galander,
kalander,
m. ein vogelname. 11)
mhd. galander,
häufig bei dichtern (
s. wb. 1, 457, Lexer 1, 726),
in den wbb. als haubenlerche angegeben, was einer dem andern nachschrieb, obwol es zuletzt nur auf einem raten Frischs
beruht, der 1, 162
a aus alten quellen calander, galander
beibrachte, '
scheint eine heidelerche oder haubenlerche zu sein'.
wie unsicher man schon im 17.
jh. war, zeigt folg. vermischung bei Henisch: galander, nachtgall (
beide erscheinen bei dichtern oft zusammen),
acredula, aëdon, aliis holzlerche,
chamaezelos u. s. w. 1334, 8,
nach einer gelehrten quelle ('
Becm. 201').
Ja schon im 15.
jh. ist unsicherheit, z. b. im voc. th. 1482 k 1
b: galander, ein vogel, calandrius, galandra, frandiola id. oder eisvogel,
vgl. in den vocc. b. Dief. 246
b fraudula, fraudiola
als goldammer, emmerling.
noch älter ist die vermischung mit dem gleichfalls unsichern charadrius,
der aus dem physiologus auf gelehrtem wege bekannt war und in der bibel v. 1483
mit galander
gegeben wird (Frisch
a. a. o.),
wie seine wunderbare heilgabe (Freid. 143, 7)
auch vom galander, galiander
erzählt wird, s. die var. bei Freid., Vintler
bei Schöpf
tirol. it. 170, W. Grimm
über Freid. s. 81.
Das ganze wort scheint bei uns von haus aus mehr auf gelehrtem gebrauche zu beruhen, obwol Megenberg 176
den vogel zu kennen scheint: calandris haiʒt ain galander (
var. calander). daʒ ist ain klainer vogel und ist nâhent der lerchen geleich. der vogel gefräut all die in hœrent mit seinem süeʒen gesang
u. s. w.; eine einstimmende, noch ausgeführtere beschreibung in dem thiercapitel im Renner 219
b,
aber beide klingen wie aus gelehrten quellen geholt, wie denn beiden eine sittlich religiöse nutzanwendung angehängt ist nach art der kirchlich gewendeten physiologi (
im Renner folgt jenem der karadrius,
aus Freidank
entnommen). 22)
bei Nemnich 1, 142
ist alauda calandra die kalanderlerche, galander,
die grosze ringlerche, die gröszere ungehaubte lerche der pyrenäischen gebirge, franz. calandre
f., südfranz. calandro
m., ital. calandra,
span. calandria,
ein südeurop. vogel: die beschreibung und die angabe über sein leben stimmen zu denen bei Megenberg
und Hugo v. Trimberg: '
sie hat einen sehr angenehmen gesang, und ist fähig nicht nur den gesang anderer vögel, sondern auch andere töne nachzuahmen. sie läszt sich nicht leicht zahm machen, ist sie aber erst zahm, so singt sie ohne aufhören,'
vgl. im Renner 19483
ff.: swie gar sîn lîp gevangen ist, doch ist er vrœlich zaller vrist ... wan er aller vogel spottet, swenn er harpfet, videlt, rottet (
diese instrumente nachahmt) mit sîner kel den langen tac und kûm vor freuden geʒʒen mac;
man hatte ihn vielleicht bei uns als käfigvogel. 33)
nhd. erscheint das wort, auszer in den voc. des 15.
jh., die auch früheren quellen nachschreiben: galander, kalander,
calandrus, caladrius u. a. (
vgl. die var. Freid. 143, 7),
auch gallander, golander,
s. Dief. 88
a, galandra
u. ä., galander (
auch goltamer) 255
c,
caradrius calander
nov. gl. 75
a (
s. Vintlers galiander
u. 1),
caladrius 65
a —
im 16.
jh. bei dichtern, als sänger, er war einmal dichterische überlieferung: colander und from nachtigal concordierten lieplich zumal (
zusammen). Lenz
Schwabenkrieg 2
a; lerch, troschel und die nachtigal ... fink, stiglitz und auch der calander auch concordierten zu einander. H. Sachs 1, 426
a,
im '
regiment der anderhalb hundert vögel.'
Zur zeit der romantik ward er wieder hergeholt: wie die himmelsvöglein girren, philomelen und galandern! E.
M. Arndt
ged. (1860) 395, '
geisterbesuch',
auch mhd. schon bestand schwache form, z. b. galandern
acc. sg. Parz. 544, 14, galandern
pl. Megenb. 176, 17. —
Von der unsichern entstehung des rom. wortes, die sich mit der geschichte des wortes χαραδριός in der mittelalt. gelehrsamkeit verflicht, s. Diez 80 (1, 99),
dazu Wolfs
zeitschr. f. myth. 1, 320,
bes. die tiefgreifende ausführung von Sonne
in Kuhns zeitschr. 15, 435
ff.