Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
erligen stV.
1.1 ‘ermatten, kraftlos niedersinken; entkräftet sterben’
1.2 ‘unterliegen, besiegt werden’
1.3 mit Negation und einem abhängigen Satz: ‘nicht müde werden, etw. zu tun, nicht von etw. ablassen’
1.4 mit wort, zunge als Subj.: ‘versagen’
2 tr. ‘jmdn. (Kind) durch Liegen erdrücken’
1 intr. 1.1 ‘ermatten, kraftlos niedersinken; entkräftet sterben’ erligen: infirmentur PsM 57,8; swer verre rîten sol, der binde verbenam unde artimesiam dem ross umbe den schoph, zwâr, ez erlît nimmer, ez enwirt ouch nimmer ze ræche Barth 151,1; Mühlh 157,12; EnikWchr 25952; Prothefisaus was erlegen. / er hette strites fil gephlegen Herb 4469; Kurnevâl leit eine die nôt: / daz he nicht irlag tôd, / daz was ein michel wundir Eilh (L) 4554; Tauler 83,32; verzich iar nach deme tage / do mit engestlicheme slage / Cristus an deme cruce erlac Pass I/II 268,70. – an/ in/ûf dem wege u.ä.: mich erbarmet daz volk, wane sie min gebeitit habn dri tage und habn niht das sie gezzin; und laz ich sie vastinde wider zu irme huͦs, so erligen sie an dem wege PrLpz 113,16; Mechth 4: 20,10; Macer 97,9; Gauriel 3942. – an etw., von/ vor etw.: wan woͤlter der mensch alletage vaston, woͤlter alle zît wainon, [...] iubilierin und contemplierin, so wurde der mensch ainez iârez also kranch, dc er dez anders iarez muͤze erliggen an dem dienste unsers herren. [...] dez wil got niht PrSchw 2,15; er hette strites fil gephlegen. / ie doch er es noch vil faste pflac, / biz er von krancheit erlac Herb 4472; SHort 3184; vor hunger und vor müede daz ros im dâ erlac, / im mohte niht gehelfen swaz er im slege sluoc WolfdA 460,2. – bildl.: sin husvrowe ein kint entfienc, / des vreuten si sich beide, / wande si ir alde leide, / die in zv ho waz e gestigen, / hoften mit dem kinde erligen Pass I/II 378,43 1.2 ‘unterliegen, besiegt werden’ wenne der selbe alder degen, / die krichen weren gar erlegen Herb 1360. 7641. 8915; diͤ rose röt, diͤ lilje wizet, / ir iͤweder sich sere vlizet, / dat si müg behalden ’n sigen, / ir enweder ’n wilt niͤt erligen MarlbRh 127,8; also erlagen min viend alle, / ind ich wart behuͦd vür allem valle ebd. 106,7; sü tribent so lange daz herte spil, / daz Arides erlegen waz gar / und langete Parzefal sin swert dar / und bat in sin gnode han ParzRapp 771,15. – ~ tuon ‘besiegen’ sin wapenroc he van dir entfiͤnc, / damit de küninc ze stride giͤnc. / in deme roc behiͤlt he ’n sigen / ind ded den bösen vürsten erligen MarlbRh 58,36 1.3 mit Negation und einem abhängigen Satz: ‘nicht müde werden, etw. zu tun, nicht von etw. ablassen’ also sulen diͤ megde reine / ilen zuͦm brüdegumen aleine [...]. / niͤmer ’n sal ir herz erligen, / si sulen loufen, si sulen vliͤgen MarlbRh 64,21; engeine wis si niͤt’n erlegen, / bitz si dinen liͤven gesegen ebd. 65,1 1.4 mit wort, zunge als Subj.: ‘versagen’ so sere weinte er da mite / daz im daz wort vor leide erlac Vät 34359; diu künigîn dô sêre erschrac, / daz ir zunge gar erlac / und gereden niht enmohte Heidin IV 840 2 tr. ‘jmdn. (Kind) durch Liegen erdrücken’ ob ez [das Kind] diu muoter die wîle iht erdrücke oder erlige sô sie ez söugen wil über naht oder in der naht PrBerth 1:32,9
MWB 1 1993,11; Bearbeiter: Tao