gewitterhaft ,
adjectiv, eine der frühesten ableitungen vom substantiv, während gewitterig (
vereinzelt gewitterisch)
später bezeugt ist und in der schriftsprache weniger verbreitung fand: gewitterhaft,
tempestuosus Steinbach 2, 987
vgl. auch Campe 2, 368
a; (
prognosticating a thunderstorm) Hilpert 2, 1, 466
b. 11)
in der eigentlichen bedeutung (
vgl. gewitterartig): 1@aa) es entstehet alsdenn ... doch wenigstens ein kleiner wind fast jedesmal, wenn die luft gewitterhaft wird Ph. P. Guden 17; 35
u. a.; das wetter ist gewitterhaft Göthe (
an August) br. 36, 106. 1@bb)
die attributiven verbindungen umschreiben nur selten einen begriff, für den nicht auch ein unmittelbar mit gewitter
zusammengesetztes compositum vorläge; viel häufiger treten sie mit solchen compositis in concurrenz, wobei sie dem ersten compositionstheil eine lebendigere einwirkung auf die gesamtbedeutung sichern: in der gewitterhaften luft Guden 62;
das gleiche Campe
a. a. o.; bei gewitterhafter luft steigen aus orangenlilien, goldblumen ... kleine flammen Jean Paul (
Titan 1, 23) 21, 147.
s. gewitterluft; wenn nach schwülen und gewitterhaften tagen die abende etwas kühl werden St. Behlen 3, 439;
s. gewittertag; der gewitterhafte dampf und dunstkreis des abends Jean Paul (
s. oben th. 2,
sp. 1565); am gewitterhaften himmel J. Gotthelf
Uli der pächter 347;
vgl. gewitterhimmel (
s. d.); wie in gewitterhaften zeiten das ergiebigste fischen ist
der schuldenbauer 332,
vgl. gewitterzeit (
s. d.); dann wird die temperaturverteilung bei gewitterhafter wetterlage behandelt L. Sohncke
ursprung der gewitterelektricität s. 1; die wolken hatten sich immer dichter zusammengezogen, gewitterhaftes dunkel lastete über der erschlafften natur Hassert
reise durch Montenegro 183
vgl. gewitterdunkel (
s. d.). 1@cc) mit diesem namen (
nimbus) wird der fall bezeichnet, wenn sich im sommer, gewitterhaft, über grosze landesbreiten eine düstere wolke heranwälzt und unten schon abregnet, indessen ihr oberer saum noch von der sonne beschienen wird Göthe (
meteorologie) 51, 207; die sonne brannte gewitterhaft heisz H. Laube
Paris (1847) 87 (8). 22)
übertragene verwendungen: 2@aa) dasz der mensch nicht zu weit vorausdenken, und wenn nur seine nächste aussicht nicht trübe und gewitterhaft sei, sich beruhigen müsse J. J. Engel (
herr Lorenz Stark 10) 12, 91; wenn das vergangene jahr heisz, gewitterhaft, niederdrückend gewesen ist ... H. König
die clubisten in Mainz (3, 10) 1, 351; deutest du auf jenen unseligen gewitterabend? ach, arme Christel, auch jetzt ist unsere luft wieder gewitterhaft, und welcher schlag wird dich, mich, uns alle von der schwüle befreien? Immermann (
papierfenster eines eremiten) 9, 67
Hempel. 2@bb) nachdem Schoppe, durch die gewitterhafte luft von punsch und liebe feuriger, ziemlich lange den blitzfunken seines humors hatte im zickzack und verkalkend durch das weltgebäude schieszen lassen Jean Paul (
Titan 4, 94) 24, 10; im lager ist's mir, wie in gewitterhafter luft Hölderlin (
Hyperion 3, 18) 2, 165
Litzmann; alle liebenden empfindungen gehen, wie gewächse, bei gewitterhafter luft des lebens schneller in die höhe Jean Paul (
Titan 1, 22) 21, 140; hatt' er weniger zerstreuung — mehr zeit — mehr geduld — oder eine herrschende kraft, so stand ihm für alles gewitterhafte feuer ein herrlicher ableiter bereit — die schreibfeder (
biogr. bel. 3) 17, 43,
vgl. gewitterfeuer (
s. d.); die wahrheit in der sache ist, dasz die litteratur zwar ihrem begriffe nach der ausdruck des volkes und der zeit ist, dasz diese aber bisweilen eine reihe von jahrzehnden, ja jahrhunderten hindurch in krankhafter spannung und schmerzlicher geburtsarbeit der ihnen gemäszen litteratur entbehren müssen, bis endlich die gewitterhafte schwüle sich selbst aufhebt ... Th. W. Danzel
Lessing 1, 305,
vgl. gewitterschwüle (
s. d.); nur werden sie nicht verhindern können, dasz gewitterhafte erscheinungen immer eine veränderung in der atmosphäre bewirken K. Gutzkow
skizzenbuch (
die literar. elfen) 342
vgl. gewittererscheinung (
s. d.); ich habe allerdings einen sehr thatenreichen politisch gewitterhaften winter in Paris verbracht C. Bertuch
an Böttiger (
s. Geiger, aus Alt-Weimar s. 155); 2@cc) wie konnte ich alle gefahren ahnen, die sich über meinem hause gewitterhaft zusammen gezogen hatten! A. v. Arnim (
verkleidungen des frz. hofmeisters) 2, 139.