lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

glaich, gleiche

nur nhd. · 1 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
1 in 1 Wb.
Sprachstufen
1 von 16
Verweise rein
1
Verweise raus
7

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glaich, gleiche n.

Bd. 7, Sp. 8017
gleich, glaich gleiche, n. , vereinzelt m. (mundartlich auch f.), 'gelenk'. älter geleich, gelaich, s. teil 4, 1, 2, 2978 f., woselbst auch schon bezeugungen der synkopierten formen, doch ist mancherlei nachzutragen. an stelle der unter geleich a. a. o. vertretenen herleitung aus leichen 'sich spielend bewegen' tritt, wohl mit gröszerem recht, eine andere deutung, die mhd. geleich 'gelenk' als ablautend neben mnd. līk 'band', aisl. līk 'saumtau', lat. ligare 'binden, zusammenbinden' sowie anderen auszergerman. verwandten auf die idg. wurzel *leig- 'binden' zurückzuführen sucht, s. Walde-Pokorny 2, 400. —die synkopierten formen überwiegen bereits im 16. jh.; gelegentlich sind formen mit auslautendem -e bezeugt, die kaum als gleiche, f. (s. u. 2gleiche, f.) zu deuten sein dürften: geleyche compages (1486) Diefenbach nov. gl. 104a; gleiche, glenck articolo, giuntura Hulsius teutsch-ital. (1618) 138b. ganz vereinzelt bleibt ein maskulines gleich: ein jeder ring oder gleich an derselben ketten Fronsperger kriegsb. 1 (1573) z 2b. die flexion des singul. ist stark: etwan nit gleychs lang Bock kreutterb. (1551) 208b; eines glaichs lang Rauwolf aigentl. beschreyb. (1581) 219; eines gleichs breit Muralt eidgenöss. lustgarte (1715) 147; in eim gleich Braunschweig chir. (1498) 67b; beim gleich (1639) in: schweiz. idiot. 2, 591. die pluralische flexion des wortes ist schwankend. die endungslose kurzform gleich herrscht im nom. und acc. vor, begegnet aber vereinzelt auch im gen.: alle verruckung der glyder, der gleich Keisersberg postill (1522) 3, 2b; fr allen schmertzen der gleich Wirsung artzneyb. (1588) 572c; mundartlich die gleich, plur., Fischer schwäb. 2, 282 (neben gleicher); schweiz. idiot. 2, 590. im übrigen stehen neben starken pluralformen kaum weniger häufig schwach flektierte; stark: in die gleiche (acc. pl.) Paracelsus op. (1616) 1, 65 H.; um die gleiche herum (acc. pl.) Gäbelkhover artzneyb. (1595) 1, 59; die gleyche (n. pl.) Moscherosch gesichte 2 (1666) 493; die gleiche, plur. Adelung vers. 2 (1775) 703; rhein. wb. 2, 1271; geschwulst der gleiche Orsäus nomencl. (1623) 236; thailung der glaiche Lavater pred. üb. d. br. an Philemon (1785) 2, 22. schwach: drei gleichen (acc. pl.) Comenius sprachenthür (1643) 261; die gleichen, plur. Stieler (1691) 668; Kramer 1 (1700) 526b; zu den schmerzen der gleichen Forer Gesners fischb. (1598) 86b; eine ... kette von acht gleichen J. D. Frisch neukl. harpfe (1719) 819. die mundart kennt schlieszlich eine pluralbildung auf -er, s. Martin-Lienhart elsäss. 1, 255a; Fischer schwäb. 2, 282 (neben gleich); Follmann lothring. 207b, die literarisch nur vereinzelt zu belegen ist: dasz alle gleicher bewegt wurden Stubenberg Samson (1657) 166 (oder als gleicher, m., anzusetzen, wie mundartlich im rhein. bezeugt [s. u.] ?). mundartlich, und auf dieser grundlage gelegentlich auch noch literarisch, lebt das im nd. unbekannte wort, z. t. in formvarianten und auch bedeutungsmäszig abgewandelt, im ganzen südwesten kräftig weiter, über den alemannischschwäbischen bereich hinaus (s. d. wbb.) auch in den angrenzenden teilen des rheinfränk. und des südl. mittelfränk., vgl. auch v. Bahder wortwahl 86: gleich, n. Autenrieth pfälz. 54; Follmann lothring. 207b; gleich, f., n. rhein. wb. 2, 1271 neben gleiche, m., und als erweiterungen gleicher, m. (plur. gleichre) und gleicht, f. (plur. gleichde) ebda, wozu im schweizer. glcht, n., plur. glchter Tobler appenzell. 222b zu vergleichen ist. 11) ursprünglich, wie bei gelenk und glied, in der anwendung auf den menschlichen und tierischen körper. 