gewichst ,
participiales adjectiv zu wichsen (
s. d.).
von der ursprünglichen bedeutung des verbums wichsen
ausgehend (
vgl. wihsen, wächsen,
cerare. vocab. von 1483;
vgl. Lexer 3, 883)
nimmt unsere form im gegensatz zu gewächst (
s. sp. 4740)
auch die sonderbedeutungen auf, die sich in wichse
und wichsen
herausgebildet haben; aus ihnen endlich entwickelt sich übertragener gebrauch. 11)
das particip in den verwendungen von gewächst;
vgl. inceratus ... gewichszt Dasypodius
F. 2
b; gewichszt,
inceratus Maaler 179
c; gewichszt, gewächszt,
ceratus Henisch 1599;
ähnlich G.
M. König 560
a; Denzler 132
a; Aler 936
a; Kirsch 2, 151
b; gewichst
v. gewächst Rondeau 2, Uu 3
b. 1@aa) so richtend mir zuo ainen sarch der wol gebicht und gewichset sie, dar in sie nit versinken müg: villicht wird sie bewaret vor den merfischen und komet ze land und wird nach künglichen eren bestatet.
Appolonius v. Tiria 110
Schröder; gewichset,
ceratus (...
in tabellis ceratis ...) C. Seidel
port. lat. ling. s. 75; man schälete die linden und schriebe, was man wolt', in die gewichsten rinden mit grosser müh' und kost. Fleming 125
Lappenberg; wie er die damen ansichtig wird, fällt ihm der hut, und indem der gerettet werden soll, der stock; auf einem gewixsten fuszboden, wäre er wohl selbst hinten drein gefallen, mangel an gleichgewicht war hinlänglich da. Lichtenberg (
vorschlag zu einem orbis pictus ...)
verm. schr. 4, 155; gewichste flügel, federn,
alae, pennae ceratae Aler 936
a. 1@bb) (
die juden) toten om (
dem müller) funf kinder bermelichin und vingen ir blut inn gewichste secke und ander gefesze. Joh, Rothe
düringische chron. (471)
Liliencron s. 388; und
das bewerte sü domitte, das sü ein gewihsset hemede ane det und domit ging in ein für und bleip unversert in dem füre. Königshofen
Straszb. chron. (
d. städtechron. 8, 414); gewichstes tuch,
tela cera illata teutsch. lat. wörterbüchlein (1713) 101; sonsten hatte sich der könig in Franckreich gegen diesen ambassadeur sehr hart hierüber beschweret. dasz die Engl. etliche todte cörper in eine gewichsete leinwad zusammen gerollet. Prätorius
zodiakus mercurialis (1667) 98; gewichste leinwand
s. wachsleinwand Chomel 4, 1048; ich versetzte, er solle mir nur die erlaubnisz geben, so getraute ich mich bis hinaus auf die wiesen zu fliegen, wenn ich mir ein paar flügel von feiner gewichs'ter leinwand machen wollte. Göthe (
Benvenuto Cellini 2, 11) 34, 327. 22)
das particip in den engeren verwendungen, die sich an wichse, wichsen
entwickelt haben. 2@aa) gewichset oder gewächset oder geschmieret lederne schuhe,
waxed leather-shoes teutsch-engl. wb. 2, 772 (
da neben faden, leinwand
ebendort nur die form gewächst
angesetzt ist, ergiebt sich für gewichst
aus dieser verbindung bereits ein bedeutungsunterschied gegen gewächst); und den anzug nach unten vollendeten ein paar schuhe von gewichstem kalbleder. Joh. Gottw. Müller
Siegfried von Lindenberg 106; bei uns zu lande giebt's keinen noch so schäbigen lumpen, der nicht ... dasselbe lied von seinen adeligen vorfahren zu singen wisse, und noch mit seinem angebornen wappen das conto für gewichste stiefeln siegelte. Gaudy (
aus dem tagebuche eines wandernden schneidergesellen) 1, 191
Müller; das knarren seiner wohlgewichsten stiefel sagte einstweilen, ehe es die ballgäste thaten: ei, da ist er ja! da ist er ja! Otto Ludwig (
zwischen himmel u. erde) 1, 180; von einem derselben (
der corridore) blickte ich in ein kleines gärtchen, wo ich Napoleon en migniature aufgestellt sah, mit gewichsten stiefeln und hütchen. Fr. Hebbel
tagebücher (11. 5. 1844) 2, 398
Werner. 2@bb) an beiden ohren die schneidigen lockensechser hübsch glatt gewichst. Rosegger
idyllen (
zur weihnachtszeit); (
der) durch ein krampfhaftes drehen des wohlgewichsten schnurrbarts ... innere bewegung verriet. Friedr. Halm (
die marzipanliese) 4, 12
Schlossar. 33)
der übertragene gebrauch vgl. een gewikste vent Schuermans 155
a; gewickst,
knap, schrander, uitgeslapen J. Winkler
fries. wb. 1, 455
a; gewixt, er ist ein gewixter,
quem usus erudivit; scitus; fallaciarum artifex; doctus. G. Th. Serz
teutsche idiotismen 55
a; gewickst, gewandt, 'n gewickster mensch C. Chr. L. Schmidt
Westerwäld. idiot. s. 328 (
erinnert an ofwickse, sich prächtig herausputzen, jemand aufs ohr hauen); gewixt und gewürfelt bedeuten beide fast einerlei: gewandt,
versatilis, versutus W.
F. H. Reinwald
Henneberg. idiot. 2, 51 (
stellt gewixt
etymologisch zu fix
und witz); er war, was man in Deutschland einen gewichsten jungen mann zu nennen pflegt, ein stutzer; er hatte blonde in die höhe strebende haare ... niedere stirne ... über dem mund hing ein stutzbärtchen, dessen enden hinaufgewirbelt waren ... seine kleidung wie seine sitten schien er von verschiedenen nationen entlehnt zu haben. W. Hauff
memoiren des Satan 1.
teil 18.
cap.; geschniegelt und gewichst, vom wollenen zopfband und den gepuderten ohrlocken bis zur breiten kamaschenzunge auf den stumpfschuhen, hielten sich alle puppenartig steif, im damaligen stil der reichsarmee. Heinrich Koenig
die clubisten in Mainz 1, 105; da hatten wir vor nicht langer zeit einen freiwilligen, der hiesz Laufer; er hatte was gelernt und hätte es vielleicht zum offizier bringen können, denn es war ein gewichster kerl, der einem was weis machen konnte; doch trieb er gar zu viel unsinn. Hackländer
das soldatenleben im frieden, nach Kurz, gesch. d. litt. 4
3, 753
a; von dem früheren gewichsten, frischen und muntern wesen war wenig mehr bei ihm zu finden. J. Gotthelf
Hans Ioggeli (
volksschr. Zürich 1893);
aus diesen belegen ergeben sich zweierlei richtungen des übertragenen gebrauchs: die eine zielt wie gerieben, gewürfelt
u. a. auf das glatte, abgeschliffene, vgl. gewixt für fein, pfiffig Castelli 159;
die andere zielt in anlehnung an geschniegelt und gebügelt
auf das blanke, saubere, vgl. das studentische subst. wichs.
beide richtungen lassen sich ungezwungen auf wichsen (mit wachs, wichse blank reiben)
zurückführen.