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Föhn

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Föhn

Bd. 6, Sp. 743
Föhn (Fön), in der Schweiz ein aus der Höhe herabsteigender, stürmischer, heißer und trockner Wind in Gebirgstälern. Er heißt auf der Nordseite der Alpen »Nordföhn«, auf der Südseite »Südföhn«; ein besonders heftiger F. ist der »wilde F.«, ein schwacher der »Dimmerföhn«. Mehrfach wird der F. auch fälschlich Scirocco genannt. Über dem obern Talende zeigen sich zunächst Wölkchen, die sich wieder auflösen, dann eine Wolkenbank (Föhnmauer), die sich den Bergumrissen auflagert. Die Luft ist ruhig und sehr durchsichtig. Wolkenfetzen ziehen talabwärts, wobei in der Höhe ein Sturmesbrausen hörbar wird, während unten der Wind talaufwärts weht. Menschen und Tiere werden bedrückt und unruhig. Bald beginnen einzelne Windstöße, die immer heftiger werden und schließlich zum Sturm anwachsen. Sturm und Austrocknung des Holzes bringen Feuersgefahr (Brand von Glarus 1861), weshalb Feuerwachen bei F. warnen. Die große Wärme verschaffte dem F. den Namen Schneefresser (er schmilzt oft an einem Tag so viel wie die Sonne in 14 Tagen) und Traubenkocher (Graubünden); das Reisen der Feldfrüchte (Mais, Wein) würde in manchen Gegenden ohne F. nicht eintreten. Die jetzt geltende Theorie des Föhns rührt her von Hann, Billwiller, v. Bezold, Pernter und Wild. Weht ein Südwind über den Alpen, so werden auf der Südseite die tiefer gelegenen Luftschichten allmählich mitgerissen und zum Aufsteigen gezwungen (vgl. Abbildung). Dabei kühlt sich die Luft um je ein 1° für 100 m Anstieg ab und nähert sich dem Taupunti (s. d.); sobald er erreicht ist, tritt Wolkenbildung und Niederschlag ein. Durch die bei der Kondensation frei werdende Wärme wird die Abkühlung auf 1° für 200 m Anstieg verlangsamt. Beim Überschreiten des Kammes ist der Luftstrom dampfgesättigt und erscheint als dicke Wolkenschicht (Föhnmauer). Auf der Nordseite wird zunächst die Luft unmittelbar unterhalb des Kammes mitgerissen; es entsteht eine Luftverdünnung, ein Nachströmen von unten gegen den Kamm hin und somit am obern Talende ein Luftwirbel mit horizontaler Achse. Diese Bewegung greift in immer tiefere Schichten (Föhnstöße), bis sie den Talgrund erreicht und der Wind jetzt auch hier vom Kamme weg weht. Beim Herabsinken erwärmt sich die Luft um 1° für je 100 m, ist also hier für je 100 m um 0,5° wärmer als in der Kondensationsschicht auf der Südseite in gleicher Höhe; gleichzeitig entfernt sie sich vom Taupunkt so weit, daß sie unten äußerst trocken ankommt. Der anfangs vorhandene Südwind in der Höhe wird meist durch eine Depression über den britischen Inseln hervorgerufen. Mehrfach ist der F. nur einseitig ausgebildet, indem nur der absteigende Teil beobachtet wird (s. Fallwinde). Durch obige Theorie lassen sich nicht bloß der Nord- und Südföhn der Alpen erklären, sondern auch analoge Erscheinungen in andern Gebirgsgegenden (Harz, Riesengebirge, Pyrenäen, Grönland, Neuseeland etc.). In der Schweiz ist der F. am häufigsten im Frühjahr und am seltensten im Sommer. Vgl. Hann, Lehrbuch der Meteorologie (Leipz. 1901).
3003 Zeichen · 39 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Föhn

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Föhn , plur. inus. der Südwind, S. 1 Finne.

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Föhn

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Föhn ( Fön ), in der Schweiz ein aus der Höhe herabsteigender, stürmischer, heißer und trockner Wind in Gebirgstälern. E…

  3. Sprichwörter
    Föhn

    Wander (Sprichwörter)

    Föhn Der Föhn 1 macht das Wetter schön; wenn er vergohd, fällt er ins Koth. ( Luzern. ) 1 ) Südwind, besonders der, welc…

  4. Spezial
    Föhn

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Föhn m. (-[e]s,-e) 1 ‹meteo› favogn m. , vënt cialdin m. 2 (Haartrockner) fön (-s) m. , assüiaciavëis m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit foehn

10 Bildungen · 8 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

foehn‑ als Erstglied (8 von 8)

föhnen

DWB

föhnen , nur unpersönlich: es föhnt, der föhn weht, bläst. doch soll nach Stalder 1, 390 föhnen auch heimlich entwenden ausdrücken, was bild…

föhnig

DWB

föhnig , pluviosus, ventosus.

föhnluft

DWB2

foehn·luft

föhnluft f. : ⟨1936⟩ Zuckmayer ges. w. (1960)2,172. 1976 Augustin raumlicht 187.

föhnwetter

DWB2

foehn·wetter

föhnwetter n. : ⟨1922⟩ Carossa (1949)2,78. 1965 frankf. allg. ztg. 299,1.

Föhnwind

GWB

foehn·wind

Föhnwind [ Vierwaldstätter See ] Die größten Stürme erregt der F., der im Frühjahr, besonders aber im Herbst über die Berge von Mittag kommt…

foehn als Zweitglied (2 von 2)

Morgenföhn

Wander

morgen·foehn

Morgenföhn Morgenföhn macht's Wetter höhn 1 . ( Luzern. ) 1 ) Zornig, unwillig; verhöhnen = verderben, zu Grunde richten. ( Stalder, II, 50.…

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APA
Cotta, M. (2026). „foehn". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/foehn/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „foehn". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/foehn/meyers. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „foehn". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/foehn/meyers.
BibTeX
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