1@aa) 'gelenk', wie unter geleich 1 a: rret er das gleych seiner hufft an: vnnd das gleych seiner hufft ward ab dem ringen mit jm verrenckt Züricher bibel (1531) 17b (Luther: das gelenck seiner hfft 1. Mos. 32, 25); das (den bauern nach der prügelei) gleich und gleich wider zam wachs im dorff zu Füensing, wnscht Hans Sachs Hans Sachs fastnachtsp. 5, 111 Götze; die gleych der glider lassen daruon (von einem schwitzbad) nach vnd werden vnkrefftig vnd zuo dem podagram ... geneygt W. H. Ryff spiegel u. reg. d. gesundtheit (1544) 93b; spondylus ein wirten oder gleych desz ruckgrats Frisius dict. (1556) 1237; die gleych an den schenckeln schmiren Sebiz feldbau (1580) 124; der nymfen süszer mund und wangen und ihre glaich, an schönheit reich, die sollen sein den rosen gleich, ja sollen mit den rosen prangen Weckherlin ged. 1, 489 Fischer; die kOeten ist (am pferde) dasjenige glaich oder bewegung ... welches das letzte und zu nechst bey dem fusz stehende glaich ist Hohberg georgica curiosa aucta 3 (1715) 2, 76a; (der feldscher) musz ferner betrachten, was vor art die wunde oder verletzung sey, ob sie in ein (= eim?) gleiche oder gelencke; ob sie beinschrötig, ob die nerven oder weiszes geäder verletzet, ob sie nur eine blosze fleisch-wunde sey H. v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 323. in älterem gebrauch gelegentlich auch synonym mit glied (s. d. teil 4, 1, 5, 5) in dessen älterer bedeutung 'gelenk': (des elephanten) schenckel vnden als grosz als oben. also das ettlich meynen sy haben kein gleych vnd glidmasz, sunder sey ein gantzer stock ... aber er hat oben im gebieg vnd wol nider bey der erd seine glider vnd gleych, damit er sich buckt vnd für sich geet Seb. Franck weltbuch (1534) 197b. wie gleich den das gelenk umschlieszenden knochen mit bezeichnet, so auch die das gelenk betätigenden bänder, sehnen und muskeln; vgl.: fibra auder, geleich (anf. des 15. jh.) Diefenbach nov. gl. 172b: der (streit) also starck und lut ist gewesen das alle sein glaich unnd spannadern in seinen armen auszgestreckt warden (omnes nervi in brachiis eius extendebantur) d. puch d. himl. offenbarung d. hl. Birgitte (1502) buch 3, kap. 13; hauet er dem helfant die glaich in dem rechten fusz ab (νευροκοπεῖ τὴν δεξιὰν ἰγνύν) (darunter: nach dem jm die spannadern abgehauwen) Herold Diodorus (1554) 131. dieser im alemann. und schwäb. noch sehr lebendige gebrauch hat sich hier in redensartlich übertragener anwendung vielfach erweitert, vgl. z. b.: wart, ich mach di gleich (von einem trägen) Martin-Lienhart 1, 255a; du hast kein gleich zum schaffen Fischer 3, 283; ein rechter bub, nur ein biszchen steifbeinig. so gar kein gleich hat er. und zu erzählen weisz er auch nichts Richard Beitl Angelika (1939) 85; es gleich han 'dienstfertig, verträglich, gefügig, willfährig, billig, nachsichtig sein, sich zu benehmen, vor- und nachzugeben wissen' schweiz. idiot. 2, 590; ich habe gesehen, dasz eins nachgeben, sich ändern musz, und da ist die reihe dazu an mich gekommen. nit dasz Joggeli nicht auch ein gleich gemacht, er hat sich auch in manchem gebessert. Jer. Gotthelf ebda 591; s recht gleich errāten 'den rechten fleck treffen' ebda 590. 1@bb) das glied selbst, das zwischen den gelenken liegt, s. geleich 1 b, und zwar durchweg das finger- oder zehenglied. häufig in der maszbestimmung: als an dem längsten finger das vorderost geleich lang ist (1385) in: schweiz idiot. 2, 591; ain glaich ains fingers lang Braunschweig chirurgia (1539) 11b; das kraut hab ich etwan in den brunnen ... funden, vast klein, etwan nit gleychs lang Bock kreutterb. (1551) 208b; es stehen allezeit zwey blätter gegen einandern über, ohne stiele, und umschlagen gleichsam den stängel, einer spannen lang, eines gleichs breit, gekerfet Muralt eidgenöss. lustgarte (Zürich 1715) 147. von hier aus schweizer. noch heute im sinne von 'grad': na (noch) um es gleich schöner schweiz. idiot. 2, 591. auszerhalb dieser bestimmung: wann eynem geschwachet oder onmAechtig wird, ist gut darfür, dasz man dasz glaich, an dem on eyn den letzten finger, sonst der artzetfinger genannt, ringe vnd ziehe Sebiz feldbau (1580) 79; es sind fünf finger: ein jeder hat drei gleichen und so viel zusammenfügungen der gelenke und knöchel Comenius sprachenthür (1643) 261; allein, dasz ihm (dem vor frost erstarrten) dennoch die spitze oder erste gleiche der finger und zähen abgefallen sind Er. Francisci lust. schaubühne (1698) 2, 324. 