Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
fô
8. Jh.:
‚wenig, selten, (pl.) einige, wenige, infre-〈Var.: fao-,
quens, nonnulli, paucus, rarus‘
fouu-, foh-〉. Die ursprl. regelmäßige Flexion
des wa-Stammes: unflekt. *fao, *fô, flekt. *fa-
wêr usw. ist kaum mehr erkennbar. Keine un-
flekt. Form ist belegt, und nur einmal (Bened.-
regel; s. Steinmeyer, Spr.denkm. 264, 8) kommt
die flekt. Form fouuem vor (zu -ouu- statt
-auu- vgl. Braune, Ahd. Gr.15 § 114 und
Anm. 3). Sonst enthalten alle flekt. Formen den
Stamm der unflekt. Form (fô-, einmal [Exhort.
A; Steinmeyer, a. a. O. 499] fao-) entweder un-
mittelbar vor der Endung: fôêr usw. oder mit
einem hiatustilgenden h: fôhêr usw. (vgl.
Braune, a. a. O. § 254 Anm. 2; zum Übergangs-
laut h auch § 110 Anm. 2. 3). Daß -h- und -w-
Reste eines alten gramm. Wechsels *hw : *w
sind (F. Kluge, Glotta 2 [1910], 56; Braune,
a. a. O. § 254 Anm. 2:
„vielleicht“), ist sehr un-
wahrscheinlich, denn eine Basis *pau̯ku̯- ist
nirgends bezeugt (vgl. Lühr, Stud. z. Hilde-
brandlied 439 Anm. 2; Gröger, Ahd. u. as.
Komp.fuge § 91). Da bei diesem Wort Formen
mit -h- besonders zahlreich sind, hat man
auch angenommen, das -h- sei ursprünglich
und ahd. fôh- mit lat. paucus verglichen (<
*pau̯ko-; vgl. z. B. Pokorny 843). Diese Deu-
tung würde aber die ahd. Formen von allen
germ. Verwandten trennen, die ausnahmslos
auf eine Vorform *pau̯o- zurückgehen. Dage-
gen spricht auch das As. (s. u.), wo das -h- in
faho, fahora (Heliand) sich nur als ein hia-
tustilgender Laut erklären läßt (vgl. W. L. van
Helten, PBB 15 [1891], 469 f.; Lühr, a. a. O.);
auch im as. Wort für
‚Herr‘(→ frô1), das be-
stimmt auf *prou̯o- zurückgeht, überwiegen
Formen mit -h- in fraho, froho, neben seltene-
ren mit -j- (froian) oder mit Hiatus (fraon). –
Das Wort kommt weder im Mhd. noch im
Nhd. vor.