ERWÄHLUNG f. mhd. erwelunge.
mnd. erwēlinge.
abl. von erwählen
vb.; z. t. beeinflußt von lat. electio
f. –
gegenwartssprachlich gehoben, nur noch in der bed. 1
gebraucht. 1
auserwählung, das auserwähltsein. überwiegend religiös: hs.E12.jh.
primus Petrus apostolus nec Paulus impar gratia electionis uas sacre Petri adequauit fidem (gl.:) vngelich genade erwelvnge vaz heiliger
cod. pal. vind. 2682 2,52 LGF. ⟨2.h13.jh.⟩ got hât si erwellet und fúr welt .. disú wort sint gesprochen zuͦ aim ieglichen saͤlgen mentschen, und sint drú ding dar an ze merkenne. daz erst ist dú erwellung; daz ander ist dú fúr erwellung; ..
st. georgener prediger 119 DTM.⟨1343/5⟩⟨
nd./md.or. 1250/75⟩ wan der him̄elsch vatter beschirmde dine
(Marias) kintheit mit der vordahtekeit siner alten erwêlunge Mechthild v. Magdeburg
65 M. u1466 jdoch die vorgeordent erwelung, als in
(Markus) gott erwelt hat
1. dt. bibel 1,119 LV. ⟨v1510⟩ dem volck des neüwen testaments, da do beruͤfft zuͦ der ewigen seligkeyt, .. so ist es auch kommen in die erwoͤlung der kinder Israhel, nit auß eygnem verdienst, sunder vß gnaden gottes Geiler
pater noster (1515)E1c. 1637/41 also wirst du auch erkenen und sehen, wie du erwölt bist zue den werken der dugenten on dein verdienst. also sollent sie auch in der zeit gewirkt werden in dir, dan ungewohnliche, ewige erwöllung last nimer ruen
chr. Villingen 122 LV. 1722 daß die uneinigkeit in diesen beyden stücken (der erwehlung und verwerffung) nicht fundamental sey, werden unsere der augspurgischen confession beygethane brüder erkennen müssen
einl. kirchen-staat 2,464. 1845 daß infolge der göttlichen prädestination .. eine göttliche gnadenwahl der einen vor den andern stattfindet. und diese erwählung erscheint allerdings zunächst als eine bevorzugung der einen vor den andern Rothe
ethik 2,256. 1975 jene gemeinschaft, in der alle ‘miteinander’ die herrlichkeit gottes sehen sollen,
(wird) durch die erwählung der niedrigen und das gericht über die gewalttätigen geschaffen Moltmann
kirche 377. 2
auswahl, das sich-entscheiden für jmdn., etwas unter zwei oder mehreren möglichkeiten. a
prüfendes auswählen, aussuchen: 1367 begiͤr und andacht, di wiͤr haben zu sand Michels chirhen ze Haunoltstain gelegen in unsrer gepiet .., mit der erwelung unsrer begrebnuͤzz, di wiͤr da hin getan haben
ndöst. urkb. (1891)1,682. 1491 darumb wirtt die mittelmaͤssikait in der erwoͤllung der statt
(des erdbodens, in den man sät) allermaist geloptt, so sy in der nachpur schafft des gutten und des boͤsen
(erdreichs) gesetzt ist Oesterreicher
Columella 1,182 LV. 1565 in erwoͤhlung eines guͦten auffrechten
(geiß-)bocks, sol man fuͤrnemlich acht geben, daß er ein stumffe naß .. vnd zottechte rauche foderbuͤch habe Heyden
Plinius 261. 1603 auff vogelgeschrey, trewme, beschwerung, segnerey, vnd sonderlicher tage erwehlung
(für bestimmte vorhaben nach astrologischen aspekten) sol kein frommer christ achten, noch etwas darauff halten Spangenberg
Bonifacivs 44b. 1774 entdeckt man nun durch die angestellte untersuchung die stärkern und schwächern theile der festung, so haben wir davon bey erwählung des eigentlichen orts des angrifs .. mannigfaltige vortheile Struensee
kriegsbaukunst (1771)3,92. b
wahl in bezug auf das eigene handeln, verhalten, entscheidung für eine bestimmte lebensform u. dgl.; älter religiös im sinn von ‘
eigener wille eigenmächtiges wollen’,
im unterschied zum willen gottes: ⟨u1400⟩ wo erleuchte menschen seyn mit dem waren liecht, dy bekennen, daß alleß, daß sy begeren mugen oder erwelen muͤgen nichtß ist .. dar umb so lassen sy alle begerung und erweͤlung und befeͤlen und lassen sich und alle dingk dem ewigen gut der Franckforter
15 U. 1523 also hatt yderman im selbs ein eygene weyß furgeschlagenn, damitt er seligk will werdenn, welches alles geschehen ist durch menschen leer und eygen erwelung, .. do sehen wir dann und werden gewar, das unnser dingk nichts ist
(bearbeitung) Luther
w. 12,433 W. ⟨1672⟩ es bestehet aber die klugheit vornehmlich in erwehlung des guten und vermeidung des bösen Weise
erznarren 222 HND. 1772 da dieser
(christliche) glaube .. seine reichlichen beweise hat, jedoch so, daß man sie mit moralischer bemühung suchen muß, und nur bey erwehlung eines willigen gehorsams gegen den willen gottes .. einsehen .. kann Crusius
moraltheol. 1,308. 3
berufung jmds. in ein amt durch wahl, abstimmung; auch der offizielle wahlakt. hauptgebrauch bis ins 19. jh., im 20. jh. veraltend: v1383 wen dy XXIIII
er man eynyn richter kyzin in der gerbkamer, zo zullin zi auch czwelf burger czu zeczczin, alle iar dem richter czu steuͤre, das das dorf bey rote bleyb; vnd wer sich der derwelaunge wert, das man von dem zul nemyn czehin mark
stadtb. Zipser Neudorf 69 W. ⟨u1460⟩ do die zeitt der erwelung eines bischoffs kom, do ward die wal von allen thuͦm herren doselbs zu Kóllen in vier manne hennde empfolchen und genczlich ergeben Hartlieb
dialogus 72 DTM. 1523 im anfang des december kamen mär, wie der cardinal de Medicis zu pabst erwelt war worden, vnnd hiess Clemens, aber auf dissmal sind die cardinal lang in conclave oder in der erwellung gebesen
font. rer. austr. I 1,464. 1678 deßwegen die churfürsten allezeit vor erwehlung eines römischen kaysers schwehren müssen, daß sie durch göttlichen beystand einen kayser wehlen wollen, der tüchtig sey des christlichen volcks wolfahrt zu befördern Teutoburg
hahn 24. 1776 die erwählung des grafen Heinrichs von Luxemburg zur römisch=teutschen kaiserwürde
geschichtforscher 3,133 M. 1851 auf ganz dieselbe konfusion stoßen wir in Jacoby’s bekanntem antrage nach der erwählung des erzherzogs Johann zum reichsverweser Walter
größen (1850)2,187. 1914 zur zeit der vor Rudolfs von Habsburg erwählung herrschenden wirrnisse Bauer
öffentl. meinung 227. Albrand/Arbeitsstelle