fährlichkeit,
f. periculum, hat sich in häufigerem gebrauch erhalten als das adj., und während wir dieses durch gefährlich
zu ersetzen pflegen, ziehen wir fährlichkeit
dem gefährlichkeit
vor. die fasnacht spricht: wo jemant ferlichkeit zustunt durch mein person, so wer wol recht, das niemant mein zu gut gedecht und aus der cristenheit mich reut, das mich fund weder vich noch leut.
fastn. 388, 28; sich in fehrlichkeiten begeben.
reichsabsch. von 1512. 4, 5; mer so fürgewendt wird, der todschläger wer dem benötiger wol füglicherweis und on ferlicheit seins leibs, lebens, ehren und guten leumuts halben entwichen.
Carolina 142 (
wo die bambergische halsgerichtsordn. von 1507
art. 167 'verdligkeit'
setzt, was ganz verwerflich ist); die auf das meer faren, die sagen von seiner fehrlichkeit, und die wirs hören, verwundern uns.
Sir. 43, 26; wer wil uns scheiden von der liebe gottes? trübsal oder angst oder verfolgung, oder hunger oder blösze oder fehrlichkeit oder schwert?
Röm. 8, 35 (
vulg. an periculum an gladius?
goth. þau sleiþei, þau hairus?); ich hab oft gereiset, ich bin in fehrlichkeit gewesen zu wasser
u. s. w. 2 Cor. 11, 26 (
vulg. fui in itineribus saepe, periculis fluminum
etc., goth. vas vratôdum ufta, birêkeim ahvô,
für κίνδυνος steht dort sleiþei,
hier birêkei).
seltsam, dasz Luther
in allen drei stellen ferligkeit
schreibt, da er doch sonst dem adj. fehrlich
gibt, die folgenden stellen schwanken in den drucken: dadurch viel andere auch des fleisches fehrlichkeit fliehen. Luther 3, 99
b; zu verhüten und zu verwaren e.
f. gn. seelen fehrlichkeit. 3, 171
b; bei fehrlichkeit meiner seelen. 3, 172
a; und stehe darauf fehrlichkeit der seelen seligkeit. 3, 263
b; wie kan denn da gute zeit sein, dar leib und seele teglich in fehrlichkeit stehen? 3, 304
b; hülfe und errettung von allem unglück und von aller fehrlichkeit. 3, 429
b; das er lang in fehrlichkeit were. 4, 146
a; weil die oberkeit solches geboten hette und die fehrlichkeit dadurch kündte vermidden werden. 6, 18
a; da zeigt er ja klerlich an, das unter den christen das wort und sacrament und taufe solle so in fehrlichkeit geraten, das schwerlich jemand dadurch müge selig werden. 6, 85
a; die leien mochten gleuben, sie empfiengen in einer gestalt nicht so viel als in beiden, das were eine grosze fehrlichkeit. 6, 321
b; in fehrlichkeiten that er gott gelübd.
tischr. 67
a; verachtet den tod und alle fehrlichkeit. 215
b; warlich ich förchte etwas fährlichkeit unter diesen dingen verborgen sei.
Galmy 158; in dieser hohen und vollen schrecklicher, groszer fährlichkeit sachen. Kirchhof
mil. disc. 92; da man nicht zeit und weil hat den fehrlichkeiten zu begegnen. Fronsperg 1, 57
a; dorft sich bsorgen keinr fehrlichkeit, im solt geschehen kein leid. Waldis 1, 43; färlichkeit
schreibt Stieler 403; junge gemsenböcke, die ich mit fährlichkeit an einem thale fand. Overbecks
Virgil 33; um Dindonetten, das beste mädchen der welt, aus einer fährlichkeit zu winden. Wieland 4, 165; durch eine reih von unerhörten fährlichkeiten zu wasser und land. 4, 216; das glaub ich nach solchen ausgestandenen fährlichkeiten! 30, 286; bei solchen fährlichkeiten denkt ihr leicht, dasz das verdienst sein ziel erst spät erreicht. Gotter 1, 167; minnesold lehrt frei verachten aller fährlichkeiten noth, flammen, wasserfluten, schlachten. Bürger 17
b; und bringet seine alten tage in viel arbeit und fährlichkeit zu. Claudius 3, 121; von mancherlei fährlichkeiten mit heiterem ausgang. Göthe 48, 162; ich bin gestern noch in viel fährlichkeiten kommen, muste über thür und zäune wegsteigen.
an fr. v. Stein 1, 102; liebste, solche fährlichkeiten hat dein flüchtger freund bestanden. Rückert
ges. ged. 1, 359; dasz er unter gottes beistand zwar mit ehren bestehen und die dame retten, aber auch irgend einer fährlichkeit nicht entgehen würde um des willen, was die dame im sinn zu thun gehabt. Eichendorf
Lucanor 12; Saxo selber hat nur für die fährlichkeiten ein recht helles auge, in welchen die heldenbrüder Absalon und Esbern so immerdar die ersten waren. Dahlmann
dän. gesch. 1, 299.