Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
geniete swv.
1. sich befleissigen, sich mit etwas zu thun machen. nu wil ich mich des scharpfen sanges ouch genieten: dâ ich mit vorhten bat, dâ wil ich nu gebieten Walth. 32,7. er muoʒ mir diu lant rûmen, ald ich geniete mich sîn Kürenb. MSF. 8,8, er muss mein werden und mit ihm muss ich die freuden der liebe pflegen.
2. mit etwas zu thun haben.
a. mit etwas erfreulichem, es geniessen, haben, sich desselben erfreuen. er sal dînes lîbes niemer sich genieten Eneit 266,11. sint ich arme nu niht mag helfe mir gebieten noch arzedige genieten, wo aus dem voraufgehenden mir das mich zu genieten zu ergänzen ist, vgl. die anm., Herbort 828; freilich fehlt auch Diemer 121,24 das refl. pronomen: mir ni werdi daʒ schôni wîb, ich virlusi den lîb, daʒ ich geniti mînis lîbis in samint demo scônin wîbi. — dô der herre Heinrich alsô geniete sich êren unde guotes, mitten im besitze seines glückes war, a. Heinr. 76. ich wânde mich genieten grœʒers liebes mit dir Iw. 209 (vgl. die anm. zu 5642). sô kum ze mir, daʒ ich mich dîn geniete Barl. 165,37. du bist sô rehte minneclîch, daʒ ich dînes lîbes mich genieten wil das. 305,3. dâ lâ du mich dir angesigen, daʒ du geruochest bî mir ligen hînaht durch den willen mîn, daʒ ich mich geniete dîn und du dich mînes lîbes, des schœnesten wîbes das. 302,6. du muost gar enblœʒet sîn, wilt du dich genieten mîn leseb. 897,14.
b. mit etwas unerfreulichem zu thun haben, es ertragen müssen, leiden, dulden. daʒ grôʒe leit âne liep, des ich mich muoʒ genieten, und wil im enbieten wie wê mir sîn minne tuot Eneit 285,27. swer bestricket wirt dâmite (mit der minne), der muoʒ sich alles des (der aufgezählten übel) genieten das. 263,9. nu muoʒ ich mich genieten angest unde sorgen, unz daʒ ich erdenken mac, wie ich das. 298,30. — auffallend du solt alsô niht mê genieten, sollst nicht mehr in so ärmlicher lage bleiben, man sol dir zuht und êre bieten Massm. Alexius s. 142,165; die stelle muss verderbt sein.
3. sich ersättigen, genug haben, eines dinges überdrüssig werden, es aufgeben. es ist möglich, dass diese bedeutung der abgeschlossenen handlung, der vergangenheit, hauptsächlich bedingt wird durch den vortritt des ge, vgl. was Gr. 2,843 ausgeführt wird. mindestens ist das einfache nieten bisher in dieser bedeutung nicht nachgewiesen (Parz. 324, 18 vergleicht sich nicht), und die oben unter nieten aufgeführten participia fallen daher wahrscheinlich auch hieher. Stalder giebt sich gnieten an: eines dinges satt werden, nicht aber nieten. drî tage und drî nahte wil ich in lâʒen stân (unbeerdigt) unz ich mich wol geniete mîns vil lieben man, bis sich mein schmerz ersättigt hat, Nib. Z. 159,72. des kumbers wil ich mich genieten MS. 2,92. a. al mîne juncfrowen ich man, leget iwer besten kleider an: ir sult iuch feitieren, vel unde hâr sô zieren, daʒ ir minneclîchen sît getân, ob ein minne gernder man iu dienst nâch minne biete, daʒ er sichs niht gâhs geniete, und daʒ im tuo sîn scheiden wê von iu W. Wh. 247,8. ich furht aber, ir genietet iuch ê der rîterschefte, irn habt niht ganzer krefte Wigal. 2910. pâbest, bischof, arm, rîch, ditz was in alleʒ gelîch, wand si eʒ nider schrieten, und wolden sich genieten der slaht an der gemeine Pass. K. 572,11. der wîn dunct mich beʒʒer denne guot: ich geniete mich sîn nimmer weinschw. im leseb. 576,10.