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fodern

mhd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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7 in 7 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

fodern

Bd. 3, Sp. 1866
fodern, poscere für fordern gleich Luthers foddern begegnet häufig und auch bei solchen, die sonst fordern schreiben, namentlich bei dichtern im reim auf lodern, modern, blodern. der ausfall des liquiden r tritt ein wie in mader für marder, köder für kerder und in vielen andern; vgl. lat. pedo, podex für perdo, pordex, prosa für prorsa u. s. w. niemand fällt darauf das r in mord, mörder, nord, oder in dem unmittelbar nah liegenden fort zu tilgen, wofür nur die bairische volksaussprache ein fuscht, fut, fuet (Schm. 1, 568) darbietet. ahd. mhd. noch keine spur von foderôn, weshalb vergleichung des lat. petere unpassend wäre. doch musz die syncope wenigstens mhd. eingeräumt werden, wenn sie schon kein reim streng beweist: dâ leident manige bittere nôt, die ëʒ habent gevoderôt. Tundal 47, 62; ich weiʒ wol het ich ir nû ze ëʒʒen gevoderet alsam dû. Hahns Stricker s. 16, 212; du voderst mir ein swæreʒ phant. Karl 55a; noch het ër ein nëven dâ dën vodert ër ie sâ. 98b, in welchen beiden stellen Bartsch 4996. 9146 vordert liest, ohne einmal die variante anzumerken; dën lât si nimmer geruowen, si voder tägelîchen und ouch willigen gesuoch von im. myst. 314, 7; dar inne wir uns alle zît ersëhn süln, waʒ got von uns voder ze behalten. 326, 5; der schatz, den du an mich voderst. predigt bei Haupt 6, 396. nhd. hat Megenberg, bei dem wir auch voder anterior trafen, gleichfalls das verbum: wan er læʒt uns niht versuochen über unser maht, noch vodert an uns, des wir niht vermügen. 172, 20. hieran reihen sich andere stellen: was eur einer von eim torst fodern, dem er sein bauch torst also plodern, als zwei malrad luffen die wett. fastn. 214, 25, um die wette umliefen; dan wen ich voder mit eim wort, der dret schnell her auf diesen ort. 336, 6; wenn man in fordert zu der arbeit, so ist er alweg lanksam bereit. 516, 19; es foderts unsre freuntschaft. Steph. Rock zu Meiszen gesprech zweier ehweiber B.; vermutlich liefern Steinhöwel, Schwarzenberg, H. Sachs und Ayrer einzelne belege. Henisch (1616) stellt fodern und fordern auf. 1168. 1169; im 17 jh. häufen sich die beispiele der erweichten form: ich wil euch aus den gräbern foderen. Opitz Arg. 2, 97; fodert nichts dafür als dank. Logau 3, 16, 66; aufs freie feld hinaus fodern. Weise kl. leute 14. im 18 jh. werden beide formen beinahe gleich berechtigt, Bödiker s. 15 will fodern postulare von fordern promovere scheiden, Gottsched hatte sich für fodern, Adelung wieder mit recht für fordern erklärt, den dichtern schien jenes weicher und zum reim taugender, da sich fordern fast nur mit beordern (fördern mit mördern) bindet: so brich nur bild und ring entzwei und lasz die briefe lodern, ich gebe dich dem ersten frei und habe nichts zu fodern. Günther 323; weil musen, lieb und krieg nur solche kinder fodern, bei welchen kraft und geist noch aus den mienen lodern. 794; was aber fordern (so) wir noch lange stund und zeit? jetzt eben läszt du uns zum regimente fodern, da vor dein liebstes kind die hochzeitfackeln lodern. 799. Gellert schreibt meist fordern, Rabener meist fodern: sie musz mir alle heller abfodern. Gellert 3, 212, doch gleich dahinter folgt fordern. Klopstock hat fodern, z. b. Messias 10, 896. 14, 629; Kant in den originalausgaben durchgängig fodern; wenn ihr versprechen wollet an dieser frau weiter nichts zu fodern. Felsenb. 3, 431; gott fodert ja von uns zu thun und nicht zu wissen. Haller 136 (128); sie (die liebe) ist was tief in uns für unsre kinder lodert, sie macht die müh zur lust, die ihre schwachheit fodert. 143 (135); hier kinder, — ach mein blut musz lodern, wenn sie dich stammelnd von mir fodern. 170 (163); was fodert itzt ein kluger mann? Hagedorn 2, 63; welch feuer musz in eurem busen lodern! ihr habt den muth euch kühn heraus zu fodern. doch eure klugheit hält dem muthe das gewicht, ihr fodert euch und stellt euch nicht. Lessing 1, 4; viel gefodert, sehr viel. 2, 115; fodre nur! fodert nur! 2, 121; graf ich fodre genugthuung. 2, 145; eigenschaften, welche geschmack und kritik an ihm fodern. 8, 428, an ihm, wie vorhin Felsenb. 