fuszstapfe,
m. 11)
das zeichen des trittes von einem fusze beim gehn, laufen, springen u. dgl., vestigium. ahd. noch nicht auftauchend; das wort würde da fuoʒstapho
lauten, wie noch in Grieshabers
pred. 1, 45,
der ältesten belegstelle die sich für dasselbe nachweiszen läszt. mhd. fuoʒstapfe.
nhd. fuszstapff.
voc. theut. 1482 ee 3
a und i 8
a.
aber an dieser letzten stelle auch fusstaff,
subtel, als von der untersten fuszfläche, die hier, wie es scheint, mit dem abdrucke dieser beim gehn verwechselt wird, und i 7
b noch fuszstapp.
alle drei formen sind kürzungen, die beiden ersten aus den hochdeutschen fuszstapffe
und fuszstaffe,
die letzte aus dem der sprache Mitteldeutschlands angehörigen, in seiner zweiten hälfte niederdeutschen fuszstappe,
wie sich auch vollständig noch später in Clajus
grammatik findet. die in der schriftsprache geläufigste form ist fuszstapfe
mit jener erst im 17.
jh. wieder schwindenden kürzung in fuszstapf,
bei Alberus
dict. lliij
a fuosstapff,
aber auch frühe schon dem durch anschieben des n
der flexion der obliquen casus im nom. sg. erweiterten fuoszstapffen (
vocabula pro juvent. 16
d),
wie denn bei Stieler 2134
neben einander der nom. sg. fuszstapf
und fuszstapfen.
diese letzte form wird jedoch bereits im 16.
jh., wie fuoszstapffen (die), fuosztritt,
vestigium« bei Maaler 152
c zeigt, auch femininum, und so findet es sich besser ohne auslautendes n noch bei Schiller
in zwei stellen, nemlich in einer im Fiesko und einer in kabale und liebe, in welchen aber, was jene erste betrift, nur eine während Schillers lebenszeit erschienene ausgabe des trauerspiels, ein druck vom jahr 1802,
und in betreff der letzten stelle die beiden drucke vom jahr 1786
so wie die folgenden bis zu Schillers tode fuszstapfe
haben; er selbst schrieb in dem ersten, 1783
herausgekommenen drucke des Fiesko und dem 1784
erschienenen von kakale und liebe fusztapfe,
das denn auch eine anzahl der folgenden ausgaben bis zu Schillers tode bewahrt haben, beim Fiesko zumal alle einzig jene von 1802
ausgenommen. übrigens ist fusztapfe,
als masc. oder fem. genommen, keineswegs eine aus fuszstapfe
verderbte form, sondern, wie sich unter fusztapfe
zeigen wird, das selbst schon Luther
hat, ein eben von fuszstapfe
verschiedenes wort, das in der bedeutung mit diesem übereintrift. über das zweifelhafte der bildung, wenn, wie gewöhnlich, beide als ein und dasselbe wort angesehen werden, spricht sich folgendes räthsel aus: da meist es ist dem fusz verbunden, so weisz, wenn man den fusz ihm raubt, fast niemand recht, wie ers soll brauchen, mit oder ohne s am haupt: da einer das ihm zugehörige s ihm vom fusz entzogen glaubt, ein andrer meint, es sey vom fusze das fremde s ihm angestaubt. Rückert
makamen 1, 193.
aber beide wörter, fuszstapfe
wie fusztapfe,
sind, auch was ihre bildung angeht, gleichberechtigt, weshalb z. b. von Hederich
und dem ihm folgenden Nieremberger fuszstapfe
und fusztapfen,
doch mit vorwiegen des ersten, nebeneinander aufgenommen wurden. wenn dann z. b. Heynatz
orthograph. wb. 273
b fusztapfe
so wie den sg. fusztapfen
verwirft, so ist das eben so unberechtigt, als wenn er den sg. fuszstapfe
nicht gelten lassen will, sondern nur den sg. fuszstapfen,
während doch jener der urspringlichere und auch heute noch geläufig ist. dieses fuszstapfe
musz überhaupt als das ältere von beiden wörtern bezeichnet werden; denn mhd. gilt nur fuoʒstapfe,
und fusztapfe
tritt daneben, wie unter diesem worte gezeigt werden wird, erst im 15.
jh. auf. auch schon altengl. findet sich fôtsteppe (Stratmann 219),
der pl. fêt steppes
altd. bl. 2, 99, 7;
heute engl. footstep.
nl. voetstap.
