gause,
geuse,
f. gleich gaufe,
die hohle hand, s. sp. 1544 (
d). 11) gause
im 16.
jahrh.: er gab iedem eim gausen vol (
gedr. gaussen,
d. i. gauszen), so vil er ongefehrlich in einer hand halten mocht, gelts. Frank
weltb. 110
a,
zur sache s. u. gaufe II, 4,
auch 5.
im 15.
jh. schwäbisch (
das gausz
aus dem voc. 1482
bei Lexer 1, 1058
ist unrichtig, es steht dort nur gauff e 7
a. k 3
a. ll 3
b): er faszt der speis ein gauszen vol.
ring 35
d, 18.
ahd. vermutlich gousana,
mrh. um 1100 gôsne,
s. sp. 1544
m., obwol auch das dort bezweifelte guosena (
s. auch bei Schm. 2, 74)
richtig sein kann, da ou
und uo
tauschen (
vgl. unter gaumen I, 5
sp. 1578)
und das els. gusel
vola aus Golius
bei Dief. 628
a das uo
stützt. es heiszt noch jetzt in Franken und der Oberpfalz gausen Schm. 2, 74,
in der endung aber am alterthümlichsten, mit erhöhung des alten -n
zu -m,
siebenb. gûsem,
nordfries. gâsem,
s. sp. 1544
m. 22)
mit umlaut geuse, mhd. 14.
jahrh.: (
nimm) mirren eine geuse vol.
fundgr. 1, 374
a aus einer md. hs.; dazu geusel (
s. das folgende).
dasselbe ist wol, mit alem. Oe
für mhd. öu,
elsäss. gOesen 16.
jahrh.: sol des hofes meiger in dem hofe sitzen und warten (
zugleich '
abwarten',
darauf sehen), so ieglich huober sin fuotir bringet (
den zinshaber), und sol der meiger in ieglichen sester grifen und ein gOesen fol korns nemen und sinen hnern werfen. und sol ieglich huober ieglichen sester mit dem fuoter so hohe messen, das nôch (
nach) der gOesen vol noch denne ein völlig sester habern sy.
weisth. 4, 232,
obwol auch govsen, gousen
gemeint sein kann, da die abschrift auch ö
für ov
setzt (
z. b. s. 234
m.). 33)
auch späteres gaise wird eigentlich geuse
sein: gayse,
vola. Dief. 628
a; gayse, gauff, das hole in der hand. Henisch 1333, 47.
noch z. b. im Zipser oberlande geis, e geis voll
zwei hände voll (
in Leutschau e geistvoll),
s. Schröer
nachtr. 28
a.
auch sonst kommt in nebenformen diesz ei
vor, s. u. gäuschel, gäusel, gäuspe, gäuste,
dann sp. 1544 geifelsche, 15.
jahrh. geifersche,
ein sicher echtes weisz ich nicht aufzufinden, obwol es denkbar ist z. b. nach gispe
sp. 1544. 44)
das 'gôssen',
das Lexer 1, 1058
angibt aus Osw. v. Wolkenstein
nach dem ersten herausg., ist ganz unsicher, denn von der hohlen hand, der einzigen bed. des wortes, ist in den beiden stellen keine spur, zudem ist in der ersten dem reime nach gossen
mit kurzem vocale gemeint. sonst wäre es wie kärnt. gôfe
für goufe, gaufe
sp. 1543;
s. auch das mrh. gôsne
unter 1,
wozu nrh. gösel
f. stimmt. vgl. übrigens unter 5,
c. 55)
wegen der entstehung ist auf 5@aa) gaufe
a. e. zu verweisen; wenn dort nach sache und form der geöffnete mund sich als vermutliche urbedeutung herausstellte, so kann gause
ebenso seinen anhalt finden in gäuen, gauen
hiare, ahd. vermutlich gawian, gowian, gowôn (
s. dort II, 2,
b),
mit bildendem -s,
vermutlich demselben das auch bei den andern zweigbildungen in gauchse, göpse
u. ä. erscheint, s. unter gaufe I, 3,
b, mit umstellung der bildungslaute (
vergl.garz adj. a. e.)
in gäuspe (gespe)
und gausche. 5@bb)
sie alle müszten aber danach zuerst mundvoll bedeutet haben, und in dieser bedeutung besteht schweiz. wirklich noch 'gaw
m. maulvoll' Stalder 1, 433,
der es selbst mit gauf
m. zusammenstellt; es kann unmittelbar auf das ahd. gawian
zurückgehn, da in alem. mundarten auslautendes -w
auch nach abfall der endung noch bis jetzt gesprochen vorkommt (
z. b. Auw
für Au im Bregenzerwalde),
vgl. älteres gäw, gew, göw
sp. 1518
fg. und Weinhold
al. gr. s. 129.
wer begreifen will, wie die begriffe handvoll und mundvoll sich nahe liegen zum tauschen, stelle sich nur kinder vor die im walde beeren sammeln und essen. 5@cc)
an gausche
aber schlieszt sich nun auch trefflich an das bis jetzt allein stehende gosche
f., eigentlich offner mund (
nd. goske);
und ebenso an gause Wolkensteins gosse
unter 4,
die liebenden wollen dort 53, 3, 19
kosen mit beslossen gossen,
mit aneinander geschlossenen mündern. hinter gosche, gausche
steht mhd. geschen
oscitare, ahd. geskizan,
wie hinter gauspe, gespe gaspen
oscitare, s. sp. 1546
m.