Däuchten, v. I) impers. meinen, dafür halten, nach wahrscheinlichen Gründen, doch mehr nach sinnlichem Scheine urtheilen, schließen. Es wird mit dem dritten und vierten Falle der Person verbunden; doch scheint die Fügung mit dem dritten Falle die richtigere zu sein, da däuchten ein Vorschweben vor der Seele, ein Scheinen bedeutet.
auch gebrauchen es in dieser Fügung die meisten neuern und unter diesen die besten Schriftsteller. Sind auch mehrere der letzten in dem Gebrauch desselben nicht immer mit sich einig, so fügen sie es doch öfter mit dem dritten als dem vierten Falle. — Himmel und Erde, so däucht es ihm, wollten Fliehen, hinsinken, vergeh'
n. — Klopstock. — Ir däucht es, als ob sie in Thränen zerflösse. Ders. Solches däucht mir im Geist die seligste Wonne des Lebens. Voß. — und ihnen däucht in der Seele so. — Ders. Ir däucht, sie wandle hin. — Schiller. »Mir däucht, ich bin mir das nicht mehr bewußt.« Wieland. »Mir däucht, es wird Mühe kosten.« Ders. So sehr däucht ihr der Ritter — An Großheit und an Reiz, der erste Mann auf Erden. Wieland. Häufig verbindet es jedoch Wieland auch mit dem vierten Falle,
z. B. Zuweilen däuchte mich sogar, Ih sehe sie. — — Selten ist dies der Fall bei Klopstock. — — Mich däucht, die Stimme Bebt mir. — — Die ältern Schriftsteller fügen es häufiger mit dem vierten Falle, doch aber auch mit dem dritten. »Mich dauchte, wir bänden Garben auf dem Felde.« 1 Mos. 37, 7. Die Kutte, wie mich daucht (däucht) steht beiden übel
an. Hofmannswaldau. So seh ich bald bei mir, was den Silenus däucht. Logau. — — denn mich Däucht immer, daß ihr selbst und euer Nächster Hierbei (hiebei) weit mehr gewinnt, als er. Lessing. »Ih habe auch diese Weisheit gesehen unter der Sonne, die mich groß dauchte.« Pred. 9, 13. »Und es dauchten sie ihre Worte eben als wären's Mährlein.« Luc. 24, 11. »Doch geh, mich däucht sie kömmt.« Gellert. Mit der unbestimmten Form ist es in der guten Schreibart nicht gewöhnlich und überhaupt meist veraltet. Das däucht mich gut zu sein. I O. D. wird in diesem Falle auch das Wörtchen zu weggelassen. »Und es dauchte gut die Apostel — aus ihnen Männer wählen und senden gen Antiochiam.« Apostelg. 15, 22. Mit dem dritten Falle verbunden kömmt es in alten Schriften
z. B. in folgenden Stellen vor: »Ein jeder that, das (was) ihm recht dauchte.« Richter 17, 6. — Was den Sinnen Hier im Finstern schöne däucht. Canitz. II) ntr. mit haben, scheinen, vorkommen. »Also diente Jakob um Rahel sieben Jahre und dauchten ihm, als wärens einzelne Tage.« 1 Mos. 29, 20. Erschlaffung däucht des Menschensinns Entfaltung, Man wähnt Natur, was roh sich hebt und wild. Voß. III) rec. Х Sich däuchten, sich dafür halten, sich einbilden. Sich groß, sich viel däuchten. Er däuchtet sich was Rechtes, oder was Rechtes zu sein, er bildet sich nicht wenig ein. Eigentlich müßte däuchten umgewandelt werden; es däuchtet, es däuchtete, gedäuchtet; allein man zieht es gewöhnlich zusammen in es däucht oder daucht, es däuchte oder dauchte, gedäucht oder gedaucht. S. auch Dünken.