feifalter,
m. f. papilio. ahd. fîfaltarâ, fîfaltrâ
f. alts. vivoldara
f. pl. vivoldaran (
Diut. 2, 194
a),
ags. fifealde
f. in glossen bei Lye
und Wright 281
a,
also mit dem pl. fifealdan (
die schreibung fiffalde
zu verwerfen),
mnl. vîveltre
f. (
Flore 2958),
mhd. bei den dichtern fehlend, ohne zweifel vîvalter
f., wie aus veivalter,
pl. veivaltern
bei Megenberg 291, 28. 29. 299, 18
zu entnehmen. die glossare des 15. 16
lassen form und geschlecht nicht deutlich sehen, man findet sie ausgehoben bei Diefenbach 410
c und Schmeller 1, 506.
späterhin lebt das wort bis auf heute fort in Baiern, Tirol, der Schweiz und im Elsasz, wie Dasypodius 169
b, Frisius 944
a, Maaler 316
b und die hernach folgenden anführungen belegen. Maaler
fügt noch den weiblichen artikel zu, in der volksprache überwiegt das m. und f
wird in pf
verdickt, pfeifalter, pfeipfalter, pfiffholter,
bei Seb. Helber 37 feifholter.
statt jenes vîveltre
nnl. vijfwouter
m. für vijvouder,
bei Ten Kate 2, 507
a wiewouter.
die nd. volksmundart ist noch nicht genau gehört, im südlichen Westfalen (
Waldeck)
zeigt sich papollere
f. 11)
schon in der ersten fassung der grammatik 1819
s. 555
führte ich feifalter
zurück auf goth. falþan faifald
und hielt diese deutung fest gr. 1. 1822
s. 862.
GDS. 864.
was wäre treffender als ein goth. name faifalþô, faifalþei, faifalþrei,
die wir nie belegen können, für das seine flügel auf und niederfaltende insect? hat doch auch papilio
den gedanken an ein weiszes zelt erzeugt, das sich krieger auf der wiese schlagen, nur in papilio
selbst wird uns kein falten
offenbar. 22)
mit dem ablaut bilden sich zahllose substantiva, warum sollte nicht auch des ablauts hintergrund, die reduplication in sie vorgedrungen sein? am allerersten in benennungen von thieren, die aus der ältesten sprache herrühren. papilio
ist fast auch glühwurm, cicindela,
das zu candela
und candeo
gehört; es mag ein verlornes cando cecendi
gegeben haben, aus dem accendo, incendo
geflossen sind. cicada
stimmt weder zu cado cecidi
noch zu caedo cecidi,
aber faifalþô
würde sich schicken zu falþan faifalþ,
obschon nach erloschner reduplication aus ahd. faldan fiald
kein neues fialtâ
hervorgieng, das alte fîfaltâ, fîfaltrâ
sich erhielt. die altn. sprache gewährt uns ein subst. iod (
man schreibt ióð)
proles, genimen, das sichtbar abstammt aus auda, iod (
geschr. auða, ióð)
gignere =
alts. ôdan,
ags. eádan,
also goth. audan, iod =
goth. aiaud,
folglich wäre iod
reduplicativ. 33)
und wie lieszen die weiblichen faifalþô, fîfaltara
sich leiten aus dem männlichen papilio?
beide vocale sind verdreht, die consonanz ist lautverschoben, da sie sonst in lehnwörtern unverschoben haftet. p
erschiene nur in jenem westf. papollere,
für papilio
begegnet auch pampilio.
im fr. papillon
und pavillon
bleibt das anlautende p,
den inlaut hat ein unterschied der bedeutungen willkürlich gesondert; ebenso steht prov. parpalho, parpaillo = papillon
ab von papallo, pabalho = pavillon
und noch stärker das verschobne it. farfalla, farfallone,
neben parpaglione
von padiglione.
