gebräuchlich,
adj. zu gebrauch,
gebrauchen,
ursprünglich mit weit ausgedehnterem gebrauch als jetzt; vgl. bräuchlich.
schon mhd. gebriuchelîch
anzunehmen nach dem md. gebrûchlîch
unter 1.
nl. gebruikelijk. 11)
activisch, zu gebrauchen
genieszen, bei Herm. v. Fritzlar,
von einer gewissen stufe in dem aufsteigenden und sich vertiefenden denken der welt, das bestêt alleine uffe gevûllîcher art und uffe gebrûchlîcher wîse.
myst. 1, 225, 24,
auf der nächst höchsten stufe vorgiʒʒet her der gebrûchunge und der gevûlunge,
vgl.gebrauchen 4,
a, α,
auch gebräuchig 1. 22)
passivisch, gewöhnlich gebraucht oder zum gebrauch dienlich, gehörig, nötig, im gebrauch befindlich u. ä.: gebreüchlich, das gebraucht und noch im brauch ist,
usitatus. Maaler 160
a.
in einfachster bildung ahd. prûchi,
in '
prodesse prûchi wesan' Schm. 1, 244,
ags. brŷce, unbrŷce,
goth. brûks, unbrûks. 2@aa)
zum gebrauch dienlich, gehörig: es haben e. churf. g. newlich dem rath zu Wittemberg das Barfüszer kloster daselbs eingethan für die kranken. demnach haben wir .. dasselbige besichtiget und funden, das Greger Bürger das beste und nützlicheste stück, als born, rörkasten, badstuben, brawhaus und andere gebreuchliche gemach und raum, on welche das ander teil des klosters wenig nutz sein kan, von e. churf. g. (
schon vorher) erlanget. Luther 3, 391
a;
es kann aber auch zum gebrauch nötig mitgemeint sein, also schon der begriff von gebrauchen 7,
bedürfen. ähnlich wol die gebräuchliche unkosten Schuppius 739,
die bei der steuererhebung unvermeidlichen kosten sind gemeint, oder zu 3,
a? 2@bb)
brauchbar, zum gebrauch geeignet: frugi, gebruchlich. Dief. 249
a,
nützlich, tüchtig; allein dasz sie durch die pflanzung milter und zarter und zu der speis gebreuchlicher wirt. Tabernaemontanus
kräut. 589; ihn für einen .. ungesalzenen und ungeschmalzenen stockfisch halten, welcher zu nichts tauglich oder gebräuchlich, auch nicht roh zu essen wäre.
Simpl. 1685 1, 96.
s. auch bräuchlich 1. 2@cc)
im gebrauch befindlich, gewöhnlich gebraucht, vielgebraucht u. ähnl.: da werden wir dann mit dem reichthum und adel unserer heldensprach prangen, wann wir den ausländern weisen, dasz wir aus dem einzigen e, dem allergebräuchlichsten aus den fünf stimmbuchstaben so viel 100 hinweg zu werfen haben.
Simpl. 4, 407 (
zur sache vgl. sp. 1601); wie schwer es aber den gelarten .. gewesen, vor die bishero geübte und gebreuchliche latinische ein verstendige teutsche sprach zu gebrauchen. Faust in der
vorr. zur Limb. chron. s. 3
R., was zwar noch jetzt sagbar ist, doch mehr oder blosz nach 3
verstanden. 33)
zu gebrauch
als gewohnheit, herkommen (
s.gebrauch 3),
doch vom vorigen nicht immer scharf zu scheiden. im 15.
jh.: usualis, bruchlich
vel gebruchlich. Melber
varil. 8
a. 3@aa)
z. b. von rechtsgebrauch, rechtsgewohnheit u. ähnl.: des gebreuchlichen gesatzes halber.
Amadis 108; halten das geding wie von alters herkomblich und gebreuchlich ist.
weisth. 2, 209,
mit genauer einhaltung der überlieferten gebräuche, an denen ja die gültigkeit des rechtsverfahrens hieng; des sall das kloster unserm herrn einen scheffen halten, also das die scheffen zwen mann sollen aussetzen und presenteren den herrn, davon sie einen haben auszunehmen und einzusetzen, wie gebräuchlich. 6, 672,
die beschriebene wahl von beiden seiten ist eben das rechtsherkommen; der däter (
der im duell den gegner getödtet) kame alsbalden und zeigte mir mitleidenlich den casum an .. ich dem fürsten, welcher ihm sein gwer abzuelegen und sich hinder dem regiment, wie es gebreüchlich, in arresto zue bleiben anbevolchen. Möhner
reise 81,
nach kriegsgebrauch, kriegsrecht. 3@bb)
von gewohnheit sonst, auch mode u. a.: stets spielen mit gefahr, mit strengem ernste scherzen ist ihr (
der krieger) gebräuchlichs thun. Fleming 219 (
L. 197),
was jetzt nicht mehr sagbar wäre, obwol sich das wort sonst auf die bed. gewöhnlich
eingeschränkt hat, das da noch brauchbar wäre; wir gleichen sehr oft den alten leuten, die aus bloszem eigensinn und der neuen welt zum trotz in derselben tracht einherziehen, die in ihrer jugend gebräuchlich war. Hagedorn (1800) 5, 13,
mode, war, vgl. gebrauch 3,
b a. e. 3@cc)
gegenwärtig ist es eingeschränkt auf die bed. von gebrauch 3,
a ff. als allgemeine gewohnheit, landesgebrauch, ortsgebrauch u. ähnl., von der gewohnheit eines einzelnen nicht mehr sagbar (
s.gebrauch 2,
c);
schon Adelung
gibt nur noch solche beispiele, eine überall gebräuchliche redensart, es ist hier gebräuchlich
u. dgl.; in vielen fällen sagt man lieber üblich,
jenes aber fast noch häufiger verneinend ungebräuchlich. 44)
als adv., dem gebrauch nach, gewöhnlich, z. b.: welches sie gebräuchlicher im winter dann im sommer zu thun pflegen und halten. Fronsperger
kriegsb. 3, 143
b. 55)
das adv. aber auch noch anders, in rechtssprache, gebräuchlich besitzen,
mit wirklicher freier nutznieszung, die selbst zugleich als rechtsgrund gilt: die guot êweclich, gerûweclich und gebrûchlich zu besitzene alsô ein recht eigen. Haltaus 598
aus einer thür. urk. des 14.
jh.; s. dazu unter gebrauch 1,
g, ususfructus, gebrauchung 2.