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getaefel

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

getäfel n.

Bd. 5, Sp. 4351
getäfel, n. , sammelwort zu tafel, (s. theil 11, 13) vgl.getäfelt, getäfer. der älteste beleg reicht noch in die althochd. zeit und entstammt dem codex lat. monac. 14395, der für tabulata an stelle des mantalti, mantaln (föhrenholz) der übrigen texte der Prudentiusglossen, von anderer hand geschrieben, [] gitavili aufweist Steinmeyer-Sievers 2, 436, 58. der umlaut, der sich beim verbum auch daraus erklären läszt, dasz das lat. tabulare neben den bei Graff 5, 392 belegten formen (tavalot, tavalotiu) auch solche nach der analogie der i-klasse der schwachen verben entwickelt (tavallitiu Steinmeyer-Sievers 2, 446, 31), scheint dagegen beim substantiv auf assimilationserscheinungen (umlaut von der dritten silbe her) zu beruhen. nicht unmöglich ist es auch, dasz von hier aus wieder die formen des verbums beeinfluszt wurden. 11) 1@aa) die litteratur der mittelhochdeutschen zeit gab wenig anlasz, das wort zu verwenden: zethim ein holtz genennet. den palas ist ez habende, das holtz man sus erkennet. sin smac der si die leut an creften labende, getevel sle wende holtz gehevre. jüng. Titurel 6106, vgl. Lexer 1, 944; da das präfix vor dem dental in der mündlichen sprachform der verstümmelung ausgesetzt war, begegnet meist nur das einfache täffel, tevel (Lexer 2, 1431), das auch in der neuhochdeutschen periode in der zwangloseren litteratur wiederkehrt; der schreiner hat die wogen (wochen) den poten (boden) zugericht, wiert in morgen hinauffzihen und legen, wiert aber vor deiner herwiderkunftt nitt vil am defel aufmachen. M. B. Paumgarttnerin an ihren ehemann (1587) litter. verein 204, 84. die ersten neueren belege des compositums gehören den vocabularien des 15. jahrh. an: geteyfil schlesisches vocabular aus 1420, gedäffel, laquear, himelz vocabular aus 1448 (Augsburg von J. Keller) Diefenbach-Wülcker 617; getefele laquearia vocabul. von 1420 Diefenbach nov. gloss. 228. 1@bb) während die verwandten bildungen (vor allem die participialform) den umfang der bedeutung festhalten, ja erweitern, schränkt sich diese in unserem substantiv fast ganz auf die dem kunsthandwerk der renaissance angehörende vertäfelung der wohngemächer ein; nur vereinzelt begegnet der ältere und weitere gebrauch: fügt er in gleicher grösze aber andere flösz zusammen, und bedeckt sie alle mit erdreich und schantzhauffen .. versichert sie fornen zu, und zu beyden seiten mit hürden und schirmen, stellet sie auff die vier thürn mit zwifachem getäffel, auff dasz er sie dester leichtlicher vor der schiff anrennen und anzündung beschirmen möcht. Ringmann Cäsar (bell. civil. 1) 95b. vgl. 3, c. 1@cc) doch auch für die engere bedeutung läszt sich unser wort nicht so häufig und nicht an den punkten belegen, wo es zu vermuthen ist. in den süddeutschen städten, in denen das neue kunsthandwerk seine hauptpflege fand, überwiegt die präfixlose form oder es stehen die mundartlichen nebenbildungen voran; so sind es die wörterbücher, die belege bieten, und in der litteratur erst die spätere zeit und entlegene gegenden wie der mitteldeutsche osten: getäffel Henisch 1585 neben getäffer; später führt Schottel (633) das wort unter den gangbaren substantiven auf; getäffel, das, tabulatum Steinbach 790; getäffel, tabulatio, tabulatum Bayer (Mainz 1733) 288. ein mittelbares zeugnisz für längeres und reiches vorleben gibt auch die übertragene verwendung: ist das nicht ein grosses wunder, dass gott die prächtige gewelbe mit unzehligen sternen gezieret hat? muss das nicht ein mächtiger herr seyn, der ein solch getäfel kan zurichten? Butschky Patmos 860. vgl. hierzu getäfelt bei Luther. 22) 2@aa) im 18. jahrh., wo das getäfel an den wänden durch teppiche und tapeten, an der decke durch stuck verdrängt war, führt das wort zunächst nur litterarische existenz. in Hübners natur, kunst, berg, gewerk und handlungslexikon fehlt es in der ausgabe von 1717 gänzlich, in derjenigen von 1731 wird (844) getäfel mit dem vermerk 'siehe tafelwerk' abgethan: tafelwerk, getäfel .. heut zu tage brauchet man lieber gips zur auszierung der decken und tapeten zur bekleidung der wände. ebendort 1992; das getäfel ist nicht mehr im brauch, le boisage n'est plus à la mode. Rondeau-Buxtorf 252; tafel-werk oder getäfel .. heiszt eine mit zierlichem schreiner oder tischer werk bekleidete wand oder decke (s. täfeln). die alten haben viel auf solches tafelwerk gehalten; heut zu tage aber braucht man lieber gips zur auszierung der decken. Chemel (1751) 8, 1853. 