gezerr,
gezerre (
auch gezarre, gezerge)
n., verbalsubstantiv zu zerren (zarren, zargen)
s. d., (
vgl. auch gezerren)
mit sinnlichen, häufiger mit übertragenen verwendungen: 11)
in den ältesten zeugnissen treten die jetzt der mundart angehörigen nebenformen auf; vgl. mhd. wb. 3, 904
a: 1@aa) in dem creiʒʒe, dâ wart grôʒ gereiʒʒe gedense und gezerge ... alleʒ mit erge. da was von gedrenge daʒ wite velt ze enge. Herbort v. Fritzlar
troj. krieg 6861; mit roube und mit brande vorhernde in dem lande dorfir ... vîrzig unde hundirt und alsô manche pfarre. ouch in dem gezarre vortilgit clôster worden. Nicl. v. Jeroschin 26 443. 1@bb)
den ersten beleg für die schriftform gibt Luther: doch nicht on geschrei und gezerre
von den conciliis (1539)
e 2
b; es begibt sich gemeinlich zwischen jungem neuem ehevolk, ehe eins des andern gemüt erlehrnet, das sich unwillen zwischen einander erhebt und zu einem gezerr komt, dann die liebe will erzankt sein Fischart
klag des ehestands (1614) 242. 1@cc) zerrung, zergung, das zerren, zergen, gezerre und gezerge,
tractus, torsio, pressus, it. irritatio, instigatio, instinctus, impulsus Stieler 2316; das hin und her zerren,
tractus Aler 1, 944
b; gezerre,
l'action de tirailler, it. tiraillement Schwan 1 (1783) 751
b; gezarge, gezärge, neckerei
s. zargen (zerren, necken) Frischbier 2, 524; gezerge Brendicke 127
b; gezerre, zerriges, weinerliches wesen Müller-Fraureuth 419; 's gezärr hoom = gereisz (
vogtl.)
ebenda; vgl. einen in der zerre haben Hertel
thüringer sprachschatz 263. 22)
die sinnliche verwendung macht sich im neueren schriftgebrauch erst langsam gegen die bildliche geltend: 2@aa) 'wie lange habt ihr processirt?' 'an die acht jahre ... das ist ein gezerre, ihr glaubt's nicht, bis man den perrücken ein urtheil vom herzen reiszt Göthe (
Götz v. Berlichingen 2) 8, 76; ich hatte den abend noch ein gezerr mit dem alten Guelfo, das alles entschied. ich warf ihm meine zweifel über die erstgeburt hin — der alte erblasste und die wuth band augenblicks seine zunge ... noch einmal fuhr ich den alten Guelfo an, schleuderte die last des künftigen schicksals seines hauses in sein gewissen ... er ... fuhr nach einer lanze, die an der wand gelehnt stand, und gab mir einen schlag Klinger (
die zwillinge 3, 1) 1, 57; was denkst und erwartest du nun von diesem Neuenburger gezeter und gezerre? O. Ribbeck
briefe 126.
dazu vgl.: ich bin kein groszer reicher herr, und sie ist keine hohe dame doch hold, auch ohne prunckgezerr erklingt ein kurzer schäfername Bürger 18
a;
s. unten theil 7
sp. 2195. 2@bb) es gab ein gezerre unnd schnell gieng der ernst in thaten über Fr. Th. Vischer
auch einer 1 (1879) 375; Wildenbruchs 'das neue gebot' gelesen. der zweite akt ist der beste: das gezerre in der kirche mit der bahre auf der die schwangere deutsche königin ruht, ist prächtig gezeichnet Detlev v. Lilienkron (
aus marsch u. geest) 2, 188; wegen des rangierbahnhofs ... wegen der schauderhaften unruhe ... wegen des ewigen getriebs und gezerrs, des ganzen spektakels H. Böhlau
der rangierbahnhof 79.