Der fuszstapfe
kann herrühren 1@aa)
von einem menschen oder einem wesen, von dem in menschlicher weise geredet wird: und hast acht auff alle meine pfadte, und sihest auff die fusstapffen meiner füsse.
Hiob 13, 27; da mit sie schmehen die fusstapffen deines gesalbeten.
ps. 89, 52; deine fusstapffen trieffen von fett. 65, 12.
s. auch fuszstappe. als wir an einem etwas sumpffichten orte fuszstapffen von menschen gewahr wurden, keine von blossen füssen, sondern recht, als wann man mit schuhen, wie wir trugen, daselbst gegangen wäre.
Pierot 2, 287.
es sind hier verschiedene redensarten anzuführen, zunächst die seltene jemandes fuszstapfen erreichen,
so werden wie er war, ihm gleichkommen. wir mönche nicht mit frommigkeit der vorderen fuszstapfen erreichen. Kirchhof
wendunmuth 400
b, =
nicht so fromm sind, wie die vorfahren. voraus geht 229
a fuszstapfen jrer vorderen.
sehr geläufig aber ist in jemandes fuszstapfen treten,
ihm in gleichem thun nachfotgen, dasselbe thun wie er vorher gethan: mich dünckt, dein gsell sey ein vollr zapff, tritt nit in solcher leut fuszstapff, füllerey schwechet leib und gut. H. Sachs I (1590), 170
d; wie man denn spricht bey vollen zapffen, sie tretten in Bachi fuszstapffen. 314
a; thut es (
das kind Ascanius) beyzeit in jungen tagn nach seinem lieben vatter schlagn, tritt es darneben ein gewisz in die fuszstapffen Hectoris? Spreng
Aeneis (1610) 51
b; demnach auch zu allen fürstlichen tugenden also erzogen werde: dasz er in die fuszstapffen seiner hochloblichen voreltern tretten ... möge. Sattler
orthogr. und phraseologey (
Basel 1607)
s. 203; dasz er Philanders sohn seye und dermaleins in seines vaters löbliche fuszstapffen treten werde. Schuppius 3; ob diesem alle goldschmied nachfolgen und in seine fuszstapffen treten, glaub ich hart. Abr. a S. Clara
etwas für alle 1, 261; was Wenceslaus gesagt zu Prag seinem hofherrn: trette in meine fuszstapffen. 2, 225; gewisz wird dagegen der wohlhäbige greis den besitz, an dem er so reich ist, hervorheben und wünschen dasz der sohn in seine fuszstapfen trete. Göthe 46, 39.
dann aber in der rechtssprache die bedeutung: an die stelle des andern in der strafe treten, gleich dem eigentlichen thäter straffällig sein, dieselbe strafe erleiden wie der eigentliche thäter. welcher ihm darvon hilfft, soll in seine fuszstapffen treten. Reuter
kriegsordn. 66, =
statt seiner gestraft werden; wenn nun das urtheil ausgefällt ist, so wird jede weitere rache des schärfsten untersagt und zu recht gefunden, wer den tod des übelthäters ahnden wollte mit worten oder werken, der solle in dessen fuszstapfen treten, somit über ihn auch als einen übelthäter gerichtet werden. Bluntschli
staats- und rechtsgesch. der stadt und landschaft Zürich 1, 204.
