Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
dienestman stm.
1. dienstmann, der sich in den dienst eines andern begeben hat. diese dienstmannen gehörten zum gesinde des herrn, Scherz 237. waren nicht vollfrei, mit ausnahme derer, die die 4 höchsten hofämter bekleideten, aber sie waren turnierfähig, also ritter genôʒ, und dies hob sie nicht nur über die eigenliute, sondern auch über die freien bauern. daher wird für die vornehmeren statt dienestman auch dienestherre gesagt: herzogen grâven vrîen unde dienestherren MS. 1,188. b. mehr beispiele vgl. Haltaus 2197. Wackern. d. bisch. und dienstm. recht zu Basel s. 14. Oberlin 236. alle dienstmannen gehörten in die kategorie eines jener 4 hofämter; der dienstmann konnte nicht nach seinem gutdünken das verhältnis zu seinem herrn lösen, sondern musste frei gelassen werden, ja der pfaffenfürst durfte nicht einmal freilassen; überhaupt war nicht bloss sein heerschild geniedert, sondern seine rechtlichen beziehungen waren durchaus analog denen der eigenliute, wenigstens im 13. jh., sie durften daher verschenkt, vertauscht werden, kinder von dienstmannen verschiedener herren wurden getheilt, sie konnten selber keine hörigen, ja überall kein zu freier disposition stehendes eigen haben, alles dies mit ausnahme der obersten inhaber jener hofämter. im einzelnen war ihre rechtliche stellung sehr verschieden, und Ssp. wie Schwsp. lehnen daher die entwicklung dieser ab. das recht der dienstmannen hiess hovereht und ihr lehen empfingen sie âne manschaft. übrigens konnte nur der höhere adel, vom semperfrîen incl. aufwärts, dienstmannen haben, die mittelfreien hatten nur eigen liute, vgl. Eichh. §. 344. anm. aa. — ich lasse eine reihe wichtigerer stellen folgen. Nieman mac eigen liute haben wan vrîen, und diu gotshûser, alle dienstman heiʒent eigen an der schrift, da von mügen si niht eigene liute haben. hôrt ein dienestman an ein gotshûs, und giht er hab eigen liute, die sint sîns gothuses eigen. giht eins fursten dienstman er habe eigen liute, des ist niht, si sint des fursten eigen Schwsp. ed. Lassb. 68. c. die vier (inhaber der 4 hofämter) die müeʒen von êrste rehte vrîe liute sîn, die mügen wol eigen liute haben das. 69. hât ein dienstman des er wenet eigen liute die mag er niht frei gelassen, si bestond in nicht, si seind des herren eigen des er ist, one di vier dienstman, die diss buch nemmet. kein pfaffenfürste mag seinen dienstman frei gelassen, er mag einen wechssel wol mit im tun umb besserung und nimpt er ein bœsers, der bischoff der nach im kommet, der nymmet seinen wechssele mit recht wider das. 308, I. dienstman nement erbe und erbent als vrîe liute nah allem lantrehte. eʒ mac aber ir eigen niht gevallen ûʒ ir herren gewalt, ob si nit erben hânt. si mugen oh nit ir eigen gegeben noch verkoufen, wan wider ir genôʒ (d. h. die mit ihnen unter demselben herrn stehenden dienstleute, vgl. Wackern. d. bisch. und dienstm. recht zu Basel s. 10. anm. 2). daʒ ditz buch als luzel seit von der dienstmanne rehte, daʒ ist da von daʒ ir reht so manicvaltic ist. die pfaffen fursten hant dienstman die hant ein reht. der abtissen dienstlute die da gefurstent sint, die hant ein ander reht. der leigen fursten dienstman die hant ouch sunder reht. da von kunnen wir niht wol bescheiden ir aller reht das. 158. vgl. lehenr. 111. lât ein herre sînen eigen man vrî, der behebt vrîer lantsæzen reht, er mac fürbaz niht an sîner vrîheit komen, und lât ein leigen furste sînen dienstman vrî, der von ritterlicher art geborn ist, die behaltent mitel vrîen reht das. 156. dienstmannes eigen mac nimer chomen in den kuniclichen gewalt, noch ûʒ ir herren gewalt, noch ûʒ ir gotshûser gewalt, ob si sich verwurchent an ir rehte, noch eigern liute eigen, daʒ vellet ir herren an des si da sint das. 46. alleʒ daʒ gut daz der herre sînem dienstman lîhet ze hoverehte, da sol er hoverehtes ab phlegen und [nit] lêhenrehtes. nah hoverehte sol iegelich dienstman geborn truhsæze sîn, oder marschalc oder kamerær oder schenke (vgl. Eichh. d. st. und r. gesch. §. 344. anm. o., Wackern. a. a. o. 13). swenn der herre hof oder hôhgezît hât, so suln die vier amptman iriu ampt verdienen nah dem rehte als des hoves gewonheit sî das. lehenr. 111. — daʒ sin dev drev geslahte (nach den 3 söhnen Noahs) dev gestênt mit durnahte, eineʒ daʒ ist edele, di hant daʒ hantgemahele, di andern frîge lute, di tragent sich mit gute. di driten daʒ sint dienestman, also ich virnomen hân; darunder wurden knehte Diemer 15,5. gegen diese begründung der unfreiheit erklärt sich der Ssp. 3,42,3, dahingegen hebt er fast noch mehr als der Schwsp. die zusammengehörigkeit von dienstmannen und eigenleuten hervor a. a. o. und veranlasst dadurch den glossator zu der ausführung, dass der dienstmann doch nicht eigentlich eigen sei, unter anderm deshalb, weil sein dienst nicht auf dem manne, sondern auf dem gute liege. — die dienstmannen der geistlichen fürsten standen an rang gleich denen des reichs und höher als die der laienfürsten. ausführlich und gründlich handeit über die verwickelten verhältnisse der dienstmannen Wackernagel zum bisch. und dienstm. recht zu Basel, namentlich s. 8 — 15, worauf zu verweisen ich mich begnüge, da die meisten andern mir bekannten darstellungen, z. b. selbst die Eichhorns in seiner staats- und rechtsgeschichte §. 