Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)
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- 5 in 4 Wb.
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gieben, vb. , vornehmlich im älteren md. bezeugtes wort, doch mdartl. auch elsäss. belegt, s. u. 2. herkunft und form. gieben steht neben geiben (teil 4, 1, 2, 2558) wie giefen neben geifen (teil 4, 1, 2, 2564); es beruht auf einer kurzvokalischen variante gib- neben gīb-, resp. geib-. der labial, der nur auf einem sehr beschränkten dialektgebiet (bes. südwestl. Schwaben, Lausitz u. Gebirgsschlesien nach Sütterlin nhd. grammatik 1, 284) aus w (vgl. ahd. anagiwen inhiare) entstanden sein könnte, läszt sich auf idg. bh oder p zurückführen. die basis idg. gheip- oder gheibh- ist erweitert aus ghēi gähnen, s. Walde-Pokorny 1, 550 f.; vgl. giefen und giebsen, auch gieb und 3giebel. 11) alte hauptbedeutung ist 'den mund aufsperren, gähnen', vgl. hiare giben (md. 14. jh.) Diefenbach gl. 276c; gyeben, gibben, uffgiben (md. 15. jh.) ebda; giben, das maul auffthun, gienen oscitare, os aperire Emmel silva voc. (1592) n 3b; vgl. noch rhein. gîben (s. Goar) rh. wb. 2, 1240 s. v. gipen; liter. belege sind auf das 16./17. jh. beschränkt: warumb spricht man uns zu, wenn wir niesen? warumb brauchen wir wort, wenn wir gieben? theatr. diabol. (1569) 215a; eine solche gifftige pest erfolgt, dasz, wann einer nur zu gieben oder das maul aufzusperren und zu niesen angefangen, er im gieben und niessen dahin gefahren und tod gewesen. darob sie den giebenden ein creutz ... gemacht C. Dieterich weish. Salom. (1627) 1, 550; (im bett liegen, bis das) schnarchen und schieben, gähnen und gieben, mehr nicht zu üben würde gelieben W. Scherffer ged. (1652) 472a; vom schnabelaufsperren des vogels: wenn der vogel (falke) so offt giebet, (so wird) solches von den filandren (würmern) verursachet C. d'Arcusia falconaria (1617) 70; vereinzelt auch 'nach etwas schnappen, etwas heftig verlangen': do nach giben, flehen, schreien und bitten alle schafe Christi quelle v. 1523 in d. zs. d. Harzvereins 14, 119, vgl. ebenso geiben und gieben, giepen. 22) namentlich bei schlesischen autoren des 17. jhs. beliebt mit besonderer bedeutungsschattierung als 'nur noch schwach (mit offnem munde) atmen' oder 'mit mühe atem schöpfen', die zu nd. gipen, ndl. gijpen stimmt: das megdlin ward noch giebende (aus dem wasser) heraus gezogen und wieder erquicket quelle v. 1608 bei Frommann dt. maa. 4 (1857) 168; als er aus seinem athemholen und gieben sahe, dasz er noch lebete Opitz Argenis 2 (1644) 133; meinen Jesum will ich lieben ... weil ich hauchen kann und gieben bleib ich ihm getreu verpflicht Joh. Franck bei Fischer-Tümpel 4, 112b; von den letzten atemzügen: er (der kleine knabe) aber muttert sich im letzten gieben noch, sucht, da er schon fast todt, die liebste mutter doch E. Heermann erstes buch unsch. Christmärtyrer c 3b, vgl. ich giebe moriens respiro, aegre respiro, er giebt nur noch Steinbach 1, 593; vereinzelt mundartl. belegt, vgl. er gibt noch e wenig Martin-Lienhart 1, 251 s. v. giwen; selten ohne den beisinn des mühsamen: ... (gott,) von dem die welt ihr gieben, ihr seyn emfangen hat, der wirdt, was er gemacht, ein armer erdenklosz (wird mensch) W. Scherffer ged. (1652) 26. 33) die bedeutung 'schreien mit gepreszter kehle', vgl. Weinhold schles. 27, Adelung 2, 683 (auch von vögeln) findet sich sonst nicht bezeugt und scheint erst sekundär von 1giebsen aus auf gieben übertragen zu sein, s. u. 1giebsen.
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15.–20. Jh.
NeuhochdeutschGieben
Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege
Gieben , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist, mit au…
- 19./20. Jh.
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Cotta, M. (2026). „gieben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gieben/dwb?formid=G16059
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Cotta, Marcel. „gieben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gieben/dwb?formid=G16059. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gieben". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gieben/dwb?formid=G16059.
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