ERBTEIL m., n. mhd. erbeteil.
mnd. ervedele;
nnl. erfdeel.
zuss. mit erbe
n. älter selten in den nbf. erbenteil, erbeteil. 1
teil einer hinterlassenschaft, anteil an einem erbe: ⟨n1172⟩ ih binz der gutswende,/ der in dem ellende/ sin erbeteil verwesen hat
litanei S 21197 K. ⟨u1200/10⟩ swer ie dâ pflac der lande,/ der gebôt wol âne schande/ (daz ist ein wârheit sunder wân)/ daz der altest bruoder solde hân/ sîns vater ganzen erbeteil Wolfram
Parzival 65,5 L. ⟨1328⟩ er hât in das erbtail verworcht an dem grozzen mord, daz er getân hât Ruprecht v. Freising
rechtsb. 38 C. ⟨14./15.jh.⟩ do sy sturbent do huͦb er den erbtail allen uff
historienbibeln 2,527 LV. 1539 vatter vnnd mutter honnd aber nit gwalt, einichs irer eelicher kinden ze enterben vnnd sins erbtheyls gar ze beroubenn
rechtsqu. Bern I 1,295. 1692 der verlohrne sohn hat sein gantzes erbtheil hindurch gebracht Abraham a
s. Clara
Judas (1686)3,80. ⟨1829⟩ ein bürger Frankfurt’s hatte ein juwel,/ das ihm als erbtheil zugefallen war Deinhardstein
ges. dr. w. (1848)6,127. ⟨1925⟩ wer hat gesehen, daß die angeklagte ihrem verewigten gatten statt zucker gift in den tee schüttete, um sich unrechtmäßig knabe und erbteil anzueignen? Klabund
nachdicht. (1930)158. 1976 du kannst in ruhe dein erbteil genießen Hagelstange
filou 175. –
erblicher, vererbbarer (grund-)besitz, besitzrecht: ⟨u1230⟩ als sie
(sælde) in ir wirde saz/ .. ûf einem rîchen palas,/ dâ ir wesen ûf was,/ und mit ir ir kint, daz heil,/ mit gar gelîchem erbeteil Heinrich v.
d. Türlin
krone 22868 LV. ⟨u1300⟩ der vater enpfing do sin kint/ lieplich in gotlicher dat,/ als er der sinen sun hat/ zu einem kempfen uz gesant/ zu vehten in ein ander lant,/ striden umb sin erbeteil Heinrich v. Neustadt
zukunft 4707 DTM. 1425 dorkegin hat her ym vorzaczczet seyn erbeteil, beide, haws vnde hoff
stadtb. Zipser Neudorf 108 W. ⟨1571⟩ den huͤtern vnd waͤchtern der statt vnd des tempels hat er erbtheyl im land vnd alle jar eyn bestimmte summa gelts zu jhrer vnderhaltung verordnet Lautenbach
Josephus (1575)171a. 1666 diesem lagen die fürsten, die gern unruhe im reich gesehen, hefftig an, er solte ein bässeres erbtheil vom kaiser begehren Weller
adler 112. 1750 er .. ermahnte sie, .. ihre eigene herrschaft zu behaupten, und sich den besitz dieses landes, ihr unwidersprechliches recht, und ihr altes erbtheil zu versichern
beschr. Neu-Schottland 123. 1837 die reiche, mächtige stadt, das alte erbtheil der Billingen Havemann
gesch. Braunschw. 1,121. 1879 der große augenblick, da das seit Richelieu so unnatürlich verrenkte gleichgewicht Europas wiederhergestellt und den Deutschen ihr altes erbtheil zurückgegeben werden konnte, ward versäumt Treitschke
dt. gesch. 1,787. 1927 als erbteil wollen wir das lehn behalten Ernst
kaiserb. (1923) 2,1,121. –
im religiösen sprachgebrauch, vom ewigen leben u. dgl.: ⟨u1227/47⟩ verdienestû der sêle heil,/ des himels vröuden erbeteil/ besitzestû: daz wizzest sicherlîchen! Reinmar v. Zweter
191,11 R. ⟨1434/9⟩ du .. hast vns dir zu kindern erwelt, das wir mit deinem lieben kinde schüllen besiczen den ewigen erbtail Peuntner
betrachtungen 28 R. 1548 der glaub an Jhesum Christum bringt vns zu solcher hochwirdigen kindschafft vnd zu diesem herrlichen erbteil Rhaw
hortvlvs F1a. 1647 gott der herr
(hat) auß dem gantzen menschlichen geschlecht zu seinem erbtheil angenommen die 12. stämmen Israëls Hottinger
wägweyser 1,141. 1752 ich will die heyden zu deinem erbtheil geben, und zu deinem besitz die gränze der erden Greneck
theatrum 45. ⟨1825⟩ das evangelium bringt euch ein geschenk, ein erbtheil Rothe
nachgelass. pred. 1,208 Sch./B. 2
das von den vorfahren, im rahmen einer tradition überkommene. a
bestimmte eigenschaften, merkmale. jünger auch im sinne der vererbungslehre: 1532 den erbtayl guͦts geruchs
Petrarca, artzney 63a. 1738 und wie, seit Evens näscherey,/ der weiber erbtheil leiden sey Hagedorn
fabeln 190. ⟨1864⟩ diese stämme haben alle den männlichen trieb der thatenlust als erbtheil empfangen E. Curtius
alterthum (1875)1,133. ⟨1897⟩ und besser wollen wir erzwungne muße/ mit leben füllen, als ratlose trägheit,/ des pöbels erbteil, tag um tag vergeudend,/ es je vermöchte, und mit größrem fug G. Hauptmann
(1942) I 3,140. 1971 die entscheidenden, humanität begründenden fähigkeiten des menschen .. sind .. natürliches erbteil von seinen tierischen ahnen her Szczesny
d. gute 91. b
politische, kulturelle tradition, vermächtnis: 1779 die maurer, die an diesem berühmten gebäude gearbeitet haben, .. mußten selbst dadurch berühmte leute werden, und diesen ruhm ihren kindern als erbtheil hinterlassen
d. flammende stern 1,13. 1873 die republik nahm 1849 das glorreiche erbtheil der monarchischen ueberlieferungen wieder auf W. Menzel
jesuitenumtriebe 44. 1914 Altchina aber hat dieses erbteil einer naturreligion .. in einer weise betreut und veredelt, die zu hochachtung zwingt Mackay
China 52. 1976 es ist freilich nicht das schlechteste erbteil der antiautoritären revolte, daß ihre nachfahren sich dieser art von unterwerfung unter eine parteilinie widersetzen Sontheimer
elend 167.Peperkorn