gedrange,
gedrang,
adv. und adj., gedrängt, mit drang und zwang, eng, klamm u. ähnl.; vgl. drange. 11)
mhd. gedrange
als adv. zu dem adj. gedrenge (
s.gedränge),
wie zu dem adj. enge
als adv. ange,
zu senfte
adj. sanfte
adv.; doch ist im nhd. das bewusztsein dieses verhältnisses verloren gegangen (
s. 3).
aber das adv. reicht bis in die gegenwart: stecke birkene knüttel, ellentief, gedrang in die erden. Hohberg 1, 137
a; sein (
des hochstrebenden) fusz hat nirgends raum, bis er im grabe steht, denn lehret ihn die noth schmal und gedrange liegen. Günther
ged. 1724
s. 489, 1730
s. 445,
nachher in gedrenge
geändert, vermeintlich gebessert, z. b. 1739
s. 671; gedrang in einander gefügt,
coarctatus. Aler 856
b; gedrang in einander sitzen.
das.; mitten in der ebene lag das dorf Preysingen rund und gedrang zusammen. Stilling
jüngl. (1778) 80; sie selber, sagt er, schlang sich um den halb erfrornen so gedrang. Wieland 18, 78; und Fatme so gedrang an Scherasmin sich fügte. 22, 231.
im östlichen md. noch mit voller endung, wie bei Günther
vorhin: es gehet hier gar gedrange (
oder gedränge) her,
la foule est ici bien grande. Rädlein 329
b. 22)
dazu einem gedrange (gedrang) tun,
ihn bedrängen. 2@aa)
dasz dazu das adv. diente, beweist die ursprünglich volle form: er besatte (
belagerte) die umbe gelegenen vesten mit ritterschaft und det in mit tegelichem kriege so getrange, daʒ die burgere nüt herus mohtent kumen noch ieman von uszen hinin. Closener 49, 16; und dotent in so getrange, daʒ sie muostent fliehen. 80, 23; der winter tuot getrange vil manigem herzen guot.
Hätzl. 87
b.
es ist wie einem wol tuon,
eigentlich machen dasz im wol ist,
wie jetzt z. b. einem bange machen (
s. dazu unter gedohn 3). 2@bb)
das muszte sich im sprachgefühl freilich mit dem subst. gedrang
kreuzen, nachdem das -e
verloren gieng, s. dort unter 2
und 3 einem harten gedrang thun, gedrang anthun;
aber das adv. wird noch später deutlich durch zugesetztes so, fast (
sehr)
u. ähnl.: dasz der hirsch disem waldholder, gleich wie
auch dem nachtschatten, fast gedrang thun (
so). Bock
kräut. 785; diser frucht thun die haselhuoner im winter fast gedrang. 786; wie ihm die misgunst so getrang thät.
Simpl. 1685 1, 189 (I, 2, 21); wir schussen sie mit Steffans pfeil .. das tet den Gecken also trang, iren keiner wolt im graben bleiben. Uhland 507,
welches trang
gleich gedrang
sein kann, wie treng
gleich gedränge
ist (
s. sp. 1606
fg.);
vergl. II, 1335,
wo W. Grimm so trang thun
ebenso unter das adv. hätte stellen sollen, wie er zu trang thun
dahin gestellt hat. s. auch Günther
unter dem adj. gedränge. 2@cc)
manche fälle sind schwankend zwischen adv. und subst., für uns wie wol schon für jene schriftsteller, z. b.: diser wurzel thun im winter die meus gedrang. Bock
kräut. 136; hat uns furbracht, wie du im gedrang und eintrag tuest an seinem ampt und rechten.
urk. k. Friedrichs III. an gr. Diether von Ysenburg vom jahre 1448.
aber noch im 17.
jh. in voller form: fürwahr, ihr redet oft, viel, prächtig, frei und lange (thuts euern ohren wol, thuts fremden doch gedrange). Logau 2, 3, 59 (
s. 68);
doch ist da trotz des wol
eine andere kreuzung, mit dem adj. (
s. 3),
wahrscheinlich, vgl. II, 1335
aus Werder
es einem so eng und drange machen. 33)
denn auch als adj. erscheint nachher das ursprüngliche adv., nachdem für das gefühl der unterschied beider verloren war, wie auch in nhd. sanft, hart
u. a. der umlautlose, reine vocal aus dem adv. ins adj. eingedrungen ist: dahergegen mancher ... ihnen alles getrange herzenleid würde angethan haben.
Simpl. 1685 1, 250,
in den unechten zuthaten, man sagte gewiss auch mir ist im herzen gedrange,
daher die wendung, vgl. nachher Günther 183; vergebens wündscht, wer schon in den gedrangen schranken des rauen todes lauft. A. Gryphius 1, 41; mit der vernunft gedrangen zügeln. Lohenstein
Ibrah. Bassa 2, 345; er kämpft mehr als beherzt in den gedrangen schranken. Chr. Gryphius 1, 328; so ächzet die gedrange brust. Günther 183; in dem gedrangen schranken, auf dem der männer fusz den ehren-berg ersteigt. 981; die gedrangen schuhe. Stoppe
Parn. 59; eine gedrange stube. Steinbach 1, 300; du machst es gedrange,
adimples locum. das.; gleich den gedrangen heuschreckenschwärmen. Wekhrlin
graues ungeh. 1784
horn. s. 155,
s. Heynatz
antib. 2, 12,
der auch eine gedrange kirche (
gedrängt volle)
u. a. beibringt; da sperren, auf gedrangem steg, zwei mörder plötzlich seinen weg. Schiller
Ibycus.