gläslein,
n. ,
deminutivum zu glas;
spätmhd. gleselein Heinrich v. Neustadt
Apollonius 15227
S., vitrellum gleseleyn (
anf. d. 15.
jhs., obd.) Diefenbach
gl. 624
a, gläselein Prätorius
glückstopf (1669) 45, Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 297;
ohne fugenvokal glaszlin Geiler v. Keisersberg
trostspiegel d d 4
a, glässlin K. Scheit
heimfahrt g 3
a, gleslin Junius
nomencl. (1595) 120, gläslein Arigo
decam. 511
K., gleszlein Mathesius
Sarepta (1571) 204
b, glässlein Guarinonius
greuel (1610) 102
u. s. w. mit anderer obd. suffixform gläsel Paracelsus
opera (1616) 1, 694
H., glässle Guarinonius
greuel (1610) 104, gläsel Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 1, 123, Brentano
ges. schr. 7, 355;
im bair.-österr. glasel Guarinonius
greuel (1610) 165, Ph. Hafner
ges. lustsp. (1812) 2, 130, Nestroy
ges. w. (1890) 1, 74,
vgl. Karl Stieler
ged. 1, 68
Reclam; glaserl Raimund
w. 1, 223.
vereinzelt gläserlein
erzschrein 41
Krause, vgl. dasselbe bei gläschen.
[] der gebrauch bezieht sich auf den aus glas geformten gegenstand (glas B). 11)
seltener allgemein ein beliebiger gegenstand, so ein brennspiegel oder eine linse: wird die sonn durchs glässlein bracht, brennendheisz den liechtschein macht Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 4, b 5
a;
kleine glasperle: behenge von rothen, gelben, blauen gläslein mit zittergold eingefaszt Ritter
erdkde (1822) 11, 708;
häufiger ein kleines (
meist medizinisches)
gefäsz, fläschchen: si trug mit ir ain gleselein, da was inne rotter wein Heinrich v. Neustadt
Apollonius 15227
S.; das gift, so in einem gleszlin ingemachet was Wickram
w. 3, 110
B.; und den brandtewein in ein gläszlein gethan und oben wol bewahret
M. Böhme
roszarznei (1618) 106; (
ich) bekam auch ein hauffen plecherne und höltzerne büchslein, papier und gläslein, meine wahre darein zu schmieren Grimmelshausen
Simplicissimus 313
ndr.; artzney, bey welcher nicht gnug ist, dasz sie der artzt, in einem gläszlein oder anderm geschirr in händen habend, hoch rühmet Chr. Scriver
seelenschatz (1737) 1, 147
a;
auch: wenn ich dergleichen eyer habe in ein gläszlein gethan und an die sonne gesetzt, so ... sind rothe würmlein daraus gekommen J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 304. 22)
hauptsächlich als kleines trinkglas (glas B 2 c): er setzt das gläslin an den mund
bei Erlach
volkslieder d. Deutschen 1, 27; der frembd tranck eyn mal oder zwey ausz einem gläszlein Kirchhof
wendunmuth 1, 182
lit. ver.; in der flasch fand ich kaumet wol, das ich schencket das gleszlein vol J. Ayrer 2235
K.; hab manches gläslein mit ihm getrunken W. Alexis
Roland v. Berlin (1840) 2, 118.
in wendungen des trinkerbrauchs (
s.glas B 2 c
ε): erstlich fanget man an, mit kleinen glässlein zu scharmitzieren Dannhauer
catechismusmilch (1657) 2, 446; du hast zu tief in das gläslein geguckt (
bist betrunken) Aler
dict. (1727) 1, 948
b;
auch: auf diesen wunsch will ich eins trinken, und fröhlich wird das gläslein sinken
bei Baumeister
zimmermannsspr. 67.
für das getränk (
vgl.glas B 2 c
δ): und wollen noch ein gläslein trinken
bei Mittler
dtsche volkslieder (1865) 208; sieh, wie ein schönes geld er mir gegeben hat und einmal, wo mir so wunderlich gewesen, gar ein gläsli J. Gotthelf
ges. schr. (1855) 4, 105.
abstrakter als masz oder kennzeichnung einer geringen menge (
vgl.glas B 2 c
γ): trinckt er der gicht zum trotz noch wol ein gläsel wein E. Heermann
gold. fliesz d. tugend (1676) 50; dasz man ... aus allen fässern ein gläslein voll (
wein) hebt v. Hohberg
georg. curiosa (1682) 1, 369; ein kleiner musicant ... welcher einem gläsel wein bey guten freunden sehr embsig nachgienge Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 614.