gewälze,
n. ,
s.wälzen. Campe 2, 359, Heinsius 2, 431
verzeichnen für dieses verbalsubstantiv nicht blosz die bedeutung eines nomen actionis (ein wiederholtes, anhaltendes wälzen),
sondern auch den übergang zur sachbedeutung: etwas, das sich wälzt, herabwälzt,
vgl.schneegewälze.
die erste bedeutung ist auch litterarisch belegt. auszuscheiden von diesem zusammenhang ist der mundartliche gebrauch der gleichen wortform in der thüringischen redensart da hab' ich mein gewälze nicht, der hat sein gewälzchen gehabt. 11)
das nomen actionis in der grundbedeutung: wie? oder wenn romantisch im gehölze ein leiser laut zu deinen ohren drang, und in der wellen silbernem gewälze ein mädchen sammetglieder schwang. Schiller (
an einen moralisten) 1, 249; alles schien voll gröszter lust, hier auszusteigen und in dem grün anmuth gen schweigen der wiesenhügel auf dem grund des festen landes zu vertreten die füsze, unter denen rund die meereswelle mit dem steten gewälze schon seit tagen rollt', und fragend sahn sie noch Isold'. K. Immermann (
Tristan u. Isolde) 13, 218. 22)
das thüringische substantiv gewälze, gewälzchen: gewälze (gewälz),
n. schlenderndes mässiges umhergehen, bequemes faules umherliegen, behaglichkeit, ungeniertheit ... da hab' ich mein gewälze nicht. Regel
Ruhlaer mundart 193; do' hät ä üm sî gewälzchen geht, da hat er einmal seine wahre lust gehabt.
ebenda. Regel
will das wort als verbalsubstantiv zu walzen
deuten und erinnert an eʒ muoʒ nu walzen als eʒ mac (
mhd. wb. 3, 478)
und an den rechtsbegriff der walzenden grundstücke,
vgl.welzende stücke landes, theilbare güter,
quae pro lubitu possessoris possunt dividi et alienari. Frisch 2, 420
c,
vgl. Schmeller 2
2, 911.
in beiden fällen ist jedoch die letzt gewonnene bedeutung das ergebnis einer entwicklung von wälzen,
volutare, die für den thüringischen ausdruck nicht vorausgesetzt werden kann. viel eher könnte die folgende niederdeutsche belegstelle hier angezogen werden: de molen jowelck wicbelde mit truwer hode bestelde, dat becker unde bruwer darinne nicht worden schuwer, de also sulvest to vorheghen ... de bruwer mit orem molte hedden denne dar Oer gewolte.
Braunschweiger schichtspiel 1151,
d. städtechron. 16, 139.
doch ist sie aus dem zusammenhang nicht sicher zu deuten. dagegen kommt Spiess (
beiträge zu einem hennebergischen idiotikon 78)
dem ziele näher, indem er auf wälzetag
verweist: wälzentag ... der nicht mehr kirchlich begangene dritte feiertag der hohen feste, an welchem besonders die jungen leute aus der stadt aufs land gehen, um sich ein 'pläsir' zu machen.
ebenda s. 274; wäälzedôk,
m., dritter (aufgehobener) feiertag, an welchem man noch nicht arbeitet, sondern aus der stadt hinaus aufs land geht um sich noch etwas zu gute zu thun. besonders von gesellen und lehrjungen der schneider und schuster. vom walzen, walzer tanzen oder vom sich herumwälzen, faullenzen. Spiess
volksthümliches aus dem fränkisch-hennebergischen 35.
wie weit der Francfurter wäldchestag
hierher gehört, läszt sich an diesem orte nicht untersuchen, dagegen vgl.: walstag, wenn der bau gehoben ist, und die zimmerleute schmausen.
hess. redensarten bei Estor
der teutschen rechtsgelahrtheit 3, 1422; walztag ist ein feiertag der maurer nach beendigung grösserer arbeit.
Pfister zweites ergänzungsheft zum iditiokon von Hessen s. 44.
fraglich ist nun, ob die sippe auf walzen, wälzen
zurückführt im sinne von schlaff, schlendernd gehen (
vgl. Pfister
ebendort).
viel eher haben wir eine ableitung von der sippe, die in unserem wählen
und im nd. wehl (
vgl. unser wohl)
vertreten ist: dat deit he ut wehl,
das thut er aus muthwillen. Richey
hamburg. idiot. 336; de wehl schall em wol vergahn.
ebenda; he kann den wehl nich hauen,
er kann die guten tage nicht vertragen. ebenda. der gleiche stammvocal wie in walstag
wird auch in dem schwäbischen walen
dargeboten: spielen
und wahlen. Birlinger
schwäbisch-augsburgisches wb. s. 425.
vgl. ahd. giwalazta
als nebenform zu giwalta,
delegavit, commisit. Graff 1, 792.