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geude

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geude f.

Bd. 6, Sp. 4618
geude, f. zur bedeutung und abstammung vgl. das verbum geuden. wie dieses ist auch das substantiv erst in der späteren mittelhochdeutschen dichtung belegt; es tritt sogar noch später auf und hält sich andererseits in der neuhochdeutschen periode noch mehr im hintergrunde als das verbum. es sind dreierlei verwendungen zu beobachten: 11) geude = ruhmredigkeit, prahlerei, üppigkeit: vertritt die alten spür nit lasz für geud und meld mit willen kür. Oswald v. Wolkenstein 43, 40; mit rumes geud. Münchener handschr. 291 Schmeller 12, 873. 22) die vorstellung der üppigkeit kann auch am verbum (s. d.) die bedeutung 'freude, übermüthiger scherz' hervorrufen. auffällig ist jedoch, dasz am substantivum diese bedeutung in ganz überraschender stärke hervortritt. schon dadurch wird die annahme einer berührung des substantivs geude in solcher verwendung mit dem lateinischen gaudium nahe gelegt, vgl die gaudi, gedi Schmeller 1, 872; vgl.das gaudi, freude, ergetzlichkeit Stalder 1, 429; der gaudi, der geck. ebenda. vgl. gaudieren th. 4, 1, sp. 1538. 2@aa) noch dringender wird diese annahme unterstützt durch die verhältnisse in der mitteldeutschen Elisabeth. dort steht für das substantiv, das die unter 3) darzustellende bedeutung 'verschwendung' zum ausdruck bringt, die mitteldeutsche form gûde, die genau dem mittelhochdeutschen giude entspricht, während für 'übermüthiger scherz' der diphthong überrascht, goude, goide: si schuf ir dise goude in geistlicher froude. Elisabeth 6399 Rieger u. a.; daz mit hoher froide mit wunneclicher goide an der frouden richen vart min sele ieso begozzen wart. 5196, ebenso 4377. 2@bb) so darf man wol auch für andere belege von geude = scherz, übermüthige freude ähnliche berührung nicht von der hand weisen; nur musz man im auge behalten, dasz geude schon von sich aus die bedeutungen entwickeln konnte, die es mit dem lateinischen gaudium in berührung brachten: dô mich diu vrouwe sagen hiez âventiur durch vröude. der reden ich harte sêre erschrac, wan mir daz dinc sô nâhe lag. ich wart ir aller göude. Virginal 402, 6; die bâten mich in sagen von âventiure, ich kunde ir niht: ich wart ir aller göude (handschr. geide). sô wê mir niemer mê geschiht, als mir dô wart von leide. 1014, 8; göud ist ein hunt ungenge, er machet mangen affen, swâ er hin jeit in die lenge. Hadamar v. Laber jagd 389; vil grozer freud zierlicher geud. O. v. Wolkenstein 12, 1, 25; so khumbt der todt unnd nimbt uns dann die freydte die wir hoffen haben lannge also zergeht der argen welte geide. Pütterichs ehrenbrief 55 ztschr. d. alterth. 6, 42. 33) geude = überflusz, verschwendung: verkoff des du die gudi hast, ob du das unverkaffet last, so verleit es dir und wird unwert. Münchener handschr. (379) Schmeller 12, 873; sie wolde sich erbarmen me gein den godes armen dan ir bevolhen were; wi in di lobebere gabe uzen handen lengete, obe si des ieman drengete: an dirre almuosen gude si bede ir ander lude di almusen reichen dar. Elisabeth 7957 Rieger; wene alle froude hette der al zu male begette sinne unde ouch gemd wollust und alle gude. 9421. 44) es bleiben noch einige verwendungen übrig, in denen die bedeutung des substantivums unter abstreifung der eben dargelegten besonderheiten der verallgemeinerung zustrebt. eine solche liegt schon vor in: was hilft mein gier zuo grossem gut, und nâch der êren geude, was hilft mich silber oder golt, was hilft der frauen minne, seid wertlich freud pald ist entwicht. O. v. Wolkenstein 118, 5, 8. noch mehr in dem frauennamen Geut, der bei den Nürnberger dichtern des 15. jahrhunderts beliebt scheint: von einer pulschafft die ich het gen einer paurn meit die was stet als ich euch will bescheiden recht ich het mit ir ein grosz geprecht die weil sie iren kelbern streut ich sprach 'got grüsz euch junckfraw Geut'. H. Folz (sprüche) ztschr. d. alterth. 8, 510; lieber, haisz sie mir her gan, die Geuten! sprich, ich hab sie gepeten, daz sie mir helf den reien treten. fastnachtspiele 582, 14 (der alte hannentanz). 55) im 18. jahrhundert taucht das wort wieder an der oberfläche der litterarischen belege auf und zwar in der bedeutung 'überflusz': wenn die reiche natur einem individuo solch eine masse von talenten (wie bei Byron) aufladet, so ists ein wunder und kein wunder, wenn das gefäsz überläuft und die schönsten gaben in die geude flieszen. Zelter an Göthe, briefwechsel 4, 70.
4406 Zeichen · 63 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    geudef.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    geude , f. zur bedeutung und abstammung vgl. das verbum geuden. wie dieses ist auch das substantiv erst in der späteren …

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Wortbildung

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geude‑ als Erstglied (7 von 7)

geudelich

KöblerMhd

geudelich , Adj. Vw.: s. giudenlich

geudeln

DWB

geudeln . verb. , nebenform zu geuden ( s. d. ): und iszst da auff eins andern teller, dasz es dich kost kein scherff noch heller. man spric…

geuden

FWB

1. ›großtun, prahlen, seine eigenen Taten, Erlebnisse, Fähigkeiten, seinen Besitz o. ä. über Gebühr herausstellen‹.; 2. ›verschwenderisch le…

geudenreich

DWB

geuden·reich

geudenreich , adjectiv, vereinzelte zusammensetzung mit geude ( s. o. ) und zwar in dessen bedeutung von freude, übermuth; es erscheint gera…

geuder

FWB

1. s. geuden 1.; 2. ›erwachsene Person (stillschweigend verausgesetzt:) männlichen Geschlechtes, die sich durch übermäßige Großzügigkeit geg…

geuderin

DWB

geuderin , f. femininum zu dem vorigen: Judas hielt die frau so Christum salbte für eine geuderin. Geiler v. Keisersberg postille 179 ; vgl.…

geuderisch

DWB

geuder·isch

geuderisch adj. vereinzelte bildung als nebenform zu dem viel gebrauchten geudisch ( s. d. ). vgl. Stieler 719 .

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APA
Cotta, M. (2026). „geude". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/geude/dwb?formid=G12932
MLA
Cotta, Marcel. „geude". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/geude/dwb?formid=G12932. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „geude". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/geude/dwb?formid=G12932.
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