Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gewelbe stN.
2 metonym. für durch ein Gewölbe überdachte Räume und Bauten (offen zu 1 )
1 ‘gewölbte Decke eines Raumes, Gewölbe’ (zur Sache vgl. LexMA 4,1427ff.): der sale ein gewelbe hett, / das was synnwel vnd hoch, / das den sal gar %\vber zoch / one dheiner ander hand tach Krone 15722; einen hôhen turn gesâhen sie, / dâ mite daz tor was überzogen. / er hete drî swibogen, / dâ die liute durch riten. / als si kômen in almiten / und si des gewelbes verdrôz, / [...] / do begegent in her Mâbûz UvZLanz 3615; etwenn tett er [der Teufel] als er das gewelb [des Chors] welt niderwerffen ald fellen Stagel 62,4; testudo: gewelb VocOpt 5.124; Tr 17128; Pass III 575,59. – allgemeiner: nidene an dem gewelbe [einer Wölbung des Automaten] / lâgen viere und zwênzich blâsebelge SAlex 6015. – übertr.: saͤliger lib, prechender glast, / mein lieb an dir nie prast. / ain pfost bist du ön selb / allain under meiner froͤden gwoͤlb FrSchw 2826; daruff ich han gezymmert / miner freuden gewelbe! Minneb 2407; daz vellet / min freuden gewelb gar der nider ebd. 2485. 2476 2 metonym. für durch ein Gewölbe überdachte Räume und Bauten (offen zu 1 ): zuͦ Rome ein grozes hus waz, / ein tempel und ein palas, / daz waz schon und stark. / [...]. / druͦ huͤndert gewelbe / het do daz selbe HvNstGZ 1695; er hiez ouch zerbrechen, / dâ wider torst nieman sprechen, / kamer und gewelb guot, / wan im was des wol ze muot, / daz er den tiutschen ze solt / wolt geben silber unde golt / und ander kleinôt rîch EnikWchr 21233; da sah Lancelot durch ein glesin venster große flammen in eim gewelb under der erden Lanc 616,4 u.ö.; ein alte die gewinckte mir: / ‘miet du mich, so zaig ich dir, / wo sie sich verporgen hat, die raine, / altersaine.’ / do tet ich, das sie mich hies, / die mich in das gewelb lies. / do fand ichs [...], / die ich da maine Neidh (S) 2,150 c73:2,6; er kam in ein geweilbe, / do tusent frŏwen sas Ortn 345,2. – wohl Verkaufs- bzw. Lagerraum eines Händlers: emit domum que est iuxta sime gewolve UrkKölnSchr 1,226. – Verlies, Kerker: Jôsêp [von Arimathia] ouch dâ gevangen wart / und in ein gewelbe verspart, / daz vinster und veste was KvHeimUrst 874 u.ö.; do wolten die juden haben genomen / ouz dem charcher / Josepen durch marter swær. / [...]. / diu sloz si do entslûzen, / die tur si ouf schuzen, / in daz gewelb si drungen GvJudenb 2421 u.ö. – Gewölbegang: uf durch den palas einesît / gienc ein gewelbe niht ze wît, / gegrêdet über den palas hôch Parz 589,2. – Torbau, Bogen: von der kemenâten er [Berhtunc] vil lîse gienc. / do er kam für daz gewelbe, dô gienc er nâher baz / unz für die burcporten: ûf daz ros er gesaz WolfdA 78,3; do Saul mit sigehafter hant / Ammalech gar uberwant, / er kerte wider von der wal / uf ein berc uf dem Nabal / was, hiez im wrkin sa / ein hoh, wit gewelbe [Triumphbogen, vgl. fornix triumphalis I Sm 15,12] RvEWchr 23628. – Pavillon, Tempel: enmitten in dem garten stuont ein rich gewelbe. / [...] mit saphier uber tunkelt daz gewelb gar uz erkirnet, / dar inne verkarifunkelt, reht sam der tempel ist zem gral gestirnet, / bis da sich daz gewelwe nider setzet / uf pfiler, die der varwe und grozer richeit waren ungeletzet JTit 4883,1
MWB 2 708,23; Bearbeiter: Hansen