gewirbel,
n. ,
ursprünglich wol masc. und als verstärkte form zu wirbel (
s. d.)
gehörig: als wann sie aus dem abgrund des verderbens und tiefem gewürbl der verzweiflung ... herfür gestossen würdten.
F. Sigl
gesch. d. Münchener geiszeln (1632) 175
Stöger. zu dem substantiv wirbel
stimmt auch die vorliebe, mit der gewirbel
die verworrenheit der bewegungen auf das akustische gebiet überträgt: wie es heute stürmt, lärmt, schneit, als ob der himmel
in lauter schnee, in brüllendem gewirbel auf erden herunter brausen wollte. Bräker
der arme mann im Tockenburg 248
Bülow; vgl. wirvil,
turbo Graff 4, 1238;
vortex, wirbel im wasser Lexer 3, 925; die wind varnt in ainer werbeln weise.
ebenda. frühzeitig ist jedoch für die erklärung der zusammenhang mit wirbeln (
s. d.)
maszgebend geworden, dem entsprechend gewirbel
als neutrum und als verbalsubstantiv in die neuere schriftsprache übertrat: gewirbel ... das wirbeln, besonders ein anhaltendes, wiederholtes wirbeln ... etwas das sich wirbelt, eine wirbelnde menge. Campe 2, 365
b. 11)
das substantiv kennzeichnet die bewegung; die bildwirkung wird hervorgehoben: 1@aa) wo aus sprudelnden quellen der strom mit tiefem gewirbel, Acheron, trächtig von gold, hinstürzt durch schaudrichte gegend. Voss
Hesiod 333 (
Orfeus 1130); um und um gewirbel, sandbank, riff! Immermann (
die Bojaren 3, 5) 15, 225; unter düstern orkanengewirbeln und flammenden wettern strömt', in wildem gewül, des abgrunds heer zu den thoren. Fr. v. Sonnenberg
Donatoa 151; mächtige drängten sich vor durchs gedräng, und dumpf um die pforten rollt' es sich jetzt in dunklem gewirbel, das dunkle gewirbel flutet' heran, und ebb'te zurück. 145; und wie der wind den haufen der trockenen spreu mit gewirbel oftmal erregt', und umher sie zerstreuete. Voss
Odyssee 5, 368 (1793
gegen im wirbel 1781); du lagst im gewirbel des staubes, grosz auf groszem bezirk, der wagenkunde vergessend. 24, 39 (
ausgabe von 1793
gegen in der wolke des staubes 1781); schwang er die geiszel erklatschenden schwungs und es fuhr im galopp fort, schnell wie der pfeil, durch gewirbel des staubs das rasselnde wäglein. Baggesen
Parthenais 1, 428;
vgl. sandgewirbel Schack
nächte des orients 2; der general sah, fast träumerisch stumm, auf das weisze gewirbel. W. Alexis
Isegrimm (2, 2) 2, 29;
vgl. schneegewirbel
ebenda 2, 26; immer dicker und immer dichter kamen die flöcklein herab ... ging schon ein ordentliches gewirbel los zwischen himmel und erde. H. Sohnrey
im grünen klee6 45. 1@bb) unten um springenden weinborn läufts im gewirbel heran itzt, stürzt es sich, wälzet sich bunt durcheinander von weibern und kindern. Fr. v. Sonnenberg
Donatoa 1, 2, 468;
ähnl. 310; sauszten die stürm' in die nachtumschleierten fahnen der flügel, jagten und warfen in wilde gewirbel die flammen der streithelm' und vermengten die donnerwolken des himmels mit ihnen. 114;
vgl. auch flammengewirbel 2, 2, 78
u. a.; also badeten sie, stillhaltend herab in die wanne alle die niedlichen füsze gepaart, weil jede den strohhut abwarf, hebend den kamm, den gebogenen, welcher, den flechten eingezahnt, aufhielt der ambrosischen locken gewirbel. Baggesen
Parthenais 5, 104; über sein schlaues gesicht flog ein schatten und eine innere unruhe wurde aus dem lebhaften gewirbel sichtbar, womit er seine freude über das wiedersehen auszudrücken suchte. G. Freytag (
soll u. haben) 5, 321. 22)
die herausarbeitung akustischer wirkungen: siehe, da rieselte still ein wässerchen ohne gewirbel. Voss
Ovid (
Ceres 247); ha, und itzt schleuderten all' orkan herauf von dem nordpol, fürchterlich brüllt' es in grausem gewirbel daher, und die wogen brausten mit wut an die himmel. Fr. v. Sonnenberg
Donatoa 2, 1, 145;
vgl. in heulendem sturmgewirbel 2, 1, 100; und, wie brausende meergewirbel von drachengeheul voll, rollten die kriegeswagen daher durchs wüste der graunschlacht. 2, 1, 119; heulte wie orkangewirbel
gedichte 75
Gruber. das gewirbel der lerche. Campe
u. a. (
vgl. lerchenwirbel theil 6,
sp. 762); den vogel (
die lerche) fanden ihre augen nicht ... aber ... sie freute sich des sanften gewirbels. A. v. Enderes
aus dem leben (
fels zum meer 1883
s. 113
a); der mond blinkt heller, goldner und goldner malt sich jede wolke, die melodisch in das gewirbel der harfe murmelt. Hölty (
der bund) 56
Halm; das göttliche, riefs im gewirbel der stimmen, ist der erde geworden zum spiel. Fr. v. Sonnenberg
Donatoa 1, 1, 66; und sowie ich den faden des gesetzes im tönegewirbel verliere, stellt sich das auge ein, und ich denke nichts als: was haben denn die kerle, dasz sie so reiben, zwicken, kratzen ... Fr. Th. Vischer
auch einer 410; dabei weinte sie, setzte sich aber im folgenden augenblick an den flügel, um sich in ein gewirbel der gellendsten arien zu verlieren. W. Raabe
hungerpastor 2,
cap. 10; red' ist der wohlklang, rede das silbenmasz; allein des reimes schmetternder trommelschlag, was der? was sagt uns sein gewirbel, lärmend und lärmend mit gleichgetöne? Klopstock (
an J. H. Voss) 5, 368
Boxberger; o welch spektakel und kreuz-lamento wird in unsere zugehangenen zellen einkehren! mit trompeten und paukengewirbel. o jammer und elend! als ich in dienst trat, durfte ich keine flöte mehr blasen. Tieck (
der gelehrte) 22, 29; und dann schmetterten die trompeten in der trommeln gewirbel. K. L. v. Woltmann
gesch. des westfäl. friedens 2, 130; das gewirbel der trommel. Campe
u. a.; ebenso Hilpert 2, 1, 465
a;
ebendort auch: das gewirbel der wagenräder,
the whirling of the coach.