möglich, dasz auf farfalla
ein deutsches feifalter
wirkte, ich bin fern davon dies letzte mit Diez 139
aus farfalla
kommen zu lassen. man kann unmöglich annehmen, dasz schon im 9. 10
jh. einstimmige verunstaltung von papilio
sowol ahd. als ags. gegolten, noch dasz ein mönch sie aus England nach Deutschland gebracht hätte. in einer vorgeschichtlichen, weit dahinter liegenden zeit können sich papilio
und faifalþô
näher gestanden und vermittelt haben. neben faifalter
besteht das einfache falter (
sp. 1302)
und eine menge composita wie baumfalter, beinfalter, feuerfalter, zwiefalter (
vgl. zwifalt)
u. s. w. 44)
wäre papilio
in unsere sprache vorgeschritten, so hätte es sich auch wol noch in andere erstreckt, alle slavischen, litauischen, keltischen benennungen liegen ab. poln. motyl,
böhm. moteyl,
russ. motylek (
oder babotschka);
lit. leilas;
ir. gal. dealan dé (
gottes glühlicht, glanz), teine dé (
gottes feuer), eunan dé (
gottes vogel),
welsch glöyn byw (
glühwurm),
arm. balafen
und balafennik doué (
papilio dei),
wie auch bei uns kleine glänzende käfer gottes vögel oder boten heiszen. der isländische name lautet [] fiðrildi,
norweg. fivrild, fivreld,
der schwedische fjäril,
gefiedertes, geschupptes thierchen, lepidopteron, wonach das finn. perho, perhoine
gebildet scheint. auch illyr. lepir, leptir,
lapp. lablok,
est. liblik,
ungr. lövöldék, leppendék,
alle nach λεπίς,
squama. alban. perbani, perbaneja, phliuturea,
pers. pervane.
vgl. butterfliege, buttervogel, elb, fledermaus, holde, milchdieb, schmetterling, sommervogel, wichtel.
nnl. kapelletje,
kapellchen d. i. pavillon, kleines zelt. 55)
die dichter des 13
jh. hätten genug anlasz gehabt der vîvaltre
zu erwähnen. die stelle des provenzalischen Folquet col parpalhos qu'a tan folla natura, ques met el foc per la clartat que lutz,
verdeutscht Rudolf von Fenis: ër tuot mir als dër viwerstëln daʒ lieht, diu fliuget dran unz si sich gar verbrennet.
MSF. 82, 20,
was sich aus Megenberg 299, 17
erläutert: ein fewerstël ist sam ein veivalter gestalt,
und gemeint wird die lichtmotte, die ins feuer fliegt, es gleichsam stelen will. Flore und Blancheflor 2351: 'des flors sali un paveillon, des eles feri mon menton, del paveillon tel paor oi, que m'escriai plus tost que poi'
übersetzt Diederic von Assenede 2958: dat ên viveltre uten bloemen vlôch int ansichte met haren monde, dat si haer niet onthouden conde, dat si an haer hût quam ghevaren; Flecken
musz aber der schöne zug nicht vorgelegen haben. Keisersberg
hat mehrere stellen: es gat den jungen gesellen, die also den buppen nachlaufen, gleich als es den bauersbuoben und den rosknaben gat, die etwan uf dem feld den pfeifholtern nachlaufen und wenen es sei etwas hübsches, es scheint und hat da ein schwarz flecklin, da ein rotes, da ein blauwes und laufen im nach, und wenn sie es erwüschen, so flügt es an ein ander ort, und wenn inen schon got gehilft, das sie es erwüschen, so sehen sie das sie betrogen seind, wann sie sehen, das sie eim wurm sein nachgelaufen, der da kat und treck ist, und schin als wer es ein hübscher vogel.
brösamlein 105
c; thun wie die kind, die laufen etwan ab dem rechten weg den blumen nach oder den pfifholderen nach.
narrensch. 40,
daher papilio 'avicula puerorum' (Diefenbach 410
c); lief (
der knabe Gargantua) gern nach den schrötern, maikäfern und fürnemlich den farfallischen baumfaltern und papilonischen butterfliegen und pfeifholdern und den mariposischen butterschützen.
Garg. 128
b,
wo farfallisch
auf farfalla, mariposisch
auf den spanischen namen des schmetterlings, mariposa
geht; die pfeifholtern oder molkendieb. Sebiz 54; in der zeitigung sind dem blust die pfeifholter aufsätzig. Muralt
eidg. s. 56; ein schöner feifalter fliegt mit der procession. Buchers
schr. 2, 285.