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gewissener

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewissener m.

Bd. 6, Sp. 6288
gewissener, m. , mit zwei bedeutungsrichtungen, die auf getrennte ausgangspunkte zurückführen. 11) bei gewissend war eben auf die participialform gewissen bezug genommen, für die oben (sp. 6217/8) festgestellt wurde, dasz sie in engerer bedeutung personen bezeichnet, welche durch ihre kenntnis von dem thatbestande im gerichtsverfahren bedeutung gewannen. auch der engere rahmen der auf die fehmgerichte bezüglichen litteratur war dort schon zu tage getreten. an diese bedeutungsverengerung knüpft sich nun auch eine formelle entsprechung. das dem participialen adjectiv in der sog. starken form des nom. sing. zustehende flexionssuffix wird für diese besondere bedeutung auch in die übrigen casus übergeführt, wo es nach analogie des hauptsuffixes der nomina agentis als mittel der substantivierung aufgefaszt wurde. so hält es sich dann auch in den verschiedenen nebenformen, die der kürzung unterliegen: dieser (der freigrafe) hatte seine feimern, gerichts-assessores und freischöppen, welche musten ... herumbziehen, in verschlagener kundschafft die maleficanten ausspioniren, und nachdem sie dieselbe dem fehm-gerichte denunciret, und sie verurtheilet waren, da musten die feimers folglich die malefitz-personen ... aufhencken. ich glaube eben diese executores ... sind die also genandte wissers, gewissers, gewisners und witzers gewesen, als des freien heimlichen gerichts wissende, wie der alte stylus lautete ... es kam ferner auf dieser leute wissen und gewissen nebst dero denunciation hauptsächlich an Casp. Calvör altes heidnisches u. christl. Nieder-Sachsen (1714) 169b; vgl. auch 170a. auf Calvörs angaben fuszen Chomel 4, 1062; Zedler 10, 139. 22) dagegen führt auf das substantiv gewissen (s. o. sp. 6219f.) eine spätere verwendung unserer form zurück, die im ausgang des 17. jahrh. der benennung einer secte diente: unter den Lutheranern war um das jahr 1673 viel redens in Sachsen von einer secte der so genanten gewissener, welche durch etliche scartequen, sonderlich auff denen universitäten Jehna und Altorff bekant worden Arnold ketzerhist. (3, 18) 2 (1700), 190; die notiz fuszt auf der 1674 zu Jena veröffentlichten abwehr des Johannes Musäus: 'ableinung der ausgesprengten abscheulichen verleumbdung, ob wäre in der fürstl. sächsischen residentz und gesambten universität Jena eine neue secte der so genanten gewissener entstanden'; der gleiche nennt auch die persönlichkeit, der man die schuld an der bewegung zumasz, und geht ebenso auf eine erklärung des namens ein ... dasz einer, namens Matthias Knutzen, aus Eiderstedt in Hollstein, ... zum urheber und anfänger der vermeinten gewissener secte angegeben wird ableinung 10; es soll dieselbe den namen führen vom wissen natürlicher vernunft, ... und vom gewissen, welches mit dem wissen müsse vereiniget sein, und sollen sich deszwegen also nennen, weil sie keine andere bibel ... keine andere richtschnur ihrer so genannten religion, thuns und lassens erkennen, als besagtes wissen der vernunfft und ihr gewissen ebenda 17; dieser etymologischen deutung entsprechen auch die verschiedenen von Musäus verwendeten zusammenstellungen gewissenlose gewissener s. 32; wissener und gewissener ... die gewisz gehen s. 34; auch die neueren nehmen von dieser secte noch kenntnis, vgl.: conscientiarii oder gewissener waren atheistische freidenker unter den protestanten des 17. jahrhunderts. Matthias von Knutzen ... verbreitete dann zwei gottlose schriften (im manuscript), worin er das dasein gottes, die auctorität der bibel ... läugnete und ... nur die eigene vernunft und das eigene gewissen als die norm seines denkens und lebens anerkennen wollte Wetzer u. Welte 3, 955; von Musäus ist zu dem worte auch ein compositum gebildet worden: obrigkeit und prediger sein nichts nütze ... ist demnach der vierde articul des gewisznerschwarms ableinung 45.
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    Neuhochdeutsch
    gewissenerm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gewissener , m. , mit zwei bedeutungsrichtungen, die auf getrennte ausgangspunkte zurückführen. 1 1) bei gewissend war e…

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Wortbildung

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Ableitung von gewissener 3 Analysen

ge- + wissener

gewissener leitet sich vom Lemma wissener ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+wisse+-ner ge-+wiss+-e+-ner

Zerlegung von gewissener 2 Komponenten

gewiss+ener

gewissener setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — gewissener kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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Cotta, M. (2026). „gewissener". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gewissener/dwb
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Cotta, Marcel. „gewissener". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gewissener/dwb. Abgerufen 11. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gewissener". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gewissener/dwb.
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