DWB2
DIEWEIL adv.,
konj. DWB2 (1)
ahd. dia wîla,
mhd. die wîle.
mnd. dewīle;
mnl. diewile, dewile,
nnl. dewijl;
afrs. thā hwīle;
ae. þā hwīle,
me. thā hwīle,
ne. the while.
zusb. aus der akkusativverbindung von der
pron. 1 a
und weile
f.; ahd. und meist auch mhd. noch getrennt geschriebene fügung. (2)
der dieweil
als adv. (1)
enthaltende satz ist immer, der von dieweil
als konj. (2
und 3)
eingeleitete konjunktionalsatz meist dem satz nachgestellt, zu dem der dieweil-
satz in temporaler oder kausaler bzw. adversativer relation steht. sofern korrelative beziehungen vorliegen, steht der dieweil-
satz dagegen, mit einer einschränkung unter 3 aα,
voran. (3)
die mhd. vorherrschenden temporalen bedeutungen des adv. (1)
und der konj. (2)
sind seit dem 16. jh. rückläufig, sie begegnen seit dem 19. jh. nur noch sporadisch und mit stilisierendem effekt. die seit dem spätmhd. entwickelte kausale bzw. konzessive bedeutung der konj. (3)
herrscht im 16. jh. vor, sie ist seit dem 17. jh. rückläufig und findet sich seit dem 19. jh. fast nur noch in poetischen texten. an die stelle der bedeutungen 2
und 3
des nhd. ungebräuchlich werdenden wortes tritt das aus dieweil
gekürzte weil
konj. DWB2 DWB21
temporales adverb. DWB2a dieweil
fixiert den eintritt oder begrenzt die dauer eines geschehens durch beziehung auf die zeit vor einem andern ereignis oder dem abschluß eines andern geschehens, das in einem eigenen satz ausgedrückt ist; bis zu dem zeitpunkt: v1022 nelâzent iuuih pelangen uuenne iuuih got reche an dien sundigen. vuesent dîa uuîla patientes Notker
3,1,168 ATB. u1200 über dise siben naht/ sô künd’ ich iu diu mære, wes ich mich hân bedâht/ mit den mînen friunden. die wîle sult ir gân/ in iuwer herberge und sult vil guote ruowe hân
nibelungenlied 131450,3 B./B. 1506 schreibt mir pald wider, wan jch hab dÿ weill kein rẅ Dürer
nachlaß 1,51 R. 1630 Amandus: ‘ich bin bald widerum bey euch, vnterdessen adiu’. Juliana: ‘mein herr ich bitt er wolle sich dieweil widerumb nieder setzen, ihm die zeit nicht lang zu deuchten sein lassen’
schausp. engl. komödianten 282 DNL. –als korrelat zu einem temporalen konjunktionalsatz: v1022
tum tantum cum audiuntur oblectant .. sint tîa uuîla lustsam. unz man siu gehôret Notker
1,1,81 ATB. u1430 die solten das land dieweil bewaren/ biss das sy wieder kemen gefaren Rothe
Elisabeth (1728)2062. 1521
(der fleischer) soll es
(das rind) diweil nit zerhagken, unz es an dem nagl beschaut ist
öst. weist. 14,335. DWB2b dieweil
fixiert beginn oder dauer eines geschehens innerhalb des zeitverlaufs eines andern geschehens, das in einem eigenen satz ausgedrückt ist; während dieser zeit: 863/71 thes ganges sie iltun gahun joh thaz grab gisahun, ../ tho ward sar thia wila mihil erdbiba Otfrid
V 4,21 E. u1200 der wirt hiez ze allen zîten riterscefte pflegen./ daz tet dô willeclîchen vil manec junger degen./ die wîle hiez er sidelen vor Wormez ûf den sant/ den die im komen solden zuo der Burgonden lant
nibelungenlied 13261,3 B./B. A15.jh. als sy die vinde ansichtig wordin, besamthin sy sich und hyldin den vinden czu angesichte bobin dry stundin. der koning schickte dy wyle dy heydin czu dem vorstryte
script. rer. pruss. 3,316. 1559/66 ich will .. vischen. so werden mir die rossbuͦben nach lauffen; so fahe du dieweyl ein ross Montanus
schwankb. 295 LV. 1781 lassen wir es zu, so wäre der fall erst in etwelchen
[]jahren .. – und wer weis was sich dieweil für eine gelegenheit ereignet? Mozart
br. 2,81 Sch. 1931 so lebten sie froh und unverdrossen im schutz ihres großen, verschwiegenen freundes .. ich lebte dieweil im exil, in Neustadt Heydebreck
