Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
galander stswM.
1.1 allg.
1.2 in Vergleichen
1.3 nachgebildet als Zierat
1.4 übertr.
2 Vermischt mit dem karadrîus
1 ein Singvogel, ‘Kalanderlerche, Lerche’ (vgl. Suolahti, Vogelnamen 101); häufig zusammen mit anderen Singvögeln, besonders der Nachtigall, erwähnt 1.1 allg.: calandris haizt ain galander. daz ist ain klainer vogel und ist nâhent der lerchen geleich BdN 176,4; als ein lerche ist er gevar / und niht vil grœzer Renner 19641. – nu hete daz sprinzelîn erflogn / des âbents drî galander Parz 550,29; zwêne gebrâten gâlander ebd. 622,8. – galander unde nahtegal / die begunden organieren Tr 17354; Wig 243; WolfdD(J) 7:106,3; UvEtzAlex 4581. Anh. 571; MinneR439 22; diu zîse und der galander / die dienden wider ein ander / inwette unde inwiderstrît Tr 16891; sittich und galander HvNstAp 12939. 13150; FünfzZeich 151; golander, lerchen und nachtegall / ob in gar schonne sungen GTroj 7170; Flore 182; ErnstD 3522; lerche, troschel, nahtegal, / amsel und galander / hiure mit einander wol sungen, / die nu [im Winter] swîgent überal KvWLd 17,10; SHort 187. 5855; KarlGalie 5498; KgvOdenw 3,7. – sî sâhen manegen brunnen kalt / ûz herten velsen dringen, / bluomen lachen durch daz gras / [...], / dar zuo die vogel singen, / galander und die nahtegal Virg 20,7; TürlArabel *R 63,4; Marner 5,17. – got hât geben dem galander / ein natûre, die kein ander / vogel ûf erden nie gewan: / daz er niht getrûren kan: / swie gar sîn lîp gevangen ist, / doch ist er frœlich ze aller frist Renner 19623; Minneb 3378; min hoher muͦt [...] bat die hohen galander und die suͦzzen lerchan der himelschen heide, daz sú mir húlfin ruͤmen, loben und prisen den herren Seuse 374,12. 446,17 1.2 in Vergleichen: der nahtegal vnd der kra sanc, / die gebent vnglichen chlanc. / sam tuot der galander, / der hat tvgent ander / dann der withopf Krone 6304; [Fuchs zum Raben:] nie lerche noch galander baz / gesanc dan ir KLD:Kzl 16: 13,6; galanders art waz mir denwiht; / ich kund gesingen nit so spech Minneb 5122. – hæt aber ein galander / gesungen sîne wîse, / die hete man ûf dem rîse / niht gehœret noch vernomen, / dô [...] si die schefte brâchen KvWEngelh 4808; KvWPart 5588; GTroj 5482; vgl. JTit 3093,2 (s. unter 5). – pfenninc kan singen als ein galander Renner 19002; dô hal dâ bî diu ander [Schelle am Zaumzeug] / gelîche eim galander PleierTand 428; JvKonstanz 625. – si [Minne] mac licht wol ein vogel sin, sprinzel, turteltube, / galander, nachtigal, merlin, kungel, sitich, ane veder strube JTit 736,2; dû [Maria] sûzer nahtegalen sanc, / dû lerche, dû galander / dû sûzer dan ein ander Erlös 2561 1.3 nachgebildet als Zierat: dar in [auf einem paniͤr ] stund gebuͤcket / von perlin ein galander Minneb 1757; galander, sidchust, nahtegal / sint dar [auf Eckes bônît ] gewurket ane zal EckenlE2 94,4; siteche und galander, / sparwære und turteltûben, / die genâten ûf der hûben Helmbr 1886. – auf den esten und auf den zwein [eines aus Silber verfertigten Baumes] / aller hannd vogelein / warn geseczt uber all. / gallander und die nachtigal Seifrit 4860 1.4 übertr.: swelch geistlich mensche ist gotes galander, / [...] / er sitzet in sêlden vogelhûse, / sô münster, slâfhûs, reventer, klûse / baz im gevallent denne der walt / werltlicher êren manicvalt Renner 19647; nu sich mir die galandern an, die tag und naht in der geschrift sitzent und spiegelschawent götleicheu werk dar inne BdN 176,17. 176,20 2 Vermischt mit dem karadrîus (vgl. K. Sittl in: Archiv für lat. Lexikographie und Grammatik 2 [1885], 478-482. 611; R. Weick, Mediaevistik 2 [1989], 261): vil wunderlicher tuͤche der galander waltet: / swelch mensche hat di suͤche, da mit er doch daz leben wol behaltet, / den siht er an di volle mit beiden ougen. / sol aber er dar an sterben, er gesiht in nimmer offenbar noch tougen JTit 2424,1. 2423,4; daz nu der mynnen glander / glich tet dem galander! / wann welhen sichen ruret sin blick, / dem kumt schir gesunder quick Minneb 3462. 1688. 2028; Freid(G) 143,7(La.). – si kunden bringen tjoste, daz man druntzen sam galander / in den luften sach di hoͤhe vliegen JTit 3093,2 (vgl. Wegner, Albrecht 170f.)
MWB 2 56,2; Bearbeiter: Bohnert