DWB2
DEUHEN vb. DWB2
ahd. dûhen,
mhd. diuhen.
mnd. dūwen;
mnl. nnl. duwen;
ae. þȳn, þēon, þȳwan, þēowan,
me. thewen.
zu einer k-
erweiterung der idg. wz. *(s)teu- ‘
stoßen, schlagen’ wie in gr. τύκος ‘
hammer, meißel’.
das nebeneinander von formen mit -h-
und -w-
könnte auf grammatischem wechsel beruhen, der jedoch eine k
u̯-erweiterung der idg. wz. voraussetzt schw. vb. I, vereinzelt st. part. perf., vgl. Fischer
schwäb. wb. 2,181. umlautbezeichnung seit dem 11. jh. -iu-,
diphthongiert -eu-;
nbf. mit -û-,
diphthongiert -au-,
bis ins 15. jh. häufig. – -w-
in seit etwa 1300 mehrfach bezeugtem hd. diuwen
ist gleitkonsonant. deuhen
ist ahd. (bes. in zuss.),
mhd., frnhd. und mnd. im ganzen sprachgebiet bezeugt, dichter jedoch nur im rheingebiet in der anwendung auf das keltern des weins (s. unter 1 a und 3).
in dieser anwendung nhd., auch mdal., ersetzt durch keltern.
in andern anwendungen im umkreis von ‘
drücken, stoßen, schieben usw.’ ist deuhen
mdal. erhalten im obd. und wmd., sporadisch im nd. DWB2 DWB21
zur bezeichnung von tätigkeiten des drückens und drängens. zweiwertiges tätigkeitsverb mit akkusativ- oder präpositionalobjekt. DWB2a DWB2
durch druck auf jmdn. oder etwas einwirken, pressen, bedrängen: 9./10.jh.
mensuram confertam kiduhit
(Luc. 6,38) ahd. gl. 5,19,11 S./S. 11.jh.
premunt duhent
(zu käse machen) ebd. 2,640,20 S./S. 2.h13.jh.? für seine augen er es
(tuch) hie,/ ein weilen er es der vor lie/ und daucht es mit paiden henden Havich
1931 DTM. 1.h14.jh. es haben etliche hund den sitten, das sie den vogel also ser dewen vnd beyssen, dz es dem habich nit wol thut vnd den vogel muß lassen
habichtslehre 133 L. herunterwürgen: 1264hs.1370 sô müezet ir den angel tiuhen (
hs. tuhen), als ir daz hünic dâ sûget Berthold v. Regensburg
1,216 P./S. DWB2–
speziell weintrauben pressen: 1286
(sie sollen) also vursich ie den anderen saͤcker vfschvthen, biz der selbe win von den vier morgen aller wirt gedvͤhet
corp. altdt. originalurk. 2,173 W. 1596 all sein erwachsenden .. wein .. deihen oder ustrucken lassen
württ. landtagsakten II 1(1910)431. 1763 gedeuten wein
pfälz. wb. 2,244. 1825 einwohner eines orts, welche weinberge auf einer fremden markung besitzen und deren ertrag mit ihrem übrigen erzeugniß in der kelter ihres wohn-orts deihen
samml. württ. gesetze 16,2,514 R. wein durch herauspressen gewinnen: 1567 do mussen die von Meckesheim .. den gedeuchten und lautern wein von der keltern uf den Dilsperg zu furen
bad. weist. I 1,217. DWB2b
vor jmdm. oder etwas fliehen, zu entkommen suchen, vgl. sich drücken: E13./A14.jh. ich rate iu, daz ir iuch
[]vor schanden diuwet/ und ouch vor laster Frauenlob
sprüche 400,5 E. hs.1435/62 sie
(die goldene weise) tiuwet (
hs. düwet) vor den liuten/ die ir niht künnent merken
meisterlieder kolmarer hs. 31,47 LV. DWB22
durch druck jmdn. oder etwas bewegen, mit angabe des ziels oder ausgangspunkts; dreiwertiges tätigkeitsverb mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung. DWB2a
etwas herauspressen aus etwas: u1060 ich scenkon dir gepîmenteten uuîn unte most ûzzen rôten epfelen gedûhtan Williram
132,2 S. hs.12./13.jh. nim des saffes, daz man da duhit uzzer dem grunen hanefsamin
zür. arzeneib. 42 W. – jmdn., etwas wegdrängen von etwas: E12.jh. unser herre .. bat sant Petren des, daz er daz scef ain lucel duhte von dem stade
altdt. pred. 3,129 Sch. u1270 als ich ie zu vreuden gedenke, so kunnet ir uns von vreuden duhen Albrecht v. Scharfenberg
Titurel 2688,4 DTM. DWB2b
jmdn. oder etwas auf ein ziel zu drängen, in etwas hineintauchen: u1120/30 den Josebes roch guͦt doͮhoten si in daz pluͦt
milst. genesis 76,32 D. u1285 .., daz ez
(pferd) begunde schiuhen/ und sich niht langer diuhen/ noch trîben ûf Pârîsen liez Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 34766 LV. DWB23
einwertiges tätigkeitsverb. DWB2a
keltern: 1513 das alle inwoner zu Sunzheim in iren keltern dewen
obrhein. stadtrechte I 440. 1594 so seien die von Zitzishausen auch weder in mühlinen noch keltern gebannen, sonder mögen mahlen und deihen wie und wa sie wöllen
württ. ländl. rechtsqu. 2,377. 1811 insbesondere haben die cameralbeamten darauf zu sehen, daß das deihen, das heißt das auspressen der treber, schneller als bisher betrieben wird
samml. württ. gesetze 16,2,167 R. DWB2b
obszön, vom geschlechtsakt: 1432/8 Jans, nit strauch! ../ und schon mir meiner schranzen,/ dauch schon, dauch! Oswald v. Wolkenstein
70,18 ATB. noch mdal. ‘coitieren’ 1928
rhein. wb. 1,1282.J. Bahr