wehr-wölfe 140. vereinzelt als korrelat zu einem temporalen konjunktionalsatz: 1160/70 nv wie moͤcht er weislicher getuͦn,/ wan daz er die weile do er den sun/ in seiner mvter bovche lac,/ der werlt als von erste phlac
anegenge 9,52 H. DWB22
unterordnende konjunktion, temporal. DWB2a dieweil
fixiert den eintritt oder begrenzt die dauer des im konjunktionalsatz ausgedrückten geschehens und gibt damit ein maß für die zeitliche begrenzung des im hauptsatz ausgedrückten geschehens an. DWB2α
auf den abschluß eines geschehens gerichtet solange wie, bis: v1022 phisiologi sagent daz pulli coruorum des touues lebeen. dia uuîla sie uuîz sint. unde fone iro parentibus ne-heina fuora neeigî
n. êr sîe suarz uuerdent Notker
3,3,1042 ATB. 1287 die sulnt dervone geben iergelichs ze cinse sehz schillinge .., duwile es vnder irn erben ist
corp. altdt. originalurk. 5,247 W. u1479 es ginge aber daran abe, daß herzog Ernst sich nicht wolle vorschreiben und geloben, daß diselben staͤte und schloͤsser Matthiaͤ offen sein solten, dieweil diser krig waͤrete Eschenloer
Breslau 2,336 K. 1595 welicher ouch den anderen, der inn siner kranckheit ligt, ettwas, welcherley das ist, verbietten wil, das sol nit krafft haben, diewyl der kranck in läben ist
rechtsqu. Argau I 5,245. 1717 dieweil dein glaubens-licht/ auf mich sieht, fehlt mir hülffe nicht Männling
blumen-garten 132. 1848 die fürsten geben nichts darauf,/ dieweil sie alle obenauf
berl. krakehler 16,4. in verbindung mit anderen konjunktionen: u1120/30 den urituͦm/ den unsir uorderen habeten die wile daz si lebeten
milst. exodus 154,36 D. 1300 diu vor geschribene genade sulen si haben, dieweil und si diu vorgenanten haeuser in aigens gwer habent
denkm. münch. stadtrecht 55 D. 1574 die moͤgen an dem anerstorben gute nicht verschweigen noch verseumen, dieweile das das gut fuͤr gerichte nicht vergeben ist Pölmann
handtb. (1576) M 2a. –
bei voranstellung des konjunktionalsatzes auch mit so,
seltener mit do
als korrelat im hauptsatz: v1022 tia uuîla er lebet. sô ist taz eina uuâr. daz ander lugi Notker
1,482,14 P. 1363 diwile, das die burgere zcu Meydeburc rechte teydinc haldin .., so inmag man sie buzen der stat rechte nicht brengen in eyn andir gerichte
dt. rechtsdenkm. Schlesien 110 G./G. 1540 diewil ich gelt/ hab inn der welt,/ so gib ich aus/ als noch der pauß Wickram
5,170 LV. DWB2β
auf den beginn eines geschehens gerichtet; seit: u1520 die wyl die christenheit stuͦnd ye/ hat kein mensch soͤlichs me ghoͤret sagen Gengenbach
42 G. DWB2b DWB2 dieweil
bestimmt den zeitlichen verlauf des im konjunktionalsatz ausgedrückten geschehens und damit den zeitraum, innerhalb dessen das im hauptsatz ausgedrückte geschehen liegt; während: u1210 die clagenden Irlandære,/ die wile sin ir swære/ ze schiffen wolten gahen,/ Tristan begunde in nahen Gottfried
47110 R. M14.jh. dye weil das geschach, furn lewt mit wagen fur
script. rer. austr. 1,968. 1563 dieweil aber der bapst damit vmbgieng, vbeten die jenigen so Friderici regiment in Sicilien zu bestellen hatten, an keinem geistlichen orth groͤssere tyranney als am benedictiner kloster zu Cassina Faber
Saxonia 176b. 1768
(sie) legte ihre hand auf meinen arm, mich aufzuhalten, dieweil sie einen burschen rufte Bode
Yorick 1,138. 1954 all dies, wie gesagt, redet er ins allgemeine, dieweil ich das foto seiner gattin betrachte Frisch
Stiller (1955)263. DWB2–
in verbindung mit anderen konjunktionen: u1170 di wile dat he di
(gebete) stille dede,/ der engel godes dare quam Heinrich v. Veldeke
st. Servatius 386 F./Sch. 1533
(Maximianus) ruket von der Thonau bis an den Rein .., dieweil und sein sun und aiden Constantius mit den Teutschen .. zu schaffen het in Gallien Turmair