dieser bedeutung liegt wol zu grunde: auf die stelle, wo der fusz des eigentlichen übelthäters gestanden hat oder stehn sollte, den seinigen setzen, um dieselbe strafe, die jener empfangen hat oder empfangen sollte, zu empfangen. in jemandes fuszstapfen eintreten,
ihm völlig im thun nachfolgen: in derselben fuszstapffen ich einzutretten weniger nicht gemeint. Sattler
orth. u. phras. 203; so sieht sich hingegen der arme geschichtsschreiber genöthiget, auf einem engen pfade schritt vor schritt in die fuszstapfen der vor ihm her gehenden wahrheit einzutreten. Wieland
Agathon 1794 1, 301 (
bch. 5
kap. 6). in jemandes fuszstapfen wandeln,
sei nun eine person oder, in bildlicher anwendung, eine sache gemeint, die wie personificiert erscheint: bistu in den grund des meers komen und hast in den fusstapffen der tieffen gewandelt?
Hiob 38, 16, =
da wo das meer in den tiefen sich bewegt. dere die wandeln in den fusstapffen des glaubens.
Röm. 4, 12, =
sich nach dem glauben richten, dem glauben folgen. mit diesem letzten stimmt auf jemandes fuszstapfen wandeln,
ganz dessen weg gehn, seine thätigkeit ganz nach dessen thätigkeit richten. in jemandes fuszstapfen gehen,
ihm gleich thätig sein, ihm gleich handeln. in einerlei fuszstapfen gehen,
übereinstimmend, einer wie der andere handeln: haben wir nicht in einem geist gewandelt? haben wir nicht in einerley fusstapffen gegangen? 2
Cor. 12, 18. den fuszstapfen folgen
oder nachfolgen,
dahin gehn, wohin dieselben führen, um den oder das, von dem sie herrühren, zu erreichen oder zu erlangen: da es mir denn nun schlechterdings unmöglich ist, den fuszstapfen meines engels (
der aus der gegend geflohenen Sophia) weiter zu folgen, so will ich den fuszstapfen des ruhmes folgen.
geschichte des Tom Jones, neu übersetzt (
Nürnberg 1780) 3, 196.
bildlich in beziehung auf den weg der thätigkeit, das thun und lassen: sich in seinem thun und lassen ganz dem eines andern gemäsz verhalten. folg auch nach sinen fuszstapffen. Cyrill 30; (
Christus hat) uns ein furbilde gelassen, das jr solt nachfolgen seinen fusstapffen. 1
Petr. 2, 21; solt nun das ungereimbt seyn, dasz ich Lutheri fuszstapffen von weiten nachfolgete? Schuppius 607. von jemandes fuszstapfen sich abwenden,
dessen weg in etwas nicht betreten, von dessen thun sich wegwenden. vgl. fuszstapfel. in dem fuszstapfen,
meist aber im fuszstapfen,
auf der stelle, alsogleich, alsbald, e vestigio, stante pede. rechtsalterth. 866
aus dem Odenwälder landr. 69
angeführt. dann zeigt eine mit dem jahr 1523
bezeichnete aufzeichnung Jacob Grimms
für das deutsche wb. in fuesstaphen, von stund
an. bei Schmeller 1, 572 im fueszstapfen,
sogleich, aus der bairischen gerichtsordn. von 1588
bl. 33.
andere belege aus dem 16.
und 17.
jh. sind: jr aber wölt allain das rain pur lauter wort gottes annemen, wie jr eüch bermen, und jm fuoszstapffen seyt jr wider euch selbs und nembt des Luters, Melanchton, Brentz, Pomeran. u.
s. w. auslegung und glosa an, darmit sye die hailigen geschrifft beflecken. Eck
christenl. underricht 14
b; im fuszstapffen kompt rauff die stiegen herr Lamprecht mit eim blossen schwert den jüngling (
der kaum versteckt war) zu erwürgen gert. H. Sachs IV. 3, 6
c; das (
dasz) also stet folget ein rach der andern im fuszstapffen nach. V, 387
c; er begert im fuszstapffen hinwider.
geschwenk Bebelii b 3,
übersetzung von petivit e vestigio; im fuszstapffen antworten.