2@bb) es ist kaum ein zufall, dasz dem gegenüber gerade die englisch-deutschen wörterbücher gelegenheit nehmen, das wort aufzuführen: getäffel oder taffelwerck am boden und an den wänden eines zimmers, the wainskoting of the cieling and walls of a chamber. Fritsch (1716) 766; ebenso Arnold (1761) 178 und so bis in die neuere zeit vgl. Grieb 7, 371. unter englischem einflusz steht auch in der deutschen litteratur die [] freude am alterthümlichen, von der ein neues fortleben unseres wortes getragen wird: was aber die aufmerksamkeit des wanderers am meisten erregte, waren farbige, auf die wand gemahlte bilder, die unter den fenstern in ziemlicher höhe, wie teppiche, um drey theile der capelle herumreichten und bis auf ein getäfel herabhingen, das die übrige wand bis zur erde bedeckte. Göthe (Meisters wanderjahre 1, 1) 21, 15; der saal des rathhauses, wohin die angekommenen geführt wurden, bildete ein groszes längliches viereck. die wände und die zur grösze des saales unverhältnissmäszig niedere decke waren mit einem getäfel von braunem holz ausgelegt. Hauff Lichtenstein 1, 3. cap.; wenn der alte saal ein kind mit schrecken füllt, lös't vom getäfel es helm, harnisch oder schild. mit der trophäe dann, die zitternd es erstritten, sucht es sein kämmerlein mit bangen hast'gen schritten; legt das gewaffen ab und hüllt beim matten schein der dämm'rung furchtsam sich in seine kissen ein. Freiligrath (1877) 2, 24. 33) mit diesem neuen aufleben sind einbuszen und bereicherungen des bedeutungsgehaltes verbunden: 3@aa) in der engeren bedeutung, mit der das substantiv dem kunsthandwerk angehört, ist es heute im wesentlichen auf die bekleidung der wände eingeschränkt, die schon im 18. jahrhundert als kennzeichnendes merkmal empfunden wurde: getäfel, hölzerne bekleidung der wände, lambris Schwan (1782) 1, 738. ähnlich Adelung 2, 636, der das substantiv als oberdeutsch ausgibt. stark bedrängt ist das wort auch in dieser function durch das französische fremdwort, dessen volksthümlichkeit und verbreitung sich in der entstellung zu lamperie kennzeichnet; eine bildung, gegen die sich schon Campe (ergänzungsband 393) wendet. 3@bb) ganz verdrängt ist das substantiv für die beziehungen auf den fuszboden: getäfelter boden, un parquet Schwan (1782) 1, 738; hier ist das französische wort ganz durchgedrungen, das deutsche substantiv gehört mehr der gehobenen sprache an: wie wir schritten so auf des verdeckes schwindlichtem getäfel, schien mirs, dasz Gloster strauchelt' und im fallen mich, der ihn halten wollte, über bord in das gewühl der meereswogen risz. A. W. v. Schlegel Richard III. 1, 4 (upon the giddy footing of the hatches); noch flosz kein öl auf deine lampe wieder, noch liegt dein pfühl, wie jene nacht er lag. noch aufs getäfel senkt der staub sich nieder, den es bestäuben liess dein todestag. Freiligrath 2, 15 ('erscheinung' nach J. Reboul); auf dem getäfel der terrasse. Gutzkow 11, 126. 3@cc) in den letzt erwähnten beispielen ist schon eine erweiterung des bedeutungsumfanges angebahnt, die sich der älteren, auf der grundbedeutung beruhenden fülle wieder nähert; noch deutlicher tritt dies hervor in: hoch in dem wartenden schiff der versammelten schwebte die rah nun und die jünglinge fegten bis mitternacht das getäfel, stets den Herakles erwartend. Voss Theokrit idyllen 13, 169 (für ἱστία, vela). aber am weitesten geht Ranke: er (Cromwell) nahm platz auf einem erhöhten getäfel, auf dem man, nicht mit unrecht, auch den alten marmornen stuhl der könige von Schottland aufgestellt hatte. englische geschichte 3, 542. vgl. 1, b. 3@dd) anderer art sind übertragungen der in der holztechnik ausgebildeten bedeutung auf verwandte erscheinungen in anderm stoffe; sie bilden zugleich zeugnisse für das fortleben des substantivs in zeiten, wo die litterarischen belege versagen. 3@d@aα) getäfel, das werk im stocke (im bienenstock) Nemnich 3, 192. ebenso verweist auch Thiel landwirthsch. convers. - lexic. 4, 406 unter getäfel, tafelwerk auf das innere des bienenstockes, die waben, wachstafeln oder rosen. 3@d@bβ) wiederkehrend geblümtes getäfel, draper work, ouvrage diapré, gaufré Rumpf technolog. wb. 1, 209, vgl.getäfelte stickerei (getäfelt 3).
8709 Zeichen · 95 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Getäfel

