frīen V. [verbr.] 1.1. einer Person einen (Heirats-)Antrag machen, um sie werben [bes. Münsterl SWestf]. — Vader oder Moder häbt datt Friehen dohn moßt (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@WettringenWt). Dēi sall ūese Marīchen friggen? (Kr. BeckumBek Vh). — Wortspiel (mit Bed. 1.4): Hi friit nǫ Kęrkhoffs Miiken er wird bald sterben (Kr. AhausAhs We). — Sprichw.: Bai de Dochter huiroten well, mott an diär Mömme friggen (
vgl. ähnl. Sprichw. unter Bed. 2) (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@BeleckeBe || (ähnl.) mehrf. Münsterl Mark Hellweg Arn). Well nich wäögg, de nich winnt; well nich haspelt, krigg kinn Bind; un well nich frigget, krigg kinn Kind (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@KatenhornKa || mehrf.). Wann ’n Piäd üäöwer de Nïendor kick, kanns biätter frïen Besitz erhöht die Chancen beim Frīen (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@KatenhornKa). Wann ’t Freijen un Trauen (Heiraten) was glick, dann was ’t ’n heel Könnigrick (Kr. Borken u. die krfr. Stadt BocholtBor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@BorkenBo || mehrf. Bor). Bit Frijen un ’t Trauen wöt mannigeen bedrogen (Kr. Borken u. die krfr. Stadt BocholtBor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@RamsdorfRd). Frīen un Haidrǖgen passērt fāken umsüss (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@WettringenWt || verbr. Münsterl Mark Sos); ... un Haggen ... (Kr. WiedenbrückWie Kr. Wiedenbrück@GüterslohGü || mehrf. Münsterl Kr. HalleHal Kr. WiedenbrückWie Hellweg); ... un Haimāken ... (Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@AttendornAt || mehrf. KSauerl HPaderb). Friggen un Backen geröätt nit immer (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@Gegend LüdenscheidLs || mehrf. SWestf). Frieen is kin Piärdehandel un Hieraoten kin Meien (Münsterl WAGENF 28). — 1.2. ein Liebesverhältnis haben, herumpoussieren (nicht immer eindeutig von Bed. 1.1 zu trennen) [bes. Münsterl SWestf]. Hai hiät an meïn Süster frigget (Kr. IserlohnIsl Is). De Knecht friggt an use Stina (Kr. WarendorfWdf Kr. Warendorf@WarendorfWd). Dä beiden frigget anäin (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@OestrichÖs). Bi’t Melken wodde völle frijt (WMWB). Du wuß woll up’t Frien utgaohn, dat du di so fin makt häß (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@AltenrheineAr). — Ra.: Duür Rock un Weste froiggen leidenschaftlich verliebt sein (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh). Friien kann hi nich er hat kein Glück bei Mädchen (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@WessumWe). Dai frigget an em Mester sejner Dochter sagt man von einem Arbeiter, der schlechte Arbeit abliefert (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). De Rogge frigget sagt
[] man, wenn der Wind im Korn Wellen schlägt (Kr. SoestSos Kr. Soest@SoestSo || mehrf. Sos). — Sprichw.: Bai äinen Dag verhejrotet ies, kennet sejn Wejf schon biäter, ase wenn hai taihn Johr drane frigget härre (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || mehrf.). Well vull frieht, krieg ne kahle Platt (Glatze) (Kr. CoesfeldKos Kr. Coesfeld@HoltwickHw). Wat alt is, dat gnurrt gähne; wat jung is, dat friet gähne (Kr. MünsterMün Kr. Münster@WestbevernWb). Wann de Sāp inne Böüme stīget, dann fanget de Fraulü an te friggen (Kr. IserlohnIsl El). Frijen under een Dack (Liebesverhältnis zwischen Magd und Knecht), dat is groot Gemack (WMWB). — Sagw.: Me matt Guoad füör alles danken, saggte de Deiene, doa frigger se an nem puklegen Schnieder (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). Ole Käu leckent ok gerne Salt, saggte dei Großmutter, do friggete sei den jungen Knecht (Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@DrolshagenDh). Haolt di män am Kieteln, sag de Biuer, doa friggere suin Junge an ner ruiken Schultendochter (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm). — Reim: Hänsken, wenn du frïen wuss, / dann frïe du no mi; ... (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe || mehrf.). Droige Braut unn Spigge, / do lätt siek slecht bey friggen; / droige Braut unn nicks dertau, / dätt gäiht de ganze Wiäke sau (Kr. MeschedeMes Kr. Meschede@BrachtBr). — 1.3. hinter Mädchen herlaufen (abwertend) (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@GronauGr). — 1.4. (von Dingen) erstreben, gern haben mögen, mit etwas liebäugeln, sich etwas sehnlich wünschen [WMünsterl die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-EickelGel die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Stadt WittenWit Kr. IserlohnIsl Kr. ArnsbergArn Bri]. Dao heff se all länger up friet (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@VredenVr). Do heww’ ek all lange drane frigget (Kr. BrilonBri Kr. Brilon@NiedersfeldNf). — Ra.: Hai hett an’n Hǟrink frigget er hat Appetit auf einen Hering (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@IserlohnIs). — Sagw.: Ne Arme kann mie gau sou gued iärgern as ne Rieke, sag dä Buer, do friggene hä noh Geld (die krfr. Stadt WittenWit die krfr. Stadt Witten@WittenWi || mehrf.). — 2. heiraten, mit jmdm. eine Ehe schließen [OWestf Kr. LippstadtLst Bri, sonst verstr.]