Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
gebiute
A. ohne adverbialpräpos. entbiete überhaupt; biete an:
a. mit accusat. daʒ er deheine miete möhte gebieten noch gegeben Trist. 7223.
b. mit acc. u. dat. er gebôt mir êre Iw. 23. ich enkan iu gebieten mêre wandels noch êre Iw. 91. daʒ biut ich den triwen dîn: des lôn ich dir als ieh getar (die zweite zeile erklärt das erste daʒ) Wolfr. L. s. 4,25. daʒ si im ir minne nie gebôt, des lager nâch ir minne tôt Parz. 16,9. wünsche ich ir senens nu, daʒ wære baʒ verborn. lîhte istʒ ir zorn, sît ir wort mir deheinen kumber gebôt MS. 1,53. b.
2. ich entbiete einen befehl.
a. ohne objectivcasus. Artus sol nâch wirtes siten hie gebieten, und niht biten H. Trist. 2500. gebietent ir, diu lât ir zorn: gebietent ir, er ist verlorn Iw. 292. swie ir gebietet Iw. 92. — mit boten harte snellen er bat unde auch gebôt zuo sîner hôchgezîte Nib. 1362,3.
b. mit genitiv der sache?schwerlich. stellen in denen der genitiv bloß von attraction herrührt, können nichts beweisen. aller miner êren der muoʒ ich abe stân, triwen unde zühte, der got an mir gebôt die mir Gott verliehen hat Nib. 2090, 3. die muosen undertænic wesen alles des man in gebôt Trist. 6285.
c. mit infin. ohne ze. ir gruoʒ mich vie, diu mir gebôt vil langen niuwen kumber tragen MS. 1,76. a. daʒ si mir geboten hât singen unde vrô belîben, unde ouch dienen reinen wîben dur si MS. 1,201. a. er gebôt al die menige swîgen, unnutzen kradem vermîden Maria 91. der gebiutet mich sîn helfære sîn Ulr. 565. er gebiutet demüete, zuht, milte, unde güete behalten unverkêret Barl. 273, 27. si gebuten sâ zehant arme und rîche gâhen, ir lieben herren vâhen, und suochen den gewæren man Barl. 366,14. daʒ mir mîn herze ie gebôt von der lieben vrowen mîn in alsô rîchen vreuden sîn g. Gerh. 4430. vgl. Gr. 4,99. daß auch ein infin. mit ze folgen kann, läßt sich aus früherm und späterm sprachgebrauch vermuten.
d. mit dat. oder accus. und der conj. daʒ. gebiet ir unser herre got, daʒ si mich bedenke in zît Iw. 204. unde daʒ gebôt si mir, daʒ ich iuch gruoʒte von ir Iw. 120. sô sol daʒ got gebieten, daʒ iwer tugende immer lebe Nib. 2136,4. — si gebôt ir an daʒ leben, daʒ sin allenthalben niht bestriche dâ mite Iw. 131. den gebôt si allen an den lîp daʒ se immer ritters wurden lût Parz. 117,22. dô hieʒ er deme gesinde mit drô gebieten an den lîp, daʒ deweder man noch wîp giengen in den palas Barl. 23,23. sus seit man uns daz er gebüte befohlen habe, daʒ man diu kint dâ lieʒe leben Silv. 1167.
e. mit dat. und accus. oder einem von beiden. ir zuht gebôt in daʒ Iw. 231. swaʒ im gebüte sîn herre daʒ sold er doch niht lân Nib. 671,2. als eʒ den armen was geboten Barl. 20,38. gebuten daʒ die wissagen? Barl. 134,9. als eʒ gebiutet gotes gebot Barl. 237,37.
f. ein allgemein gebräuchliches wort war dieses gebieten in der sprache feiner höflichkeit gleich unserm jetzigen 'befehlen'. — da die geltung solcher formeln nur durch den gebrauch erkannt werden kann, so muß dieser durch eine reiche zahl von beispielen dargelegt werden.
α. im allgemeinen. gebietet über mich: swaʒ ir gebietet daʒ tuon ich Iw. 138. Etzel sagt swaʒ si mir gebietent des bin ich alles in bereit Nib. 1800,4. swaʒ ir gebietent deist getân Iw. 18. Artus: swaz ir gebietet hie ze hûs des sît ir alles gewert, ist daʒ ir betelîches gert Iw. 172. waʒ ist daʒ ir gebietet? Iw. 289. gebiet als wir dâ heime sîn W. Wh. 262,9. 'du solt mich einer bete gewern'. 'swaʒ ir gebietet, herre mîn'. 'du solt mîn jager meister sîn'. 'herre, gebietet über mich: swaʒ ir gebietet daʒ bin ich'. Trist. 3367 — 71.
β. ob ir gebiet des vrâget ir beliebt es euch, so erkundigt euch darnach Parz. 685,12. âventiure hœrt, obe ir gebietet W. Tit. 141,3. ine sageʒ iu niht nach wâne: gebiet ir, sô ist eʒ wâr befehlt ihr beweise, so stehen sie euch zu dienste Parz. 59, 27. ir müeʒet mîn zwâre under wegen, ob ir gebietet, selbe pflegen Trist. 14003. nu tuot als ir gebietet Wigal. 2439.
γ. sich zu beurlauben. ob ir gebietet, frouwe, mit urloube ich schouwe wieʒ umbe mîne muoter stê Parz. 223,17. frouwe, gebietet mir: ich sol und muoʒ ze lande varn habt ihr mir etwas zu befehlen? Trist. 1420. gebietet mir: zuo den wil ich Trist. 2779. genâde. gebietet mir: hie ist bite ni mê ich danke unterthänig. habt ihr etwas zu befehlen? ich darf nicht länger säumen Trist. 3855. gebietet mir: nu wil ich gân Trist. 14495. ich wil varn: gebietet mir 14563. nu, herre, nu gebietet mir: ich wil gên Trist. 14865. gebietet mir, und küsset mich Tristan zu Isoten. Trist. 18289.
g. ich gebiute mit folgender präposition. an einem. ich muoʒ abe stân aller êren etc. der got an mir gebôt Nib. 2090,3. — an daʒ leben, an den lîp unter androhung des todes Iw. 131. Parz. 117,22. 148,2. Barl. 23,23. Trist. 3516. Reinh. f. 1655. sîn manheit im gebôt genendeclîche an manegen strît Parz. 296,15. er gebôt bî der wide Parz. 200,26. vgl. RA. 684. dem jungen Sigebande man gên hove gebôt Gudr. 3,1. mit boten er bat unde ouch gebôt Nib. 1362,3. vgl. ich bite. über. gebietet über mich: swaʒ ir gebietet daʒ tuon ich Iw. 138. daʒ leist ich Parz. 554,17. Trist. 3371. vür. ein smerze, dâ man niht vür gebieten kan MS. 1,153. b. — sîn elter sun für sich gebôt den fürsten Parz. 6,2. ich gebôt im füre dich Rh. fuchs 1615. zuo. gebiut in vride her ze mir Iw. 28. er gebôt zuo sîner hôchgezîte Nib. 1362,3. si gebuten im ze Rôme kchr. 39. b.
B. mit adverbialpräpos. ich gebôt si iuch an Iw. 250. wir helfen dir den hirʒ legen und umbe wenden swie sô du vor gebiutest und mit dem vinger diutest Trist. 2839.