gewässert ,
participiales adjectiv zu wässern (
s. d.).
das particip ist in attributiver function neben einigen substantiven gern gebraucht, mit denen es feste verbindungen eingeht. die bedeutungsentwicklung steht ganz unter dem einflusz dieser substantiva und zweigt von einer grundlage ab, wie sie etwa in gut gewässert ist halb gebleicht (Rensberg-Düringsfeld
sprichwörter d. germ.-romanischen sprachen 1, 672)
zu tage tritt. dagegen bleibt eine andere richtung der bedeutungen von wässern (
vgl.: es hat ihm das maul lang darnach gewässert. Kramer 2, 1269
b)
ohne wirkung auf die sonderentwicklung des particips. wenn man für diese eine gliederung anstrebt, könnte man sich an Chomel
anschlieszen: gewässert, heist entweder so viel als in wasser eingeweicht, oder mit wasser vermischt. 4, 1040.
in der that handelt es sich beim einen theil der verbindungen mehr um eine sättigung mit flüssigkeit, im anderen um ein untertauchen im wasser, aber auch hiefür giebt im grunde doch die eigenart der objecte den ausschlag. 11)
die beziehung auf grund und boden, vgl. bewässert: und wirst sein wie ein gewesserter garte. Luther
Jesaias 58, 11 (dasz du einem wohlbewässerten garten gleichst. Kautzsch); wodurch manch fruchtbar thal sich zieht, und grün sich hin und wieder wendet, von mancher kühl- und klaren fluht des reinen haupt-strohms Tweed gewässert. Brockes
Thomsons jahreszeiten (
herbst 827) 375; und kam zu der grotte der nymfen, an der gewässerten au. J. H. Voss (
Orpheus d. Argonaut 646)
Hesiod 293. 22)
die verbindung mit anderen flüssigkeiten: gewesserter wein, under den wasser thon ist,
vinum dilutum. Maaler 179
b; gewässerter wein,
vinum dilutum, vin trempe. Emmel
nomencl. quadriling. 323; gewesserter wein,
vin auquel il y a de l'eau. Hulsius (1614) 163
b,
ebenso ausgabe von 1616 (
s. 137
b gewässerter wein ...
vino adacquato).
ebenso Henisch 1595. Duez (1664) 198
b (
du vin accousé, vin baptise);
vgl.: sein wein war ziemlich gewässert. Grimmelshmusen
Simpl. 286
neudr.; gewässerter wein, gelästerter wein.
M. Kramer (1700) 1269
b; gewässerter wein,
vin auquel il y a de l'eau, vin batisé. Rädlein 1, 382
a;
ähnl. Weissmann 157
a. Bayer 291
a. Kirsch 180
a. 33)
die beziehung auf nahrungsmittel und stoffe. bei der ersterwähnten beziehung kann am ehesten an ein eintauchen ins wasser gedacht werden; bei der zweiten mag zwar manchem, der das wort gebraucht, ein ähnliches bild vorschweben, aber über die thatsächliche zubereitung dieser stoffe geben die belege andere auskunft. 3@aa) gewässerter häring,
harenga macerata. Emmel
nomencl. 143; gewesserter hering,
hareng mortifie. Hulsius (1614) 163
b,
ebenso ausgabe von 1616 (gewässert); gewässerter hering, brathering,
harengus maceratus. Henisch 1595;
ähnl. Duez (1664) 198
b. Rädlein 1, 382
a. Kirsch 180
a; gewässerter stockfisch, gewässerter hering.
M. Kramer (1700) 2, 1269
b; gewässertes fleisch,
caro macerata. Steinbach 2, 949. 3@bb) gewässerter chamelot Henisch 1595;
camelot ondé, gewässerter schamlott. Duez (1652) 49,
ebenso (1664) 198
a; gewässerter tafet
etc.,
taffeta etc., ondata, ondolata, marezzata. M. Kramer 2, 1269
b; gewässertes zeug,
vestis undata, undulata. Weissmann 157
a;
ähnl. Bayer 291
a. Kirsch 180
a. Steinbach 2, 949; einen talar voll würde, zur festsamarie, bring' ich, schön, von gewässertem taft, mit eigenen händen genähet. J. H. Voss
poetische werke 1,
s. 46 (
Hempel); gewässerte zeuge, nennt man diejenigen zeuge, welchen glänzende streife, die wie wasserwogen aussehen und daher wasser genannt werden, durch gelindes anfeuchten oder pressen und mangeln gegeben worden. es sind die gewässerten zeuge von verschiedenen gattungen: als doppeltaffete, mohr und einige andere. es entsteht aber die wässerung durch die kupfernen oder eisernen walzen, auf denen die gestalten der wasserwogen eingearbeitet sind. den glanz gibt man diesen zeugen nach der wässerung mit der warmen presse. Krünitz 18, 89
f.; gewässerter stapel, zeigt diejenige kräuselungsform der wolle, wo alle wellungen durchweg die form eines halbkreises zeigen, ohne deutlich abgetrennte stäpelchen erkennen zu lassen. Thiel 4, 420; gewässerte oder moirirte zeuge nennt man solche seidene und wollene stoffe, deren oberfläche glänzende, wellenförmige, jedoch nicht eingewebte streifen hat. Schedel
waarenlex. 1
6, 298
b. 3@cc)
von hier aus wird das particip in dieser isolierten bedeutung auch weiter übertragen: hauptfärbung (
der wildgänse) grau mit braunem und grau gewässertem rücken (gänsegrau). Winckell
handbuch f. jäger 3
3, 136.
vgl. auch gewässerlet. 3@dd)
dazu vgl. die verwendung in der fachsprache der bildhauerei: in seiner jugend konnte er sich von klumpigen, gewässerten figuren nicht los machen; später gelang es ihm, diesen typus zu kräftiger, voller fleischigkeit zu veredeln. Immermann
memorabilien: fränkische reise (
werke 20,
s. 82). 44)
die übertragene verwendung setzt hauptsächlich an der in in der verbindung gewässerter wein
entwickelten vorstellung an: La Fontaine gelang es die fabel zu einem anmuthigen poetischen spielwerke zu machen; er bezauberte; er bekam eine menge nachahmer, die den namen eines dichters nicht wohlfeiler erhalten zu können glaubten, als durch solche in lustigen versen ausgedehnte und gewässerte fabeln. Lessing (
von dem vortrag der fabeln) 7
3, 469; und hielt eine lange leichenpredigt, worin sie viel schwatzte von den tugenden der hingeschiedenen ... von einem besseren sein, von liebe, hoffnung und glaube, alles in einem näselnd singenden tone, eine breitgewässerte rede, und so lang und langweilig, dass ich davon erwachte. Heine
Italien, cap. 21.