
m. kampf (1933) 511; die treue zum führer wurde zum glaubensbekenntnis einer generation H. Stegemann
weltwende (1934) 111;
besonders verblaszt, '
anschauung, auffassung': das ist so mein glaubensbekenntnisz vom lieben frauenzimmer Laukhard
leben u. schicksale 1, 175; in Fritz Wurtens glaubensbekenntnis war kein raum für sentimentales beklagen des unabänderlichen W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 310. 33)
seit dem 17.
jh. in fester formel ein glaubensbekenntnis ablegen '
seine religiöse (
oder sonstige)
überzeugung bekennen'
; religiös: Aquila, vor dem Clemens sein glaubensbekentnis ablegte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 412; gott helf uns dieses bekenntnis vor dem altar ablegen, wo wir ehemals unser glaubensbekenntnis gen himmel ablegten Hippel
lebensläufe (1778) 1, 246; da habe wieder einmal einer ... das katholische glaubensbekenntnisz abgelegt, von dem ich recht wohl wuszte, dasz es mit dem religiösen bedürfnis bei ihm betrübt stand Immermann 5, 124
Boxb.; nicht religiös: ich habe endlich darinnen, so zu reden, mein grammatisches glaubensbekenntnisz abgeleget Gottsched
sprachkunst (1762)
vorr. a 5
a; er legt darinne sein poetisches glaubensbekenntnisz ab, indem er sich zugleich Hallern, Neukirchen und Gottscheden ... zu mustern vorstellet Lessing 5, 10
M.