. Katharina will friggen (Kr. BrilonBri Kr. Brilon@HesbornHe). Hei will nich friggen (Kr. PaderbornPad Kr. Paderborn@DelbrückDb). Et sochte sik den Besten van den beiden ut un friggere ne (Kr. BrilonBri Kr. Brilon@RixenRi). Hǫi froiet dat Meaken (Kr. HöxterHöx Lü). Se moten sick friggen (weil die Braut schwanger war) (Kr. HöxterHöx Sb). Dei woll friggen, awer hei harr nix un et harr auk niks (Kr. BrilonBri Kr. Brilon@RixenRi). — Ra.: Inne Tūske fräien Bruder und Schwester des einen Hofes heiraten Schwester und Bruder des anderern Hofes (Kr. MindenMin Kr. Minden@HahlenHa || mehrf.). Heu hät blind früjjet er hat nicht gründlich überlegt, als er noch Zeit hatte (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@IstrupIs). — Sprichw.: Wai ne Daien friggen well, maut met deär Mäoer gurt Frönd säin (
vgl. ähnl. Sprichw. unter Bed. 1.1) (Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@LangschedeLa || ähnl. mehrf. Münsterl Mark). Wai en bois Wuif frigget, dai krit en Duiwel taum Schwaoger (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm). Wer frien well, wett schlecht makt; wer däate (tot) es, wett präalt (gelobt) (Kr. LübbeckeLüb Kr. Lübbecke@GehlenbeckGb || (ähnl.) mehrf.). Wäa dat Wäskelwada (Spülwasser) kohken loät, mott näu ßihbn Joa medden Fruiggn toebn (warten) (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@BischofshagenBi). Wei gutt freustücket, spürt et en ganßen Dag; wei gutt schlachtet, et ganße Johr; wei gutt frigget, et ganße Liäwen (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@GesekeGe). Wer freiet, mott veel Müler stoppen (Kr. MindenMin Kr. Minden@WindheimWh || mehrf.). Wutt diu horn, wo schlächt diu bist, dänn früjje (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@IstrupIs). Wer früjjet in süinen äulen Johrn, de lätt de geuen Daje fohrn (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@HeidenoldendorfHd). Dei late freiet, mott dür dei Brillen weegen (Kr. MindenMin Kr. Minden@WindheimWh). Well wiet
[] friet öwer Land, den fählt et an Geld oder de is in Schand (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@ReckeRe). Koop Naobers Rind un freei Naobers Kind, dann weeste, wat de findst (Kr. Borken u. die krfr. Stadt BocholtBor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@WesekeWs || (ähnl.) verbr.). Früjje eoder früjje nich, moihen (reuen) doit düi beudes (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@IstrupIs = PLATENAUWB || mehrf.). Friggen makt wall Surgen un Mögge, gifft öwwer auk Bedden un Kögge (Kr. WarburgWbg Kr. Warburg@NeuenheerseNh || mehrf.). Lüd, dau de Augen upp; denn Friggen is kein Piärkaup (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@HerfordHf || mehrf. nördl. OWestf). Nowers Ruüns un Kaddens buitet sik nich, Nowers Luüdens un Jungens froigget sik nich (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh || mehrf. Ravensbg). Taun Friggen gehört mähr os ’n Paar Schauhe (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@HerfordHf || mehrf. Kr. HerfordHfd Lippe). — Sagw.: Lämmeken, häst du auk frigget, frogde de junge Ehemann, dau göng he an en Schaup vörbi, dat den Kopp hangen löüt (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi). Soulange unse Hiärguot niemet, niämme iek wier, saggte Kasper Dierk, doa friggere hei et veïrte Wief (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@Gegend LüdenscheidLs). — Reim: Hannchen, kumm mol vo dä Duüer, / kumm mol ’n biedn heriut; / wit’t mol ’n biedn van Fruiggen kuüan, / diu bis muine Briut (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@HerringhausenHh || (ähnl.) mehrf. bes. nördl. OWestf). Briut un dä Bruime te haupe / sitt uppen choldnen Knaupe, / morjen witt se früjen, / krüijet se ’n Korf vul Klüjen (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@DalbornDa). — 3. durch Heiraten erwerben. — Ra.: Hei häff 1000 Daler frigget er hat 1000 Taler als Mitgift bekommen (Kr. HalleHal Kr. Halle@LoxtenLo). Öt froiet ne Keo sie heiratet einen wohlhabenden Mann (Kr. HöxterHöx Lü). — Sprichw.: In öiner Stunne es maier früjjet, osse in twintig Johrn verdöint (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@HeidenoldendorfHd). Frigget Gut kümmt nich an de diädde Brut (Kr. BeckumBek Kr. Beckum@AhlenAl). ⟨›frīen‹ (mit ›ī‹ im Hiat [Kr. LübbeckeLüb Kr. MindenMin Kr. HerfordHfd WMünsterl Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Olp]) [Münsterl Kr. LübbeckeLüb Kr. MindenMin Kr. HerfordHfd Olp], froien [Höx], friggen [OWestf (außer Kr. LübbeckeLüb Min) Kr. TecklenburgTek (nördl.) Kr. SteinfurtStf Kr. WarendorfWdf Kr. BeckumBek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-EickelGel SWestf], früggen [Det], fröggen (Kr. HöxterHöx Kb), freggen [verstr. HPaderb], „fruigen“ [Kr. HerfordHfd Lippe], „froigen“ [verstr. Ravensbg], „fräigen“ [Kr. HerfordHfd Bie]⟩