Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
durfen
1.1 mit Gen.d.S.
1.2 mit Akk.d.S.
2 Modalverb, mit Inf.
2.1 i.d.R. in negierten oder dem Sinn nach negierten Sätzen
2.1.1 in negierten Sätzen (die Übergänge zwischen den einzelnen Bedeutungspositionen sind fließend)
2.1.2 in dem Sinn nach negierten Sätzen
2.2 vereinzelt in nicht negierten Sätzen
1 Vollverb ‘brauchen, bedürfen, nötig haben’ 1.1 mit Gen.d.S.: man darf der priester wol, da man die buze nimt Frl 5:36,7; Mügeln 51,17; man dorfte da niht der spise Herb 10806; des darf ich zv note, / daz man erkenne da bi, / daz ich ein frowen ritter si ebd. 9511 1.2 mit Akk.d.S.: dâ darf ich guͦte helfe zuͦ Kröllwitz 2112 2 Modalverb, mit Inf. 2.1 i.d.R. in negierten oder dem Sinn nach negierten Sätzen 2.1.1 in negierten Sätzen (die Übergänge zwischen den einzelnen Bedeutungspositionen sind fließend): – ‘nicht (zu tun) brauchen’ (nicht nötig sein): ir nedurffet iu furhten, fride sî iu geheizzen Gen 2294; wer sein [des Rettichs] wurz izzt, der darf der slangen niht fürhten BdN 418,19; nieman ne dorfte urage / wer der keiser were; / nieman ne was ime gelich Rol 689; dune darft mir wizzen keinen danc Parz 68,4; Tr 2669. – ‘nicht (tun) können’ (nicht möglich sein): ezn dorfte nie wîbe leider / ze dirre werlte geschehen: / wand sî muose tôten sehen / einen den liebesten man / den wîp ze liebe ie gewan Iw 1312; mich darf durch geraete [Ausrüstung, Reichtum] nieman niden noch beschelten Tannh 14,54; het er die werlt alle mit sîner hant erslagen, / ich slahe in, daz erz widerspel nimmer mêre darf gesagen NibB 2272,4. – ‘nicht dürfen’ (nicht erlaubt sein): swaz sô si mit klage ervordernt oder ûf si geerbet wirt, des endurfen si niht besitzen [als Geste, die in anderen Fällen den Rechtsakt bestätigt] SpdtL 228,13; des wil man ir keinem ubersehen noch vertragen und darf auch niht fuͤrziehen, daz er umb dise setze niht enweste WüP 87,5; welt ir got minnen / mit einfaltigen dingen / so ne durfet ir neheinen zwifel han VMos 65,5 2.1.2 in dem Sinn nach negierten Sätzen – mit einer durch Litotes umschriebenen Verneinung: sîn strît si dorfte lützel müen Wh 393,19; habet ir laster unde leit / von mîner warlôsekeit; / von diu darf ich ez mâze clagen, / muoz ich daz laster mit iu tragen Tr 12473. – in Sätzen mit iht, ieman, iemer, die von einem negierten Satz abhängig sind, vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 129: sine wolten niemens terkîs [Köcher] / dâ sîn deheine wîle, / daz iemen sîne phîle / in si dâ dorfte stecken Wh 321,23; des enist kein nôt, daz man den minnenden und geminneten iht dürfe sagen Eckh 5: 241,6; Rol 5415. – in daz-Sätzen mit iht, die einen negierenden Sinn haben (aber nicht von einem negierten Satz abhängig sind, vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 129, 147): der in der meide wambe saz, / der wîse mich an bezzer stat, / daz ich den helleclîchen pfat / iht ze lange dürfe bern Wh 38,15; ir sult zu bichte kumen bald, / das uwer sel icht dürfe liden smerzen Mügeln 62,3; Parz 578,17 2.2 vereinzelt in nicht negierten Sätzen: dar zuo het im got gegeben / (deste gerner mohter leben) / den aller schœnesten lîp, / den man oder wîp / dorfte gewinnen Eracl 2921; disiu leit darf ringe wegen, / er sol hôher fröide enpflegen, / swer ein reine sælic wîp mac schouwen / sô daz sî mit stæter liebe in meine KLD:Kzl 6: 2,4. – mit ie: da wart der nitlichste champ / der uf der erde / ie dorfte gefrumt werde Rol 8514
MWB 1 1451,62; Bearbeiterin: Baumgarte