getäfel,
n. ,
sammelwort zu tafel, (
s. theil 11, 13)
vgl.getäfelt, getäfer.
der älteste beleg reicht noch in die althochd. zeit und entstammt dem codex lat. monac. 14395,
der für tabulata
an stelle des mantalti, mantaln (
föhrenholz)
der übrigen texte der Prudentiusglossen, von anderer hand geschrieben, [] gitavili
aufweist Steinmeyer-Sievers 2, 436, 58.
der umlaut, der sich beim verbum auch daraus erklären läszt, dasz das lat. tabulare
neben den bei Graff 5, 392
belegten formen (tavalot, tavalotiu)
auch solche nach der analogie der i-
klasse der schwachen verben entwickelt (tavallitiu Steinmeyer-Sievers 2, 446, 31),
scheint dagegen beim substantiv auf assimilationserscheinungen (
umlaut von der dritten silbe her)
zu beruhen. nicht unmöglich ist es auch, dasz von hier aus wieder die formen des verbums beeinfluszt wurden. 11) 1@aa)
die litteratur der mittelhochdeutschen zeit gab wenig anlasz, das wort zu verwenden: zethim ein holtz genennet. den palas ist ez habende, das holtz man sus erkennet. sin smac der si die leut an creften labende, getevel sle wende holtz gehevre.
jüng. Titurel 6106,
vgl. Lexer 1, 944;
da das präfix vor dem dental in der mündlichen sprachform der verstümmelung ausgesetzt war, begegnet meist nur das einfache täffel, tevel (Lexer 2, 1431),
das auch in der neuhochdeutschen periode in der zwangloseren litteratur wiederkehrt; der schreiner hat die wogen (
wochen) den poten (
boden) zugericht, wiert in morgen hinauffzihen und legen, wiert aber vor deiner herwiderkunftt nitt vil am defel aufmachen.
M. B. Paumgarttnerin
an ihren ehemann (1587)
litter. verein 204, 84.
die ersten neueren belege des compositums gehören den vocabularien des 15.
jahrh. an: geteyfil
schlesisches vocabular aus 1420, gedäffel,
laquear, himelz
vocabular aus 1448 (
Augsburg von J. Keller) Diefenbach-Wülcker 617; getefele
laquearia vocabul. von 1420 Diefenbach
nov. gloss. 228. 1@bb)
während die verwandten bildungen (
vor allem die participialform)
den umfang der bedeutung festhalten, ja erweitern, schränkt sich diese in unserem substantiv fast ganz auf die dem kunsthandwerk der renaissance angehörende vertäfelung der wohngemächer ein; nur vereinzelt begegnet der ältere und weitere gebrauch: fügt er in gleicher grösze aber andere flösz zusammen, und bedeckt sie alle mit erdreich und schantzhauffen .. versichert sie fornen zu, und zu beyden seiten mit hürden und schirmen, stellet sie auff die vier thürn mit zwifachem getäffel, auff dasz er sie dester leichtlicher vor der schiff anrennen und anzündung beschirmen möcht. Ringmann
Cäsar (
bell. civil. 1) 95
b.
vgl. 3,
c. 1@cc)
doch auch für die engere bedeutung läszt sich unser wort nicht so häufig und nicht an den punkten belegen, wo es zu vermuthen ist. in den süddeutschen städten, in denen das neue kunsthandwerk seine hauptpflege fand, überwiegt die präfixlose form oder es stehen die mundartlichen nebenbildungen voran; so sind es die wörterbücher, die belege bieten, und in der litteratur erst die spätere zeit und entlegene gegenden wie der mitteldeutsche osten: getäffel Henisch 1585
neben getäffer;
später führt Schottel (633)
das wort unter den gangbaren substantiven auf; getäffel, das,
tabulatum Steinbach 790; getäffel,
tabulatio, tabulatum Bayer (
Mainz 1733) 288.
ein mittelbares zeugnisz für längeres und reiches vorleben gibt auch die übertragene verwendung: ist das nicht ein grosses wunder, dass gott die prächtige gewelbe mit unzehligen sternen gezieret hat? muss das nicht ein mächtiger herr seyn, der ein solch getäfel kan zurichten? Butschky
Patmos 860.
vgl. hierzu getäfelt
bei Luther. 22) 2@aa)
im 18.
jahrh., wo das getäfel
an den wänden durch teppiche und tapeten, an der decke durch stuck verdrängt war, führt das wort zunächst nur litterarische existenz. in Hübners
natur, kunst, berg, gewerk und handlungslexikon fehlt es in der ausgabe von 1717
gänzlich, in derjenigen von 1731
wird (844) getäfel
mit dem vermerk '
siehe tafelwerk'
abgethan: tafelwerk, getäfel .. heut zu tage brauchet man lieber gips zur auszierung der decken und tapeten zur bekleidung der wände.
