garthagen ,
u. ä., ein kräutername. 11)
die stabwurz, ebenreis, artemisia abrotanum, heiszt bei Nemnich 1, 466
auch gartenhahn, garthan, garthegen, garthau, gartheil, gertel, gertwurz (gartenwurz)
u. ähnl., formen, die groszentheils weit zurückgehn. 1@aa) garthagen
z. b.: etliche salsen (
saucen) stoszt man ab mit meilant, garthagen, ampfer.
küchenmeisterei d 1,
noch jetzt auch in der küche verwendet, z. b. als füllsel für die gans, daher auch gänsekraut Nemnich 1, 467 (
sp. 1273
nachzutragen). garthagen
in vocc. des 15.
jahrh. Dief. 4
c,
schon mhd. garthagen
abrotanus sum. 21, 25, Graff 4, 798,
ahd. garthago
tricolanum Haupt 3, 380
b (
tricolagum sum. 18, 66),
sodasz die pflanze in alter zeit irgendwie mit dem hag verknüpft scheint und gart-
wirklich garten meinen wird (
vgl.gartenhag unter b),
während anderseits gart
gerte nahe liegt (
sp. 1381)
nach den langen schlanken zweigen der pflanze, die auch durch stabwurz, gertwurz,
gertenkraut, ebenreis
bezeichnet sind; doch gart
gerte und gart
garten mischen sich ohnehin in form und sinn (
s. z. b. gart 1,
d),
und gartenwurz, gartenkraut
können sogar selbst zu garte
gerte gehören (
sp. 1386).
auf diesz gart-
geht wol auch der ältere franz. name garderobe (Junius
nom. 88
a)
zurück, aber mit umdeutung, weil man das wolriechende kraut zwischen die kleider im schranke legt (Nemnich 1, 467),
wie es zu sträuszen beliebt ist, besonders für die bauern zum kirchgange (Vilmar 117). 1@bb)
auch deutlich gartenhag, 16.
jh., z. b.: nim peterlinsomen,
gartenhag .. Gersdorf
wundarzn. 29,
vgl. gartenhain, gartenhân
unter c. 1@cc)
aus garthagen
erklärt sich garthain, freilich für millefolium (
schafgarbe), schabgarb
vel garthain
voc. inc. teut. bb 5
a;
aber noch hess. gartenhain
m. artemisia abrotanum Vilmar 117;
ebenso garthan: nimm rauten, salvien, wermut, garthan (der weiber monat zu fürdern) Wirsung
arzn. 122,
bei Nemnich garthahn, gartenhahn,
letzteres noch z. b. hessisch, wie hain
und hân
aus hagen,
für sich wie in ortsnamen und zusammensetzungen wie haindorn, hândorn Dief. 483
c. 8
c. 1@dd)
daneben aber garthaim Dief. 4
c, Schm. 2, 69,
diesz aber im voc. inc. teut. so: garthaim,
satureia, aliqui dicunt millefolium idem. h iij
a.
wieder auch gartham
im 15.
jh. Dief. 4
c und noch bairisch, wo auch gartaun,
mit verlust des h,
wie schon ahd. in gardago
tricolanum (
s. unter a) Graff 4, 257.
solcher wechsel von heim
und hain
kommt umgekehrt in ortsnamen vor, z. b. Holzhûsinhein,
jetzt Holzheim Förstem. 2, 796, Hegeheim
und Hegeheyn Weigand
oberhess. ortsn. 291. 1@ee) garthaglen,
abrotonum mas, stabwurz, gertwurz Junius 88
a,
wie verkleinert (
scheint zugleich plur.),
und dazu stimmend (
wie garthain
zu garthagen) gartheil Nemnich, gartenheil Popowitsch 555.
auch Nemnichs garthegen
hat neben sich einfaches hägen, hegen
gleich hagen, hag (IV
2, 149. 775). 1@ff)
aber auch weiter entfernt und wirklich entstellt garthade
abrotanum Dief.
nov. gl. 3
b (
vgl. gartheide),
und auch das garthafen
vorhin bei H. Sachs
wird nichts anderes sein; Adelung
hat auch garthafer
gleicher bedeutung. 22)
aber auch von andern kräutern. 2@aa)
am begreiflichsten mhd. paliurus, garthagen
sum. 40, 10, Graff 4, 798,
wol eins mit paliurus hagendorn (
auch blosz hagen) Dief. 406
c,
dem zu den hagen besonders beliebten strauche, in garthagen
als den garten hegend bezeichnet; der name ist da so natürlich, dasz man diesz als die ursprüngliche bedeutung denken kann, während die stabwurz bei uns nicht von haus aus heimisch scheint (
doch besenkraut,
die wilde stabwurz, zu besen gesammelt Popowitsch 555).
vgl. übrigens paliurus karte, kartdistel, distel Dief. 406
c und dazu karde. 2@bb)
eigen im voc. 1482 k ij
b garthag,
satureya, oder ysopp oder reyenwurz, gartenkol, gartenkumel,
s. auch aa 6
b (
wo gartkol, gartkumel);
auch in einem rhein. voc. garthan
saturegia Dief. 514
b,
im voc. inc. teut. garthaim (
s. 1,
d);
vergl.gartenkresse,
gartenisop,
s. auch unter 3. 2@cc)
millefolium, schafgarbe, s. 1,
d, vgl. 3. 2@dd)
in den bair. alpen weiszer gartaun (
s. 1,
d)
dryas octopetala, silberkraut, gelber gartaun
geum reptans, eine bergnelke, s. Schm. 2, 69,
das erste auch garthau Schm.
2 1, 941 (
vgl. gartheu). 33) garthaim
für schafgarbe (1,
d)
berührt sich mit garte gleicher bedeutung und aus gleicher quelle, und stützt dieses weiter (
s. sp. 1385),
wie das seltsame barbune ebenda anklingt an barthün
artemisia abrotanum Nemnich 1, 466.
auch für satureja (2,
b)
erscheint einfach garten, gerten (
pl.?) Dief. 514
c,
letzteres aber auch für die stabwurz: gertten,
abrotanum. Schm.
2 1, 941,
gleichfalls aus dem 15.
jh., für die letztere sehr begreiflich nach ihren gertenartigen zweigen, vgl. gertenkraut
unter 1,
a.