gewanden II,
verb. ,
ableitung zu gewand,
für die sich zweierlei ausgangspunkte nachweisen lassen: die anknüpfung an den umfassenden begriff (kleidung)
der bair.-österr. mundart und die anknüpfung an den engeren begriff (kleidungsstück)
der schriftsprache. neben den formen gewanden (gwanden), gewanten (Schöpf
Tiroler idiotikon s. 800 g'wantig'n)
stehen auch umgelautete: gewänden, gewenden, gewenten. 11) gewanden,
die kleidung liefern, vielfach als stehende verpflichtung: der pflegvater soll das kind gewändten.
Amberger acten (1334),
vgl. Schmeller 2
2, 942; klaiden, gewäntten,
vestire. vocab. v. 1419,
ebenda; do sprach Wilhalm: ich wil dich in eren haben und wil dich gewenden und kleiden nach dinen eren.
deutsche volksbücher 149
Bachmann - Singer; das ich han den nakhoten nie gewant.
offene beichte zu Aldersbach (1450),
s. Schmeller
a. a. o.; da soll sich jeder priester selbst bekhosten und gewenten. (1404),
vgl. Schöpf
Tiroler idiot. 800.
mit der gleichen bedeutung reihen sich die zeugnisse aus der lebenden mundart an. vgl. Schmeller
a. a. o. Lexer
kärnt. wb. 249. Schöpf
a. a. o. Unger-Khull
s. 290. Loritza
neues idiot. viennense 51: warum g'wandt denn gott die lilien auf dem feld, als weil sie sich von anderer seit' kein g'wand schaffen können. Anzengruber (
zu fromm) 5, 86.
beliebt sind namentlich reflexivverbindungen: wie kunt mə~si' denn gwántún, wenn də marktgrósch ún nét wár?
als ausrede der Münchener köchinnen bei Schmeller
angeführt; dafür hab ich mich zu gewanden. Rank
von haus zu haus 28; dernthalb hast di 'heunt so schön gwandt.
s. Sanders
ergänz.-wb. 22) gewanden,
für die gewährung oder inanspruchnahme einzelner kleidungsstücke. 2@aa) der marschalch gieng und gewndt desz chuoningez tochter mit der aller pesten wt.
gesta Romanorum 165
Keller; und schuof zehant daʒ man die iunchfrawen pracht und si ... mit reichen claidern gewænden scholt. 20; und si gewnten in mit dem aller pesten gewand, daʒ si gehaben mochten. 171; der was nit gewent mit einem hochzeitlichen claid.
bei Schmeller 2
2, 942. 2@bb) dies wort ist noch in den schönen künsten brauchbar, für: mit gewändern bekleiden (drapiren), das gewanden, gewanten. Campe 2, 359; der mittelalterige künstler gewandete seine heiligen am liebsten nach eben gangbarer landessitte. Riehl
wanderbuch 362; gewanden, gewanten (drapieren) (
unusual) v. tr. eine figur gewanten,
to make the drapery of a figure, to cloth it. Hilpert 1, 463
a. 2@cc) halb griechische, halb auch französche donne ist Regula, die wackerste ma bonne; nimmt sorgsam überall, nimmt tag und nacht die lieben kinderchen ganz wohl in acht; weisz wohlgewandet zu gängeln, weisz spazieren den kleinen trupp vorsichtiglich zu führen. Bürger (
mamsell la Regle) 1, 152; ihre gestalt war in einen ... morgenanzug gewandet. Schücking
dunkle th. 6; in weisz und schwarz gewandet. Stahr
ein jahr in Italien 2, 400; mit feiner hand hältst du in schönen banden, das er dir gab (
der herr), dein anmutreiches haar. gleich einer palme aus den morgenlanden liess er dich wachsen, der im anfang war; du aber weisst dich köstlich zu gewanden, dass sich verdunkelt deiner schwestern schar. G. Keller (
ghas.) 10, 12; und anders ward mein träumen nun gewandet, zu einer mumie ward ich versandet, mein linnen staub, fahlgrau mein angesicht. A. v. Droste-Hülshoff (
die mergelgrube) 1, 100. 33)
die mannigfaltigkeit dieser bedeutungen spiegelt sich auch in zusammensetzungen des verbums, vgl. z. b. vergewanden: 1) sich vergewanden =
sich verkleiden Schmeller
a. a. o.; 2) das geld vergewanden (
an der kleidung verschwenden)
ebenda; 3) verg' wanten, stücke aus der haushaltung heimlich verkaufen. Schmidt
schwäb. wb. 517.