geborne,
f. gleich geborenheit (
s. d.),
enthalten in euer wolgeboren
u. ä., jetzt verdunkelt, auch in den wbb. und sonst der beobachtung noch entgangen. 11)
die ursprüngliche form war wolgeborne,
genauer wolgeborene,
das sich im 17.
jahrh. entwickelt haben musz, vielleicht schon im 16.
beginnend, der bildung nach entsprechend dem ahd. widarboranî
f., regeneratio, êristboranî
erstgeborenheit Graff 3, 142,
sachlich aber veranlaszt durch das bedürfnis des wachsenden titelwesens auch über hofkreise hinaus, aus denen man dazu die maszgebende form entnahm; in diesem falle diente als solche seine majestät, eure majestät, seine hoheit
u. ä., denen schon seine durchlaucht
u. ä. nachgebildet war; diese bewuszte nachbildung ist auch an der im schreiben wunderlich fortgeführten canzleiform ew. (ewer), ihro
u. ähnl. zu erkennen. noch im 18.
jahrh. richtig z. b.: schreiben an des herrn von Burgsdorf hochwohlgeborne (
auch mit groszem anfangsbuchstaben als subst. bezeichnet). Gottsched
ged. 1736
s. 567. 22)
die form unterlag aber dann misverständnissen, z. b.: seiner hochwohlgebohrnen, dem herrn vorsteher .. der deütschen gesellschaft in Bern. Drollinger
ged., widmung, wo es schon wie adjectivisch angesehen erscheint; von euer wohledelgebohrnen mit einem schreiben beehret zu werden. v. Widmann
an Gellert, in dessen schr. (1839) 9, 17.
Die form mit -en
wird dann auch als nom. gebraucht: eüere hochedelgebohrnen vergeben mir doch meine viele freiheit. Drollinger 329; die verantwortung des letztern mögen euer wohledelgebohrnen über sich nehmen. Widmann
a. a. o., es mag da nach dem
pl. des
verb. zugleich als titelmäsziger plural gefühlt sein (
entsprechend dem wir
gleich ich,
dem sie, ihr
in der anrede an einen),
doch hört man auch z. b. seiner majestät
noch jetzt als nom. gebraucht, begreiflich aus dem vorwiegenden gebrauche dieser form. vgl. auch ihre gnaden, liebden, hochwürden
als nom., die auf jene form von einflusz gewesen sein werden, erscheint doch auch ihro durchlauchten
als nom. sg. (II, 1639). 33)
das unbequeme -nen
ward aber, zunächst natürlich im sprechen, dann auch im schreiben, gekürzt: euer wohledelgebohrn dienstschuldigst ergebenster diener v. Widmann.
Gellert 9, 21,
und Gellert
selbst, der von dem hochgestellten briefschreiber gebeten war, die hin und wider mit eingeschlichenen austriacismos
zu berichtigen, ändert jene längere richtigere form in diese kürzere, verstand sie also nicht mehr, vgl. in seiner antwort s. 23: ew. hochgebohrn excellenz unterth. diener,
es mischte sich zugleich mit dem adjectivum oder participium, von dem es ausgegangen. auch im pl.: denn die hochgebohr'n sind nicht alle hochgebohren. Claudius 6, 86,
er meinte wohl eigentlich hochgeborn'n,
hochgeborenheiten. 44)
natürlich wurde das geborn
dann auch vermeintlich berichtigt zu geboren,
weil mans nur noch als part. zu verstehen wuszte, während doch geborn
dem richtigen noch näher stand. so schreibt man nun seiner, euer wohlgeboren,
ist aber damit in verlegenheit sobald man des nominativs bedarf oder vollends über den grammatischen wert der form überhaupt sich fragt. das richtige lebte trotzdem darin lange nach, durch canzleimäszige übung unverstanden fortgeführt, z. b.: ich höre dasz des herrn hofraths wohlgeboren noch vor ihrer abreise mir etwas zu sagen haben. Göthe 15, 70 (
die aufgeregten 4, 8).
daraus ist dann weiter entstanden das jetzt geläufige: hrn. hofrath wohlgeboren, der herr hofrath wohlgeboren
u. ähnl., sodasz das ursprüngliche subst. grammatisch gleichsam vollends abgesetzt oder in die luft gesetzt ist; es ist wie mit excellenz
u. ähnl., z. b. dem hrn. minister excellenz
statt des hrn. ministers excellenz,
gewöhnlich überdiesz zu abgekürztem exc., wohlg.
zusammengeschwunden, sie sind eben auf dem wege des verschwindens. 55)
ähnliches im titelwesen erklärt sich auf gleiche weise, z. b.: zu dienen, ihre hochedlen. Rabener (1755) 2, 26,
gleich hochedler patron
vorher; ihr gestreng
gleich gestrenger junker (
statt gestrengigkeit) Rädlein 377
b.
auch seine durchlaucht, ihre erlaucht
müssen danach gebildet sein (
wonach J. Grimm
unter beamte
zu berichtigen),
ursprünglich durchleucht,
statt durchlauchtigkeit,
das auch noch im 18.
jh. in geltung war.