Frankf. reformat. VIII, 9 §. 7,
vgl.fusztapfe; jedoch weil er sich in todts gefahr befand, fieng er an gegen seinen pallast zufliehen. derwegen Amadis, zu mehrung seiner forcht, jhm in dem fuszstapffen nachfolget, also dasz er mit sampt jm hinein kame.
Amadis 213, 447; und in dem fuszstapffen schicket er hin unnd liesz sie holen. 344, 731; ware auch dermassen verstockt, dasz, wo jhn die göttin Venus durch die hoffnung ... nicht getröstet, das leben im selbigen fuszstapffen jhn verlassen hett. 308, 653; welcher soviel bluts verloren hett, dasz im selbigen fuszstapffen, als jhm Agraies zu hülffe kam, er auff den platz verschwunden niederfiel. 389, 831; dasz wenig fehlet dasz sie jne nicht in selbigen fuszstapffen umbrachten. 334, 712; nacher strählet er jhm das haar so seuberlich mit dem schwerdt, dasz hernach er solchen (
den helm) nimmermehr bedarff, denn er in demselbigen fuszstapffen verschieden ist. 297, 628. 1@bb)
von einem thiere. so gehe hin aus auff die fusstapffen der schafe.
hohel. 1, 8.
in beziehung auf diese stelle (
cant. canticor. 1, 7): kennst dich selbst nicht, schönste unter den weibern, so tritt herfür und gehe nach den fuszstapffen der viehheerd! wie ist es möglich, dasz jemand ein copey seiner nüchterkeit könne entworffener absehen in den fuszstapffen der strauchlenden viehheerden. Abr. a S. Clara
etwas für alle 3, 144.
sprichwörtlich: Reinicken verstreicht mit seinem schwanz seine fuszstapfen dasz man nicht auf die spur könne kommen. Lehmann 204,
der schlaue sucht listig aller nachforschung zu entgehn. 22)
spur im weitesten sinne dieses wortes: dieser thörichten grausamkeit findet man sonst keinen fuszstapffen in den romischen schreibern. A. Gryphius 1, 472 (
Papin 1659
anmerk.); eine ode, in der man keine fuszstapfen eines entzückten geistes findet, taugt nicht viel. Liscow (1739) 549; dasz eine regressive reihe möglicher wahrnehmungen (es sey am leitfaden der geschichte oder an den fuszstapfen der ursachen und wirkungen) nach empirischen gesetzen, mit einem worte, der weltlauf auf eine verflossene zeitreihe als bedingung der gegenwärtigen zeit führet. Kant 2, 392 (
critik d. rein. vern. 1799
s. 523); endlich nach langer zeit fanden wir in Graubünden eine spur von ihm wieder, allein zu spät, und sie verlor sich bald. wir vermutheten dasz er nach Deutschland sey, allein der krieg hatte solche schwache fuszstapfen gänzlich verwischt. Göthe 20, 282; dadurch bin ich angetrieben worden, den fuszstapfen des unglücklichen emsiger nachzugehen. Göthe
bei Schöll
briefe u. aufsätze s. 146,
aus einem vorwort zu einer neuen ausgabe des Werther, in dem er selbst aber nach dem ersten drucke 1774
s. 152 fustapfen (
pl.)
schrieb, welche schreibung als die damalige Göthes
nicht wol bezweifelt werden kann, wenn man in seinen briefen in Göthe und Werther (1855)
neben s. 159 zu fusz
und s. 152 zun füszen eurer
so wie s. 133 mich zu Lottens füssen werfen
findet s. 136 die füse
und dazu z. b. ebenda zweimal und s. 168 (
neben grüssen) grüsen,
s. 201
u. 215 grüs (
imperativ),
s. 265
und 266
so wie 268 grüset,
s. 146 ihr hiest,
s. 165 Lotte weis,
s. 178 schiespulver,
seite 205
und 268 sas
in anschlag bringt. am hervortretendsten zeigt sich die bedeutung in folgender stelle: er versicherte, nie fuszstapfen von heldenliedern aufgefunden zu haben. Hippel
lebensl. 1, 51. 33)
ein schritt. s. fusztapfe 3).