4,2,982 ak. DWB2–
bei voranstellung des konjunktionalsatzes auch mit so, da,
vereinzelt indes
als korrelat im hauptsatz: 1187/9 die wile das der herzcoge/ also was dar under,/ do geschach ein michil wunder Heinrich v. Veldeke
Eneide 7654 DTM. u1300 ein dornpusch .. /.. solder howen uzen wege./ diewile er was in dirre pflege,/ .. do viel daz isen vorne hin/ in ein tief wazzerbruch
passional []223b K. 1535 dieweil nuͦn solche ding zuͦ Rom gehandelt worden, inn des hat sich die Messalina inn dem lucullianischen garten oder furwerck gehalten Micyllus
Tacitus 167b. 1885 dieweil mit dirnen ihr gekost,/ da rangen wir, vom sturm umtost,/ im nächt’gen todesthal
dichtercharaktere 102 A. DWB23
unterordnende konjunktion. DWB2a
kausal. DWB2α DWB2
weil: 1336/56 dweil sei
(grundherren) aver geistliche hern seind, haven sy einen weltlichen vogt
weist. Rheinprovinz 2,2,98. z.j.1517 den sie vortrawten dem heren hohmeister dennoch nicht alzuviel, dieweil er ire herberge verschmoht hatte
script. rer. pruss. 5,487. 1704 wir wären längst gestorben,/ in mancher noth verdorben,/ dieweil wir sünder seyn Gerber
wohlthaten (1726)1,363. 1868 dieweil euch die fröhliche liebe verboten,/ haßt um so gründlicher ihr Hamerling
s. w. 5,85 R. v1914 die häusertürme von Neu-Berlin/ kamen einmal zusammen,/ dieweil es ihnen löblich schien,/ sich tätig zu entflammen Morgenstern
galgenlieder (1933)300. 1962 Mackensen
wb. 210c. in verbindung mit anderen konjunktionen: hs.u1430 das mag nit syn, dwil das ich komen bin
Lancelot 1,148 DTM. 1524 daß sie hinfurder keinen menschen mehr mit der oelung besuchen wollen, dieweile das kein sacrament, auch in keiner wolgegrundten göttlichen schrift bewert sein sall
(Magdeb.) chr. dt. städte 27,184. 1557
(die frauen) baten die hüter, in der nehen/ ihr verurteilt männer zu sehen,/ dieweil und sie ie müsten sterben Sachs
8,722 LV. DWB2–
mit kausalem korrelat im hauptsatz bei voran- oder nachgestelltem, mit konsekutivem korrelat nur bei vorangestelltem konjunktionalsatz: 1378/9 den dieweil zum anfang im römischen reich, vnter den heydnischen kaysern, zweierley ardt, heydnische vnd christliche schulen gewesen, .. alß haben sich die bischöffe mit höhestem fleiß dahin bemühet, daß .. Ernst v. Kirchberg
591 W. u1473 die weil vnd er nit het das weib,/ do gab er seim pueln gut vnd leib Frankfurter
pfarrer 578 HND. 1618 zeit narren .. bekriegen darumb solche namen: dieweil sie nicht jmmerzu von der vnsinnigkeit: sondern nur zun zeiten vnd bißweilen .. getrieben, vexiert vnd geplagt werden Messerschmid
spital 109. 1803 dieweil du mich berückt mit eitel lügen,/ .. sieh! so will ich dich verstossen Werner
söhne 1,224. DWB2β
obwohl: 1526 die weil jch for lengst geneigt wer gewest, e[wer] w[eisheit] mit meinem kleinwirdigen gemel zu einer gedechtnus zu fereren, hab jch doch solchs aus mangel meiner gering scheczigen werck vnderlassen müesen Dürer
nachlaß 1,117 R. 1596 dorfft jr noch hoffn,/ daß euch der himmel noch steh offn,/ dweil jr den alten glaubn lasset Dedekind
papista G 2b. DWB2b
selten adversativ, zur einleitung eines im konjunktionalsatz ausgedrückten gegensatzes zur aussage des hauptsatzes: 1559/66 er
(der eifersüchtige) stund vil manche lange winter nacht, des pfaffen zuͦ warten, dieweil ihm der jüngling bey der frawen lag Montanus
schwankb. 313 LV. 1771 kein schritt der feinde war den Persern unbekannt, dieweil Morad in beständiger ungewißheit blieb Haller
Usong 285. 1942 dieweil der klaviermacher fällt, steigt der radiohändler und der gewerbsmässige radiotechniker, ein neuer im mittelstand Marbach
mittelstand 265.H. Rahnenführer