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Das Getäfel , des -s, plur. inus. am häufigsten im Oberdeutschen, die hölzerne Bekleidung der Wände, das Tafelwerk.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Getäfel

    Goethe-Wörterbuch

    Getäfel hölzerne, etwa bis zur halben Höhe reichende Wandverkleidung [ im Schloß Makariens ] Saal .. weit, hoch, ringsum…

  3. Spezial
    Getäfel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ge|tä|fel n. (-s) tafladöra (-res) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit getaefel

6 Bildungen · 0 Erstglied · 6 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von getaefel

ge- + tafel

getaefel leitet sich vom Lemma tafel ab mit Präfix ge-, mit Umlaut-Wechsel.

Zerlegung von getaefel 2 Komponenten

geta+fel

getaefel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

getaefel als Zweitglied (6 von 6)

Fußgetäfel

Campe

fuss·getaefel

○ Das Fußgetäfel , des — s , o. Mz . das Getäfel, Täfelwerk im Fußboden; dann, ein getäfelter Fußboden selbst.

fuszgetäfel

DWB

fuszgetäfel , n. 1 1) getäfel oder tafelwerk eines fuszbodens, parquetage. Haas teutsch u. franz. wb. 1, 1156 . dann auch 2 2) der getäfelte…

Holzgetäfel

PfWB

holz·getaefel

Holz-getäfel n. : 'Wandtäfelung in Wohnzimmern', -gedäfel [ KB-Kriegsf ]; vgl. Getäfel(s) . —

prunkgetäfel

DWB

prunk·getaefel

prunkgetäfel , n. : weder elfenbein durchblinkt noch goldnes prunkgetäfel ( aureum lacunar ) mir die wohnung. Voss Hor. od. 2, 18, 2 ; ach d…

tannengetäfel

DWB

tannen·getaefel

tannengetäfel , n. getäfel von tannenholz: seifenstücke, welche rings auf das gesimse des tannengetäfels gelegt waren zum hartwerden. G. Kel…

wandgetäfel

DWB

wand·getaefel

wandgetäfel , n. : er öffnete eine, jedem unkundigen verborgene, thür im wandgetäfel Veit Weber sagen der vorzeit 4, 57 ; aber leise züngelt…