gewift,
gewîft,
participiales adjectiv, vgl. oben geweift
sp. 5433.
in mitteldeutschen und oberdeutschen mundarten ist diese participialform —
bald mit kurzem, bald mit langem (
hier wol secundär verlängertem)
stammvocal —
für die bedeutung gewiegt, gewandt
belegt, wofür niederdeutsche mundarten die form gewipt
buchen lassen vgl. gewipt Schambach 63
b (et is en gewipten kerel).
während dem letzteren das verbum wippen (
s. d.)
zu grunde liegt, geht gewift
von einer nebenform zu mhd. wîfen, weifen
aus (
vgl. Lexer 3, 879),
für die vielleicht in einem vereinzelten belege aus Neidhart (waz ob sî der schuolemeister wifte)
in lautlicher und formeller beziehung ein anhalt gegeben ist. beide verba wippen
und wîfen (wifen)
stimmen jedenfalls zu vibrare.
die bedeutungsentwicklung stellt gewift
ungezwungen in engste berührung mit gewiegt
s. o. ob die formen wiff, wief, schmuck, sauber (
vgl. Schöpf
in deutschen mundarten 3, 103. Lexer
Kärnt. wb. 257. Schmeller 2
2, 864; wiff, lebhaft, behende. Stürenburg
ostfries. wb. 331
b)
nicht von lat. vivus
abzuleiten sind und ob demgemäsz nicht auch ein fremdsprachlicher einschlag durch die entwicklung zieht, müszte noch untersucht werden. gegen einen allzu weitgehenden einflusz in dieser richtung spricht das niederdeutsche gewippt.
die belege entstammen durchweg den wörterbüchern: gewieft (
auch jewiejt), schlau. Hans Meyer
der richtige Berliner4 52
b; ''n jewiefter junge'.
ebenda; gewīft, pfiffig, schlau. Albrecht
Leipziger mda. 122
b; gewiift, pfiffig, gerieben. Jecht
Mansfelder mda. 42;
ebenso Liesenberg
die Stieger mda. (Unterharz) 226 (
mit hinweis auf gewipt
und wîfen);
desgl. Kleemamn
beitr. z. einem nord-thür. idiot. 9
b. Herwig
idiotismen aus Westthüringen 13
a; gewifd, gewandt (
Leipz. Geith. Plauen) Franke
in Bayerns mundarten 2, 335; gewift, durchtrieben, verschlagen. Saul
zum Hess. idiot. 16/7 (
mit hinweis auf wifte
bei Neidhart); gewîft, lebhaft, pfiffig, schlau; fein, schmuck, sauber (
Tirol) Castelli
wb. d. mundart in Österr. unter der Enns 266.