Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
dürre
1.1 ‘trocken’ im Ggs. zu ‘feucht’
1.2 ‘getrocknet’ im Ggs. zu ‘frisch’ ( grüene, vrisch )
1.3 ‘vertrocknet, tot’
1.4 feste Bilder, Phrasen und Topoi
1.4.1 ~ backen (?)
1.4.2 ~ mûre ‘Mauer ohne Mörtel, Trockenmauer’
1.4.3 die verwitwete Taube auf dem dürren Ast (s.a. ast )
1.4.4 Wenn dies dem grünen Baum (dem Gerechten) geschieht, was wird dem vertrockneten geschehen? (vgl. TPMA 5,235); hier nur Übers. von Lc 23,31
1.4.5 in sprichw. Verwendung
2 ‘dünn, mager’
1 ‘trocken’ 1.1 ‘trocken’ im Ggs. zu ‘feucht’ – neutral: bi dem dritten tag, do geschvf got daz dvͤrre ertrich vnd sampt daz wazzer an ein stat PrBerthKl 1,38; diu erde ist von ir nature durre unde kalt MNat 1,17; man schol si an ainer stat behalten, diu niht gar dürr sei noch gar fäuht BdN 367,32. – negativ, mit der Konnotation des Unfruchtbaren: herre, min irdensch wesen stat vor minen oͮgen gelich einem dúrren akker, da wenig guͦtes uffe ist gewahsen Mechth 4: 5,10. – übertr.: van dines herzen güldnem vazze, / dat uns dürre herz ouch iͤtswat nazze! / schenk uns, vrow, diner vröuden win MarlbRh 44,12; Litan 165 1.2 ‘getrocknet’ im Ggs. zu ‘frisch’ (grüene, vrisch): diu rôs paideu dürr und grüen ist guot zuo erznei BdN 344,16; sie hâten wîn unde brôt, / fleisch unde vische, / dürre unde frische StrDan 3904; umb allen fleischkauf beide gruͤn und durre [...], des sullen warten die zwene schultheizzen WüP 24,2; UrkCorp (WMU) 1653,47 1.3 ‘vertrocknet, tot’ des anderen tages in morgen / [...] di einleue [elf (Stecken)] durre waren / saffes si ne phlagen / div zvelfte div Aarones was / di sach man grune sam ein gras VMos 80,7. – übertr.: swer so gelouben nine hat, / der ist durre unde tot HimmlJer 159. – hierher oder ‘mager, fleischlos’? (s.u. 2): sam mag diz durre gebaine / ûf dirre erde / niemer lebendich werden Kchr 10200 1.4 feste Bilder, Phrasen und Topoi 1.4.1 ~ backen (?): die [Milchbrote] sullen alle glich ein gewihte haben und sullen zuͦ rehte und durre gebacken sin WüP 89,7 1.4.2 ~ mûre ‘Mauer ohne Mörtel, Trockenmauer’ der durren muren [interl. zu maceriae ] PsTr 61,3; SummHeinr 1:351,62 1.4.3 die verwitwete Taube auf dem dürren Ast (s.a. ast): daz si [die Taube] ir kain ander liep nimt wenn er gestirbt. und wenn si witib ist, sô fleugt si neur auf die dürren est der paum und waint und ist traurig und singt niht BdN 225,23; der reinen turteltûben art / tet er offenlîche schîn, / wande er nâch dem liebe sîn / vermeit der grüenen fröuden zwî / und wonte stæteclîche bî / der dürren sorgen aste KvWHerzm 253; Brun 5296; Parz 57,10 1.4.4 Wenn dies dem grünen Baum (dem Gerechten) geschieht, was wird dem vertrockneten geschehen? (vgl. TPMA 5,235); hier nur Übers. von Lc 23,31: dunt grunem holtze sie diz an, / wie sol dem durren ez ergan? EvStPaul 10440; EvPass 243,10; EvAug 203,24 1.4.5 in sprichw. Verwendung: ‘dürrez zwî treit dürrer stam’: / daz wîse wort ist niht gelogen Renner 12542 (vgl. TPMA 11,105); wer gesach ie obez ûf dürrem boume? ebd. 6436 (vgl. TPMA 1,390); ein dürre schal dik in ir treit / ein kernen grôzer süezekeit Boner Epilog,15 (vgl. TPMA 10,16); dürrez holtz macht rost [Feuer] Krone 7311 (vgl. TPMA 6,167); der mentsche in dieser welt ist gegeben / dem dode als gras in der wiesen eben / der senssen wann is hauwe ist, / das hude gruͤne und morne durre ist Pilgerf 13804 (vgl. TPMA 5,216) 2 ‘dünn, mager’ er sî junc oder alt, / dürr oder veist genuoc EnikWchr 95; daz antlütze dürre und vlach Iw 449; ez [das Pferd] was erwünschet alsô: / [...] / weder ze grôz noch ze kranc. / sîn dürre [schmal] houbet ez truoc / nâch sînem rehte hôch genuoc Er 7344; und sint zu durre die rippe, / do ist die kranckeit sippe Physiogn 341. – adv. ‘kärglich’ dabi gedenchin wir des ouh / wie kúrbiz, [...] / knoblouh, zibel, krútir vil / úns irvrischsten ellú zil. / nu lebin wir dúrre als wir sin tot: / wir sehin niht wand himil brot! RvEWchr 13346; darumb lossent uns lieber hochgezitlichen tuͦn denne dúrre und mit swerheit Tauler 59,12. – subst.: der arme dürre GFrau 2838
MWB 1 1458,10; Bearbeiterin: Baumgarte