Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Empfindsamkeit
Empfindsamkeit
empfinden Vb. ‘sinnlich wahrnehmen, fühlen, spüren, (leidend) erfahren’, ahd. intfindan (9. Jh.), mhd. enphinden, entvinden, Präfixbildung (s. ent-) zu dem unter finden (s. d.) behandelten Verb in unterschiedlichen Verwendungen für Vorgänge der sinnlichen Wahrnehmung wie für psychische Erlebensweisen. – empfindlich Adj. ‘leicht erregbar, anfällig, spürbar’, ahd. intfindlīh ‘leidensfähig, leidend’ (um 1000), mhd. enphintlich ‘mitfühlend, fühlbar’, also dem Verb in unterschiedlichen Auffassungen folgend, einmal ‘fühlbar, (leicht, stark) zu empfinden’ (empfindlicher Frost), wozu sich ein adverbialer Gebrauch ‘stark, sehr’ (empfindlich kalt) stellt, dann ‘leicht empfindend, der Empfindung fähig’, was sich zu ‘anfällig’ weiterentwickelt; ein Teil dieser Verwendungen wird im 18. Jh. von empfindsam (s. unten) übernommen. Empfindlichkeit f. ‘Verletzlichkeit, Feinfühligkeit, Anfälligkeit’, spätmhd. enphintlīcheit ‘Wahrnehmung durch das Gefühl’. empfindsam Adj. ‘zartfühlend, gefühlvoll’, im 18. Jh. für gleichbed. engl. sentimental verwendet und zusammen mit dem folgenden Substantiv zum Modewort werdend; durchgesetzt seit Bodes Übersetzung (1768) von Sternes “A Sentimental Journey through France and Italy” (Yoricks empfindsame Reise); vgl. in: ZfdWf. 6 (1904/5) 306 f. Empfindsamkeit f. ‘Zartgefühl, Feinfühligkeit’ (18. Jh.), insbesondere Bezeichnung für eine von England ausgehende Strömung starker Gefühlsbetonung. Empfindung f. ‘Wahrnehmung, Gemütsbewegung, Gefühl’, spätmhd. enphindunge.