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ERGIESZEN

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Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)

ERGIESZEN vb.

Bd. 8, Sp. 1762
ERGIESZEN vb.  (1) ahd. irgiozan, mhd. ergiezen. präfixbildung zu gießen vb. (2) das wort wird in der bedeutung 1 trans. gebraucht; in der bedeutung 2 refl. (seit dem 11. jh.), ahd. und mhd. auch intrans. (3) -eu- formen im sing. präs. begegnen bis anfang 19. jhs., seit dem 17. jh. überwiegend poetisch. (4) hauptbedeutung ist 2, ‘fließen, strömen’; ahd. häufig in glossen für lat. redundare, abundare, intumescere u. ä. (vgl. ahd. wb. 4,280 f.). die dem hauptgebrauch des basisverbs gießen näher entsprechende bedeutung 1 ‘fließen machen’ ist von bezeugungsbeginn an seltener. vgl. lat. (ef)fundere ‘gießen’, (ef)fundi, se effundere ‘fließen’. – frühbelege in isolierten glossierungsbezügen: 8.jh. effusus irkozzan ahd. gl. 1,131,9 S./S. 8./9.jh. redundabit arkiuzzit ebd. 1,290,27. 1 fließen machen. trans.; nhd. überwiegend gehoben. a vergießen, hervordringen lassen. selten: u830 thiz ist min (Christi) bluot .., thaz dar furi iuuuih inti manage uuirdit ergozzan (effundetur) in forlaznessi suntono Tatian 2160,2 S. 1682 drum last das angesicht den thränen=fluß ergiessen Weise reiffe gedancken 497. 1725 die freuden-thränen, die des Jordans aug’ ergoß Triller betrachtungen 1,566 H. 1759 ergeuß von neuem du, mein auge,/ freudenthränen Klopstock oden 1,135 M./P. b ausgießen, ausschütten. häufig in licht- und flüssigkeitsmetaphern, verströmen, verbreiten: u1300 der claren sunnen gliche,/ di ir schin erguzet,/ daz er alumme fluzet hl. Elisabeth 2851 LV. ⟨u1330/40⟩ (gott,) irgîz in râche dînen zorn/ ûf dî (heidnische) dît, dî dich .. nicht betin an (vgl. Jer. 10,25) Nicolaus v. Jeroschin kronike 9147 S. ⟨1401/17⟩ wenne ich (gott) ouch nicht irgysse di grose der susikeit und wollust, di do ist in dyner sele und in dyme herzcen, in di andirn dine geleet (glieder) so wirt dine nature beswert script. rer. pruss. 2,237.dr. 1637 wann der wolcken rhöre knallen/ vnd ergiessen jhre bach Opitz in: kirchenlied 1,246b F./T. ⟨v1678⟩ also kan auch der himmel .. nichts würken; wann er nichts hat, wohin er seinen samen ergiesse. dessen fruchtbare empfängnis-mutter ist die erde Butschky rosen-thal (1679)821. 1771 daß sie (drüse) mehr feuchtigkeit absondert, und zwischen die augenlieder ergießt Morgagni, krankheiten 1,629. 1795 übrigens sind gegenwärtig die hundsposttage das werk, worauf unser feineres publikum seinen überfluß von beyfall ergießt Goethe IV 10,347 W. ⟨1862⟩ die reformatoren, wenn sie über so manche satzung der alten kirche ihren spott ergossen Strausz ges. schr. 5,324 Z. 1912 striche des Atlantischen Ozeans .., durch die dieser mächtige meeresstrom (Golfstrom) fließt, ehe er seine wassermassen in das norwegische meer ergießt Amundsen, Südpol 2,916. 1971 (die) entwicklung Portugals .. zu einem weltreich, das .. ungeheure reichtümer ins mutterland ergoß Häusler Heinrich 131. –phraseologisch (vor) jmdm. sein herz ergießen ‘sich jmdm. rückhaltlos mitteilen’. vgl. häufigeres jmdm. sein herz ausschütten. im anschluß an ps. 61,9; 1. reg. 1,15: ⟨u1370⟩ hoffet in got vnd ergiszt vor im ewer herczen (effundite coram illo corda vestra) Johann v. Neumarkt 2,156 K. 1797 eh’ Hermia meinen liebsten mußt’ entführen,/ ergoß er mir sein herz in tausend schwüren A. W. Schlegel Shakespeare 1,186. ⟨1846⟩ zu der bäume