344 nicht ohne ungenauigkeiten sind. Benecke citiert als wichtig: Hochstetter specimen juris germ. Stuttg. 1780, das ich nicht habe erlangen können. — in bezug auf turnierfähigkeit und ritterbürtigkeit sind sie den freien völlig gleichstehend, dennoch unterscheiden die dichter sie auch hier bei aufzählungen stets von den freien und von den lehnsmannen, welche letztere einfach man heissen, vgl. Hom. Ssp. 3,278. während bei den dienstmannen der zusatz des wortes dienst nicht fehlen darf (man und dienstman, mit mannen unde dienstmannen, amptlüte dienstmannen und man sehr oft). rangordnungen bei dichtern zählen (im ganzen entsprechend der ordnung der heerschilde) so auf: ich lâʒe ouch niht durch küneges haʒ noch dur die fürsten ob siʒ wolden anden; wolten mirz danne grâven wern und al die vrîen die umbe sint geseʒʒen ob die zeinander wolten swern, darzuo die werden dienestman der ich niht sol vergeʒʒen, und ouch die starken stette MS. 2,122. a. keiser künge grâven vrîen dienestman MS. 2,215. b. künege, fürsten, grâven, vrîe herren, dienstman, pfaffen, münche, koufman, gebûre MS. 2,122. b. fürsten grâven herzogen vrîen unde dienestman Lanz. 8381. und wie lebendig es im bewusstsein blieb, dass die dienstmannen nicht vollfrei seien, zeigt der bei dichtern so häufig wiederkehrende gegensatz von vrî und dienestman. swer an des edeln lantgrâven râte sî dur sîne hübscheit, er sî dienstman oder frî, der man in Walth. 85,18. vrî oder dinistman pf. Kuonr. 304,7. vgl. Karl 4384. Scherz 237. hie vrî dâ dienestman dort eigen ûf diʒ ein ritter ûf daʒ ein kneht MS. 2,138. a. ein herre von geburte vrî daʒ der ein dienestman ein ritter und ein kneht doch sî darzuo ein eigen man, wie daʒ geschehe des wundert man noch wîp. ein vrî geburt niht geirren kan ein herre der ensî doch wol der êren dienestman das. — die fürsten und ir dienestman die in wâren undertân enpfiengen wol den werden degen Wigal. 9308. 9856. den grafen Morale begleiten driu hundert dienestman und ein sîn genôʒ das. 8713. der erzbischof von Köln sagt zu dem guten Gerhard: dîn sun der ist ein koufman und noch ein harte stolzer kneht, der sol dienstmannes reht enphâhen unde leiten swert, in rîterschefte werden wert g. Gerh. 3370. — fürsten grâven frîen gar hân ich genant, swaʒ ir kom dar: nu nenn ich iu die dienestman frauend. 66,9. bei schilderung des turniers in Frisach (1224). Ulrich zählt dann auf: Hertnît von Ort, von Wildon Hertnît, der von Stubenberc, von Muorekk her Reinpreht (mit rittern vil, daʒ was sîn reht), her Ruodolf von Rac, von Küngesperc, von Kranperc her Herman, u. s. w. am schlusse der aufzählung sagt er: nu hân ich iu die gar genant, die dâ für wâren ûʒ bekant daʒ si ellen solden hân... dann fährt er fort: nu nenne ich iu die ritter (die vornehmen dienstmannen gelten mehr als die einfachen ritter) gar, waʒ ir kom under schilde dar. der hôchgemuoten über al was reht sehshundert an der zal 68,1. 9. sie werden aber nicht einzeln namhaft gemacht. freie und dienstmannen turnieren unter einander.
2. der diener. im sendet ouz allen englischen scharn unser hêrre seine dienstman Heinr. v. gem. leb. im leseb. 222,17. herre gebietet über mich, swaz ir gebietet, daz bin ich, iuwer jæger und iuwer dienestman daʒ bin ich als ich rehte kan Trist. 3373. iwer haʒ ist gegangen über iuwern gewissen dienstman sagt Iwein verbindlich zu Gawein, Iw. 273. ob si dir ein wîle erban daʒ du sîst ir dienestman büchl. 1,1567. sag ir ich sî ir dienestman, dienstlîcher dienste undertân Parz. 199,11. ich bin ir stæter dienestman mit triuwen unz an mînen tôt frauend. 560,2. ich wil ir aller (der wîbe) dienestman und ir kempfe immer wesen Wigal. 9676. der vrouwen dienstman ist ein namentlich im frauend. häufig vorkommender ausdruck von dem, der sich gegen die frauen so zu betragen weiss, wie die ritterliche sitte wünschte. er was der vrowen (plur.) dienstman, mit rehten triuwen undertân: er was in holt, er sprach in wol 8,21. vgl. 489,23. 499,9. — gotes dienstman Scherz 236. des tiuvels werder dienstman Barl. 297,11. — diu süeze minne süezen solt ir dienstmanne gît MS. 1, 45. a. vgl. der êren dienstman in dem oben angeführten beispiel MS. 2,138a. sist mînes herzen künegîn und ich ir lobes dienestman das. 2,104. a.