3, 431 an dieser frau und Megenberg 172, 20 an uns (dat. oder acc.?); höhere wesen, denen alles erlaubt sei und an welche niemand etwas zu fodern habe. Wieland 6, 49; dies ist alles was sie wollen und alles was sie an mich fodern können. 3, 184; Waller hat mich gefodert. Gotter 3, 112; denn wir würden so lange die stadt mit flehen durchwandern, fodernd das eigenthum, bis ihr uns alles vergütet. Od. 2, 78; wer weisz wie mancher modert ums jahr, gesenkt ins grab, unangemeldet fodert der tod die menschen ab. Voss 4, 97; zwar kamen mir auch die thränen in die augen, wo du von unserm vater sprichst, den gott bald fodern wird. Voss br. 1, 300; hundert, hundert fänden sich, die vor eifer würden lodern dich vors weltgericht zu fodern. Bürger 51a; und noch im herbste werden die für dich, wie jetzt im lenze, lodern, und sehnend lieb um liebe fodern. 63a; o, ihr ergebner knecht kennt sie nur gar zu wol und weisz auch was er fodert, und sieht nicht ein warum ihr zorn so heftig lodert. Göthe 7, 100; ach die innre hütte lodert, die bemoost und feucht gestanden, schnelle hülfe wird gefodert, keine rettung ist vorhanden. 41, 309; und wenn das grimme feuer um uns lodert, das märtyrthum es wird von uns gefodert. 57, 294; genius, der in mir lodert, auf! und ob die hölle bitter dich verhöhnt, ein loblied fodert dieser engel gottes auch. Schmidt v. W. 215; lasz morschen im grabe, lasz modern! ein schändlicher bube, auf ritterlich wort, der grollt um ein schwänkchen der liebe hinfort, und tückische rache kann fodern. 296; wuchernd, mädchen, wird der tod schwere zinsen fodern (: modern, lodern). Schiller 4a; wo es nicht reimt, führen spätere ausgaben fordern ein, z. b. so fordr ich mein jahrhundert in die schranken. 254a; bescheiden wieder fordert. 319b, noch die dritte ausg. Wallensteins (1801) s. 9 las fodert, Helbig (1856) s. 47 behält fordert; errath ich etwa nicht, warum die tochter hergefordert worden. 345b, Helbig 188 gefordert, 1801, 131 gefodert; aus freiem trieb, unaufgefordert kam er. 375b, Helbig 346 unaufgefordert, 1801, 76 unaufgefodert; jetzt fordert mich ein dringend werk von hier. 494b (früher fodert); zum himmel fordert oder zu der hölle. 563a, Macbeth 1801, 44 ist fordert druckf. für fodert. nicht sich in den wind verlodern, dasz wenn glut die stunden fodern nichts im herzen blieb als dampf. Rückert 233; pflanze meines gartens, lied! gesang, mein feuer! um zu leben müszt ihr anerkennung fodern. 325. alle diese 'fodern' treten uns viel zu nahe, als dasz sie anstosz geben könnten und sind untadelhaft. dennoch läszt sich nicht verkennen, dasz in unserm gegenwärtigen jahrhundert das 'fordern', wenigstens in der prosa, sein anfängliches recht wieder gewonnen hat. Göthen war schon in der ersten ausg. des Werther 'fordern' geläufig (s. die belege unter fordern). Schweden und Dänen nahmen von uns ihr fordra, fordre, sprechen doch gewöhnlich fodra, fodre aus, was sich dann mit ihrem fodra, fodre = futtern mischt. nnl. kein erweichtes voderen, nur vorderen, kärnt. foadern, feadern (Lexer 100). von den bedeutungen wird unter fordern gehandelt. s. abfodern, auffodern, einfodern, herausfodern.
7250 Zeichen · 115 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    fodernsw. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    fodern , sw. V. Vw.: s. vorderen (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Fodern

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Fodern , S. Adelung Fordern .

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    fodern

    Goethe-Wörterbuch

    fodern s fordern Gert Liebich G. L.

  4. modern
    Dialekt
    fodern

    Rheinisches Wb.

    fodern s. fordern:

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fodern

6 Bildungen · 2 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

fodern‑ als Erstglied (2 von 2)

fō¹dernīdesk

WWB

fō¹der-nīdesk Adj. Futterneid empfindend. Heï iss fūrnādisch ( Min Ma).

fodern als Zweitglied (2 von 2)

erfodern

DWB

erfodern , n. postulatio: denn soviel kann ich ihnen aus unserem manuscripte versichern, dasz Berengarius nicht auf sein ( des pabstes ) erf…

Ableitungen von fodern (2 von 2)

befodern

DWB

befodern für befordern, befördern: ich habe seinen tod befodern wollen. pers. rosenth. 1, 25.

erfodern

DWB

erfodern , n. postulatio: denn soviel kann ich ihnen aus unserem manuscripte versichern, dasz Berengarius nicht auf sein ( des pabstes ) erf…