füßen/ knien konnt’ ich nicht, und frei mein herz vor gott ergießen Freiligrath s. w. 8,44 Sch. 2 fließen, strömen. meist refl., ahd. mhd. auch intrans. a über eine begrenzung hinwegfließen, stark anschwellen und über die ufer treten, eine überschwemmung verursachen: 10.jh. (mare) non redundat irgivzit ahd. gl. 1,545,4 S./S. 11.jh. proluit ergoz sich ebd. 2,688,7. ⟨1250/4⟩ Egipte das lant/ .. ez fúhtet mit dem vluze sin/ Nilus der da durh flúzit:/ er wahset und irgúzit/ so sere das er dan und dar/ das lant ubirvlúzit gar Rudolf v. Ems weltchr. 2013 DTM. ⟨1315/23⟩ daz kint .. quam an einen bach des selbin dorfis, der hatte sich ergozzin also sere daz daz kint dar in vil unde ertranc Köditz hl. Ludwig 97 R. ⟨1421⟩ in demselben jare sso ergoss sich der Reyn zu male gross, das her gyngk obir den fischmarckt zu Mentze Rothe düring. chr. 215 L. ⟨1535⟩ denn dis woͤrtlin ‘torrens’ heisst ein wasser oder bach, so da geschwind und starck leuͤfft und rausschet, als das sich von starckem regen ergossen und jnn vollem strom daher feret und reisset (nachschr.) Luther w. 41,234 W. 1572 solches wetter war .. auff den ersten tag junij, mit gewaltigem regen vnd grossem gewesser, vnd acht tage hernach, regnete es drey tage an einander, dauon abermal die wasser sich sehr ergossen Spangenberg mansfeld. chr. 1,480a. 1669 etliche bäume .., auf deren obersten gipfeln und zweygen noch von dem binsen, graß und moß hieng, welches die ergossene hohe wasser, wenn sie wieder ablauffen, zu hinterlassen pflegen Francisci blumen-pusch 55. 1726 der Propontis Bosphorus, Pontus Euxinus und Mare Maeotis haben in Griechen= und Scythen=Land sich weit und breit ergossen, und alles unter wasser gesetzet Pock gold-grube 3,7. 1784 seine empfindungen waren glühend und stark, sie ergossen sich gleich dem strom, der im früling sein bette verläßt, und über grüne wiesen hinweg rauschet Knüppel rechte 232. 1823 mag nun fürder der bach anschwellen, so wird er raum finden sich zu ergießen, und ohne widerstand .. über die flachen .. ufer hingleiten Schwerz ackerbau 1,455. b stark, in breitem strom fließen, sich fließend, strömend, in großer menge in oder über etwas ausbreiten. häufig in metaphern wie unter 1 b. hauptgebrauch: ⟨1287/8⟩ mer noch funden die jungen (im burggarten)/ zcwey wesserlin ensprungen,/ die durch die burg flossen/ vnd nach willen sich ergossen,/ als der eyn meister het erdacht,/ der das mit kunst hett tzubracht Ulrich v. Etzenbach herzog Ernst D 2438 H. ⟨E13./A14.jh.⟩ swenne sich daz götlich lieht in die sêle ergiuzet, sô wirt si mit gote vereinet dt. mystiker 2,406 P. ⟨u1410/33⟩ ye doch reit ich dem brunnen nach/ vnd synes wassers fliessen,/ bis ich den rechten vrspring sach/ uͦsz hartem velssen ergiessen Muskatblüt 71,10 G. 1524 wenn sich die götlich lieb in eines menschen hertz offenbaret, vnd ergeüsset Karlstadt schr. 1,57 HND. 1585 nach dem aber die Sclauen, nach Attilae todt, sich in diese lande ergossen, haben die alten eynwohner .. dise statt verlassen Rätel schles. chr. 2,14.dr. 1653 du (gott) siehest an das lechtzende gefilde/ vnd wässerst es gantz gnädiglich und milde;/ du gibst befehl, daß sich die wolckenfluth/ ergiessen sol, als wie sie jtzt auch thut kirchenlied 4,96 F./T. 1668 das der heil. geist am ersten pfingstfest neues testamentes in gestalt feuriger zungen über die jünger des herrn Jesu sich ergossen Ch. Schultze Gardelegen 219. 