Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
einvaltec
2 ‘schlicht, einfach, arglos’
2.1 personenbezogen
2.1.1 oft im Hinblick auf Verstand und innere Haltung
2.1.2 bezogen auf Lebensführung und Handeln ‘schlicht, unwissend’
2.2 nicht personenbezogen ‘schlicht’
3 Adv.
3.1 ‘einmal’
3.2 ‘ohne Umschweife’
1 ‘(in sich) eins, unteilbar’ o wi einualdige trinitas, / ein gewaldiger got Litan 173; einfaldig got, doch in personen drie Mügeln 172,10; daz si [die Seele] zu file geteilit ist, daz si nicht einualdic inist Eckh 3:470,10. – ‘ungeteilt’ daz weip [des Krebses] hât den êrsten fuoz gespalten und der man hât in ainvaltig und ungespalten BdN 248,34. – ‘unvermischt, rein’ ein ercenie ist einfaltic, als si di nature hat gemachet. di ander ist zu samne gesetzet uon menschlichem sinne SalArz 81,44 u.ö.; Ipocr 11; ez ist ain frâg, wie sô mangerlai kraut auz der erden wahs, seint diu erd neur ainerlai ist, wan si ist ain ainvaltigz element BdN 378,7; StRAugsb 196,22. 196,19 2 ‘schlicht, einfach, arglos’ 2.1 personenbezogen 2.1.1 oft im Hinblick auf Verstand und innere Haltung: syt dorumme wyse alse dy slangen unde eynveldik alse dy tubyn [Mt 10,16] EvBerl 142,21; Abel was einvaltich unt semfter, [...] / an nehein ubel er nedahte Gen 614; MarlbRh 83,15; FvSonnenburg 1,7; si [Maria Magdalena] brante sere in einvaltiger minne sunder hohe bekantnisse himelscher dingen Mechth 5: 23,185; wîlen was man ungewon / valschlîcher minne; / mit einvaltigem sinne / minten si ein ander dô Wig 10248; ain waltrint. daz hât ainen ainvaltigen sänften anplik, aber ez ist gar [...] grimmig, sô ez zornig wirt BdN 123,11; ob man einvaldige vornimet / den sin ane tiefe list [tiefere Einsicht] HeslApk 17434. – ‘rechtschaffen’ so sol mir vnd avch meinen ereben wandel vnd pvezz dar avf gen als ainem ainvaltign lantmann UrkCorp (WMU) 2544,38; da sol niemen geziuk umbe sin wan einvaltige burgaer unde niht uzlute StRAugsb 139,5; iren einfaltigen worten zuͦ gloubende sin sol StRSchlettst 53. – ‘unbedacht, einfältig’ man sol die huote kêren / an irriu wîp und an kint, / diu sô einvaltec sint / daz sî eins alten wîbes rât / bringen mac ze missetât Iw 2896; dô was daz liut einvaltic, / daz twanc er [Jupiter] in sîn gebot RvEBarl 9952; daz Symon des tuuels knecht / treib so groz vnreht / vnder einueldigen schafen Pass I/II 172,35 2.1.2 bezogen auf Lebensführung und Handeln ‘schlicht, unwissend’ einvaltic volc und arm persônen JvFrst 6141; wan si ungelert læut waren und einvaltich PrOberalt 114,22; ez waz ein dore einveldich an uzerlichen und zu werltlichen dingen HlReg 76,15; wan ich der kunst einvaltec was / der er [der Abgesandte des Teufels] mir vil vor las Vät 8687 2.2 nicht personenbezogen ‘schlicht’ unde sol auh kein lodwaeber [...] kain tuch ziugen wan von einvaltiger wolle StRAugsb 42,6; UrkCorp (WMU) 548ABC,10,36; Elizabet die gute / einen einveldigen mantel nam / uf ir houbet Pass III 619,77. – bezogen auf die Bibel: der reine (nicht bearbeitete, nicht glossierte) Text: ditz buch hat di heilige cristenheit zuͦ ir genuͦmen [...] nach dem einualdigen texte EvBeh Einl. 16. Einl. 18. – einfache Wunde (nicht blutend und ohne schwere Folgen, vgl. DRW 2,1379): wer sich um einvoltigeu wunden unschuldigen will StRBrünn 358(2x) 3 Adv. 3.1 ‘einmal’ daz sol er im mit der zwigvͤlt gelten, [...], ez si danne, daz er niht fvͤrbaz muͤg, so soll er den schaden einvaltigen gelten UrkCorp (WMU) 475A,34 3.2 ‘ohne Umschweife’ die, die da geordent sint zuo haben daz ewig leben, die sint einveltig [ simpliciter ‘schlichtweg’ ] beschriben in daz buoch dez ewigen lebens ThvASu 290,16
MWB 1 1554,51; Bearbeiter: Diehl