22) in der übertragung auf pflanzen von den fingergelenken und -gliedern her. 2@aa) halmknoten, gelenk am stengel, s. geleich 2 a. dazu: man nehme die schosse beim gleich oder äuglein (1639) schweiz. idiot. 2, 591; spanisches rohr ... wächset hoch und dick, aber hohl, mit sehr viel- und nahe beyeinander stehenden gleichen oder knöpffen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 654b; viel dünne zweiglein ... mit vielen gleichen ... um die gleiche herum wachsen viel kleine blümlein Tabernämontanus kräuterbuch (1687) 1218a. mundartlich noch weit verbreitet, s. Fischer schwäb. 2, 283; schweiz. idiot. 2, 591. 2@bb) entsprechend 1 b erweitert auf die zwischen den knoten liegenden halmglieder, s. geleich 2 b. dazu: die besten schützling aber sein diejenige, welche kurtze gleich und hart holtz haben Sebiz feldbau (1580) 513; gleich am rohr oder andern stengeln zwischen zweyen knöttlein internodium Decimator thes. (1606) reg. s. v. gleich; das dritte gleich oder glied seines stengels (des eisenkrautes) ... mit samt den blättern wird zu den drittäglichen fiebern ... gerühmet Hohberg georg. cur. (1682) 1, 542b; schweiz. idiot. 2, 591. 33) wie gelenk und glied in der übertragung auf lebloses, auf gegenstände aus dem handwerklichen und mechanischtechnischen bereich, die in sich drehbar oder beweglich sind, s. geleich 3. am häufigsten als 'glied' einer kette: das kein einzig glaich an diser kettin fehle (1593) bei Fischer schwäb. 2, 283; hange sie (die acht seligkeiten in ps. 91) auff deine brust als eine güldene kette von acht gleichen, deren keines mit allem gold der welt zu bezahlen ist J. D. Frisch neukl. harpfe (1719) 819; man hat an der kette ein schadhaftes glaich gefunden, das er wahrscheinlich mit dem nagel vollends aufdruckt hat Herm. Kurz sonnenwirth (1855) 351; in lebender mundart Fischer schwäb. 2, 283; schweiz. idiot. 2, 591. in bildlichem gebrauch: massen es eine gewisse regel seie, dasz ... sie gleichsam kettinen von glaichen desz gehorsams, der liebe und treu, der fried und einigkeit, zusammen schmieden frantzös. Simpliciss. (1683) 2, 368. in verwandten anwendungen: der flosz, mit dem er abgehen sollte, hatte acht gleich (glieder), und waren im letzten von den gröszten zimmerbalken W. Hauff s. w. (1890) 3, 229. 'gelenkfuge, scharnier': ein eiserner riegel, so in seinem gleich gehet (1644) in: schweiz. idiot. 2, 591; schwäbisch in der redensart der hat nur ein gleich wie ein dreschpflegel Fischer 3, 283. von einem gleich 'aus einem stück': 4 röder, yedes ... von einem gleich gemacht (um 1600) ebda. auch 'fuge in einem bruchstein' schweiz. idiot. 2, 591.
10769 Zeichen · 259 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    glaich, gleichen.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gleich , glaich, gleiche , n. , vereinzelt m. ( mundartlich auch f. ), ' gelenk '. älter geleich, gelaich, s. teil 4, 1,…

Verweisungsnetz

5 Knoten, 4 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 4

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glaichgleiche

0 Bildungen · 0 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Keine Komposita gefunden — glaichgleiche kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „glaichgleiche". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/glaichgleiche/dwb?formid=G18232
MLA
Cotta, Marcel. „glaichgleiche". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/glaichgleiche/dwb?formid=G18232. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „glaichgleiche". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/glaichgleiche/dwb?formid=G18232.
BibTeX
@misc{lautwandel_glaichgleiche_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„glaichgleiche"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/glaichgleiche/dwb?formid=G18232},
  urldate      = {2026-05-12},
}