1739 wenn grosse flüsse sich in das meer ergiessen, bringen sie viel sand und kieß mit, so bey dem einfluß sich zu boden setzt Häckhel welt-beschr. 1,881a. ⟨1794⟩ während der fahrt sahen wir beständig den Aetna gerade vor uns, und in den dunkeln stunden ergoß sich vor unsern augen der rothe gluthstrom Stolberg (1820)9,225. ⟨1861⟩ eine glühende röthe ergoß sich über ihr gesicht Spielhagen s. w. (1872)2,208. ⟨1915⟩ daß .. aus der umgeworfenen .. kanne der kaffee in vollem strome auf den teppich sich ergoß Kafka erz. [1946]91. 1979 motorvehikel aller art, die sich im rhythmus von arbeitsbeginn und feierabend .. wie eine naturgewalt über das autobahnnetz ergießen zeit 21,25. c aus einem gefäß, adern, organen austreten, dadurch krankhafte flüssigkeitsansammlungen, -stauungen im körper bilden. medizinisch: ⟨1656⟩ dem blut, so aus den lufft=adern in die nechsten oerter, und zwischen fell und fleisch sich ergiesset J. Schmid speculum (1675)76. 1680 die eigentliche indisposition nun, so der herr vater seelig erlitten, ist in dem bestanden, daß sich die schwarze gall in im ergossen und also starckhe alterationes und fieber verursacht Rost tgb. 45 H. 1765 das .. blut, wenn es irgendwo stockt, oder sich ergießet, (kann) kranckheiten und selbst den tod verursachen Brookes, artzneygelahrtheit 1,64. 1791 dafür fühlte ich aber auch meine galle über und über ergossen, als ich in dem hotel anlangte Thümmel reise (Leipz.)1,70. 1842 die wunde .. hatte hier (im schädel) eine .. oeffnung gebildet, in deren umfang etwas blut ergossen war Hitzig/H. Pitaval 2,6. 1930 das gleiche gilt für knochenbrüche .. (der lebende organismus) schafft das ergossene blut, die abgestorbenen gewebsteile fort Liek wunder 47. d phraseologischer gebrauch; zu a und b. die, jmds. augen ergießen sich ‘überfließen, weinen’: ⟨1271/86⟩ sîn herze dolte swære pîn./ sich erguzzen im die ougen Ulrich v. Etzenbach Alexander 15355 LV. ⟨u1300⟩ ouch vloz mit richer unde/ die bach von dem herzen us,/ .. die ougen sich erguzzen,/ so daz die trene vluzzen/ hin nider mit gewalde passional 544b K. 1783 (der freund,) dessen auge sich ergoß,/ wenn mir nacht die seel’ umfloß,/ dessen brust, wenn freude quoll,/ sympathetisch überschwoll Matthisson ged. 1,67 LV. – jmds. herz ergießt sich ‘strömt über vor starken gefühlen’ ⟨u1336⟩ da die lebenden brunnen fliessent/ und sich alle minende hertzen ergiessent/ die sich im (Christus) alain gebent Stagel 65 DTM. 1606 nun mag ich .. jhm (gott) meine noth klagen, vnd gewieß schliessen, sein vaterhertz werde sich mit väterlicher liebe gegen mir ergiessen Herberger passionzeiger (1611)104. 1792 wie .. ihr theilnehmendes herz sich nun so frey und allgemein ergießen kann F. H. Jacobi Allwill 1,81. 1894 in einem jubellaut ergießt/ ihr herz sich Schack episteln 52. – sich ergießen (in etwas) ‘wortreich reden, sich ergehen’ 1776 (er) hätt’ auch eine zunge, die sich ergoß,/ und leicht und fein in worte floß Goethe I 16,123 W. 1797 soll ich dir weitläuftig schreiben, wie das gelobte land Italia beschaffen sey, und mich in unzusammenhängende bewunderungen ergießen? Wackenroder herzensergießungen 180. ⟨1855⟩ der sonnenwirt tobte und ergoß sich in verwünschungen Kurz s. w. 6,34 F.Albrand
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    ergieszen

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    ergieszen , effundere, goth. usgiutan, ahd. argioʒan, irgioʒan, mhd. ergieʒen, alts. aber nicht mehr âgiotan, sondern ût…

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