ebendort 1992; das getäfel ist nicht mehr im brauch,
le boisage n'est plus à la mode. Rondeau-Buxtorf 252; tafel-werk oder getäfel .. heiszt eine mit zierlichem schreiner oder tischer werk bekleidete wand oder decke (
s. täfeln). die alten haben viel auf solches tafelwerk gehalten; heut zu tage aber braucht man lieber gips zur auszierung der decken. Chemel (1751) 8, 1853. 2@bb)
es ist kaum ein zufall, dasz dem gegenüber gerade die englisch-deutschen wörterbücher gelegenheit nehmen, das wort aufzuführen: getäffel oder taffelwerck am boden und an den wänden eines zimmers,
the wainskoting of the cieling and walls of a chamber. Fritsch (1716) 766;
ebenso Arnold (1761) 178
und so bis in die neuere zeit vgl. Grieb 7, 371.
unter englischem einflusz steht auch in der deutschen litteratur die [] freude am alterthümlichen, von der ein neues fortleben unseres wortes getragen wird: was aber die aufmerksamkeit des wanderers am meisten erregte, waren farbige, auf die wand gemahlte bilder, die unter den fenstern in ziemlicher höhe, wie teppiche, um drey theile der capelle herumreichten und bis auf ein getäfel herabhingen, das die übrige wand bis zur erde bedeckte. Göthe (
Meisters wanderjahre 1, 1) 21, 15; der saal des rathhauses, wohin die angekommenen geführt wurden, bildete ein groszes längliches viereck. die wände und die zur grösze des saales unverhältnissmäszig niedere decke waren mit einem getäfel von braunem holz ausgelegt. Hauff
Lichtenstein 1, 3.
cap.; wenn der alte saal ein kind mit schrecken füllt, lös't vom getäfel es helm, harnisch oder schild. mit der trophäe dann, die zitternd es erstritten, sucht es sein kämmerlein mit bangen hast'gen schritten; legt das gewaffen ab und hüllt beim matten schein der dämm'rung furchtsam sich in seine kissen ein. Freiligrath (1877) 2, 24. 33)
mit diesem neuen aufleben sind einbuszen und bereicherungen des bedeutungsgehaltes verbunden: 3@aa)
in der engeren bedeutung, mit der das substantiv dem kunsthandwerk angehört, ist es heute im wesentlichen auf die bekleidung der wände eingeschränkt, die schon im 18.
jahrhundert als kennzeichnendes merkmal empfunden wurde: getäfel,
hölzerne bekleidung der wände, lambris Schwan (1782) 1, 738.
ähnlich Adelung 2, 636,
der das substantiv als oberdeutsch ausgibt. stark bedrängt ist das wort auch in dieser function durch das französische fremdwort, dessen volksthümlichkeit und verbreitung sich in der entstellung zu lamperie
kennzeichnet;
eine bildung, gegen die sich schon Campe (
ergänzungsband 393)
wendet. 3@bb)
ganz verdrängt ist das substantiv für die beziehungen auf den fuszboden: getäfelter boden,
un parquet Schwan (1782) 1, 738;
hier ist das französische wort ganz durchgedrungen, das deutsche substantiv gehört mehr der gehobenen sprache an: wie wir schritten so auf des verdeckes schwindlichtem getäfel, schien mirs, dasz Gloster strauchelt' und im fallen mich, der ihn halten wollte, über bord in das gewühl der meereswogen risz. A. W. v. Schlegel
Richard III. 1, 4 (
upon the giddy footing of the hatches); noch flosz kein öl auf deine lampe wieder, noch liegt dein pfühl, wie jene nacht er lag. noch aufs getäfel senkt der staub sich nieder, den es bestäuben liess dein todestag. Freiligrath 2, 15 ('
erscheinung'
nach J. Reboul); auf dem getäfel der terrasse. Gutzkow 11, 126. 3@cc)
in den letzt erwähnten beispielen ist schon eine erweiterung des bedeutungsumfanges angebahnt, die sich der älteren, auf der grundbedeutung beruhenden fülle wieder nähert; noch deutlicher tritt dies hervor in: hoch in dem wartenden schiff der versammelten schwebte die rah nun und die jünglinge fegten bis mitternacht das getäfel, stets den Herakles erwartend. Voss
Theokrit idyllen 13, 169 (
für ἱστία,
vela).
aber am weitesten geht Ranke: er (
Cromwell) nahm platz auf einem erhöhten getäfel, auf dem man, nicht mit unrecht, auch den alten marmornen stuhl der könige von Schottland aufgestellt hatte.
englische geschichte 3, 542.
vgl. 1,
b. 3@dd)
anderer art sind übertragungen der in der holztechnik ausgebildeten bedeutung auf verwandte erscheinungen in anderm stoffe;
sie bilden zugleich zeugnisse für das fortleben des substantivs in zeiten, wo die litterarischen belege versagen. 3@d@aα) getäfel,
das werk im stocke (
im bienenstock) Nemnich 3, 192.
ebenso verweist auch Thiel
landwirthsch. convers. - lexic. 4, 406
unter getäfel, tafelwerk
auf das innere des bienenstockes, die waben, wachstafeln oder rosen. 3@d@bβ) wiederkehrend geblümtes getäfel,
draper work, ouvrage diapré, gaufré Rumpf
technolog. wb. 1, 209,
vgl.getäfelte stickerei (getäfelt 3).